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Artikel

27.10.1948 | Berliner Zeitung

Mehr Konsumgüter für die Ostzone

Punktkarte ab 1. Januar / "Freie Läden" als volkseigene Unternehmen

Berlin (Eig. Ber.). Durch einen Beschluß des Sekretariats der Deutschen Wirtschaftskommission wird das bisherige Bezugscheinsystem am 23. Dezember d. J. außer Kraft gesetzt und für den Kleinverkauf von gewerblichen Gebrauchsgütern, mit Ausnahme von Arbeitskleidung und Lederschuhen, ab 1. Januar 1949 die Punktkarte eingeführt. Die Hauptverwaltung Handel und Versorgung ist angewiesen worden, die entsprechenden Vorarbeiten für die fristgemäße Durchführung dieses Beschlusses zu treffen.

Zugleich hat das Sekretariat der DWK Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Produktion von Massengebrauchsgütern zum Zwecke einer verbesserten Versorgung der Bevölkerung angeordnet. Dabei sollen alle örtlichen Vorräte und Rohstoffe maximal ausgenutzt und volkseigene Betriebe, Genossenschaften und Privatbetriebe gleichermaßen herangezogen werden. In diesem Zusammenhang wurden die entsprechenden Behörden angewiesen, den Abfluß dieser Güter in die Kanäle des Schwarzen Marktes zu verhindern und den systematischen Kampf gegen Schieber und Schwarzmarktlieferanten und die von Westen her dirigierten Währungsspekulanten zu verstärken. Den Volkskontrollausschüssen fällt in diesem Rahmen eine besondere Aufgabe zu.

Das Sekretariat der DWK gibt jetzt auch offiziell Kenntnis von der Einführung des freien Verkaufs gewerblicher Gebrauchsgüter und Lebensmittel zu erhöhten Preisen, um der Bevölkerung der Zone die Möglichkeit zu zusätzlichem Erwerb außerhalb der rationierten Versorgung zu geben. Zugleich wird damit das Ziel verfolgt, den Schwarzen Markt zu bekämpfen und den Machenschaften zu begegnen, die mit der Doppelwährung in Berlin von westlicher Seite her bezweckt werden. Die aus dem Verkauf zu erhöhten Preisen resultierenden Überschüsse kommen dem öffentlichen Haushalt der Ostzone zugute. Zur Durchführung dieser Maßnahmen wird eine Handelsorganisation als volkseigenes Unternehmen gegründet.

Berlin (ADN). Um die Verteilung von gewerblichen Gebrauchsgütern an die Bevölkerung zu verbessern und die Produktion von Massengebrauchsartikeln zu steigern, hat das Sekretariat der Deutschen Wirtschaftskommission in seiner Sitzung vom 20. Oktober 1948 beschlossen:

1. Einführung der Punktkarte

1. Da das gegenwärtige Verteilungsverfahren von gewerblichen Gebrauchsgütern durch Bezugscheine dem Käufer keine freie Wahl beim Erwerb der Ware läßt und die Entwicklung des normalen Handels behindert, wird das Bezugscheinsystem am 23. Dezember 1948 außer Kraft gesetzt. Der Kleinverkauf von gewerblichen Gebrauchsgütern mit Ausnahme von Arbeitskleidung und Lederschuhen erfolgt mit Wirkung vom 1. Januar 1949 auf Punktkarte.

2. Die Hauptverwaltung Handel und Versorgung hat dem Sekretariat der Deutschen Wirtschaftskommission bis zum 15. November 1948 einen Anordnungsentwurf über die Bewirtschaftung von gewerblichen Gebrauchsgütern auf Grundlage der Punktkarte vorzulegen. Hierbei ist den Arbeitern und Angestellten der führenden Industriezweige und des Transportwesens eine bevorzugte Versorgung mit gewerblichen Gebrauchsgütern zu sichern.

Die Hauptverwaltung Wirtschaftsplanung hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Hauptverwaltungen der Industrie die Produktion so zu gestalten, daß in jeder Zuteilungsperiode des Jahres 1949 mehr gewerbliche Gebrauchsgüter verteilt werden können als in der bisher höchsten Zuteilungsperiode, dem dritten Quartal 1948.

3. Die Regierungen der Länder haben in Verbindung mit der Hauptverwaltung Handel und Versorgung die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, welche die Verteilung nach Punktkarte in allen Städten und Orten der Zone gewährleisten. Um den Handel zu beleben und um die Hemmungen der Warenzirkulation zu überwinden, hat die Hauptverwaltung Handel und Versorgung alle Maßnahmen zu ergreifen, um die von der Industrie übernommenen Waren entsprechend dem Versorgungsplan ohne Verzug dem Verbraucher zuzuführen.

2. Erweiterte Erzeugung von Massengebrauchsgütern

4. Die Wirtschafts- und Handelsorganisationen entfalten noch nicht genügend Initiative und Energie, um örtliche Vorräte und Rohstoffe zur maximalen Erweiterung der Warenherstellung und der Warenzirkulation im Interesse einer verbesserten Versorgung der Bevölkerung auszunutzen.

5. Die Deutsche Wirtschaftskommission verpflichtet die Regierungen der Länder, die Landräte und Bürgermeister, die Leiter von Industrie- und Handelsbetrieben sowie die Privatunternehmer, Maßnahmen zur maximalen Erweiterung der Produktion von Massengebrauchsartikeln zu treffen, wobei die Produktionsmöglichkeiten der volkseigenen Betriebe, der Genossenschaften, der Privatbetriebe und Werkstätten zur außerplanmäßigen Produktion von Massengebrauchsartikeln unter Verwendung örtlicher, für die Planproduktion nicht geeigneter Rohstoffe auszunutzen sind. Hierdurch darf die Planerfüllung nicht gefährdet werden. Die Produktionsprogramme der außerplanmäßigen Produktion von Massengebrauchsartikeln sind der Hauptverwaltung Wirtschaftsplanung der Deutschen Wirtschaftskommission einzusenden.

Die großen Betriebe der Zone sind verpflichtet, besondere Nebenabteilungen für die Produktion von Massengebrauchsartikeln einzurichten. Auch durch diese Einrichtung darf die Erfüllung des Produktionssolls weder quantitativ noch qualitativ gefährdet werden.

Die Hauptverwaltung Wirtschaftsplanung wird verpflichtet, bis zum 15. November die von den Ländern vorgeschlagenen Programme zu prüfen und dem Sekretariat der Deutschen Wirtschaftskommission ein Gesamtprogramm für die Organisation der erweiterten Erzeugung von Massengebrauchsgütern vorzulegen.

3. Verteilung dieser Massengebrauchsgüter

6. Die Hauptverwaltung Handel und Versorgung hat in Zusammenarbeit mit der Hauptverwaltung Materialversorgung dem Sekretariat der Deutschen Wirtschaftskommission bis zum 15. November 1948 einen Warenverteilungsplan für Massengebrauchsgüter vorzulegen.

7. Um den Städten, Kreisen und Ländern einen Anreiz zur weitgehenden Steigerung der erweiterten Produktion von Massengebrauchsgütern zu geben, werden die Länder, Städte und Kreise, die diese Güter erzeugt haben, bei der Verteilung bevorzugt berücksichtigt, um den Bedürfnissen der örtlichen Bevölkerung zu genügen.

8. Um zu verhüten, daß die Güter und Werte der sowjetischen Besatzungszone in die Kanäle des Schwarzmarktes fließen und zum Gegenstand von Spekulationen mit der in Berlin bestehenden Doppelwährung werden, verpflichtet die DWK alle zonalen, Landes-, Kreis- und Ortskontrollorgane sowie alle zuständigen Regierungs- und Justizorgane, den systematischen Kampf gegen Schieber und Schwarzmarktlieferanten und die vom Westen her dirigierten Währungsspekulanten zu verstärken. Die Volkskontrollausschüsse werden aufgefordert, die demokratischen Selbstverwaltungsorgane bei der Durchführung dieser Aufgabe zu unterstützen.

4. Freier Verkauf von Konsumgütern zu erhöhten Preisen

9. Um der Bevölkerung der Zone die Möglichkeit zu geben, zusätzlich außerhalb der rationierten Versorgung gewerbliche Gebrauchsgüter und Lebensmittel zu erwerben, wird ein freier Verkauf gewerblicher Gebrauchsgüter und Lebensmittel zu erhöhtem Preis eingeführt. Ausgenommen sind davon vorerst folgende Lebensmittel: Fleisch, Eier, Butter, Frischmilch, Käse.

Die Einführung dieses freien Verkaufs der Güter zu erhöhten Preisen verfolgt zugleich das Ziel, den Schwarzen Markt zu bekämpfen und den Machenschaften zu begegnen, die mit der Doppelwährung in Berlin bezweckt sind. Die Überschüsse kommen nicht der Spekulation zugute, sondern fließen dem Haushalt der Zone zu und werden dazu beitragen, die Volkswirtschaft im Rahmen des Zweijahresplanes zu entwickeln.

10. Die Hauptverwaltung Handel und Versorgung wird angewiesen, eine vorläufige Preisliste für diese Güter und Lebensmittel aufzustellen, die von der Hauptverwaltung Finanzen zu bestätigen ist. Die Preise sind so zu gestalten, daß damit der Schwarze Markt wirkungsvoll bekämpft werden kann. Sie sind in dem Maße, wie die Produktion von Massengebrauchsgütern erweitert und entwickelt wird, zu senken. Das Ziel ist, zu einem einheitlichen Preissystem zu gelangen und schließlich das Kartensystem aufzuheben.

11. Für den Verkauf gewerblicher Gebrauchsgüter und Lebensmittel zu erhöhten Preisen wird durch die Hauptverwaltung Handel und Versorgung eine Handelsorganisation gegründet. Diese Handelsorganisation errichtet eigene Verkaufsstellen und Gaststätten. Sie kann andere Handelsbetriebe mit dem Verkauf bestimmter Waren beauftragen.

12. Die Hauptverwaltung Handel und Versorgung hat dem Sekretariat der DWK einen Plan vorzulegen, der den freien Verkauf von Gebrauchsgütern und Lebensmitteln zu erhöhten Preisen in den größeren Städten der Zone vom 15. November 1948 ab gewährleistet.

Rau, Kuckhoff, Vorsitzender Mitglied

des Sekretariats der Deutschen Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Versorgung, Punktkarte, Alltag, Mensch
Aktualisiert am: 06.02.2006
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