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Artikel

28.10.1948 | Berliner Zeitung

Von Schiebern und Geschobenen

Purzelbäume der westlich lizenzierten Propagandamühle

Ben Akiba behält auch bezüglich des Geschreies recht, das augenblicklich von der in Westberlin lizenzierten Kriegshetzerpresse über die polizeilichen Maßnahmen zum Schutze der sowjetischen Besatzungszone vor der Ausplünderung von Schiebern und Schwarzhändlern angestimmt wird. Es war im Spätsommer des vorigen Jahres, als der Wortführer der SPD-Fraktion im Berliner Stadtparlament und seine Freunde bittere Krokodilstränen über die armen Berliner Schieber weinten denen von der bösen Ostzonenpolizei ihr Hamstergut abgenommen wurde. Man behauptete nicht mehr oder weniger, als daß die Bevölkerung in der näheren und weiteren Umgebung Berlins im Überfluß schwimme, von der sie gern den darbenden Berlinern abzugeben bereit sei. Von Versorgungs- und Ablieferungsplänen, deren Erfüllung durch die wilden Hamsterer gefährdet werden könne, wollte man nichts wissen. Es läge nur an der Regierung Brandenburgs und ihrer böswilligen Polizei, wenn die Berliner nichts zu essen bekämen.

Der Stadtrat für Ernährungswesen, Füllsack, erklärte z. B. in der Stadtverordnetenversammlung vom 16. Oktober 1947: "Wir haben auch versucht, freie Ware anzunehmen, um so mehr, weil wir wußten, daß die Bauern im Oderbruch durchaus bereit waren, uns die Waren anzubieten, und sie tatsächlich nicht wußten, wo sie mit der Ware hin sollten ... Ich konnte bei diesen Verhandlungen darauf hinweisen, daß nach unseren Feststellungen ganz erhebliche Mengen im Oderbruch nicht zur Verteilung gelangen können, weil sie angeblich niemand mehr haben wollte."

So lief die Walze im vorigen Jahr. Inzwischen wurde Deutschland in zwei Teile zerrissen, eine Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland errichtet und damit Berlin durch die gleichen monopolkapitalistischen Kräfte vom Westen isoliert. Sie führten überdies in Berlin die Doppelwährung ein und sind im Begriff, mit Hilfe ihrer B-Mark auch die seit langem betriebene Aufspaltung Berlins zu vollenden und seinen Westteil als Randgebiet des westdeutschen Kolonialstaates Amerika anzuschließen. Sie erfanden den Luftbrückenrummel und das Blockademärchen, um die Berliner besser verwirren und verhetzen zu können.

Die Gefahr des Zusammenbruchs der Berliner Versorgung stand nahe bevor, als die Sowjetregierung sich bereit erklärte, die Versorgung von Gesamtberlin mit allem Notwendigen durch Lieferung aus dem eigenen Lande oder durch Ankauf in anderen Ländern zu übernehmen. Die Spalter Berlins fürchteten die Entlarvung ihres schändlichen Spiels und - Herr Swolinzky und seine Kumpane "vergaßen" plötzlich, was sie noch wenige Monate zuvor mit größter Lautstärke verkündet hatten. Die "im Überfluß schwimmende" Umgebung Berlins, einschließlich des Oderbruchs, wurde jetzt plötzlich zur "Hungerzone" erklärt. Die Berliner wurden angefleht: Nehmt um Himmelswillen nicht von den durch die SMA zur Verfügung gestellten Lebensmitteln! Sie werden euren hungernden Brüdern in der sowjetischen Besatzungszone weggenommen, die nun restlos dem Untergang geweiht sind!

So und ähnlich ratterten nach dem Angebot der SMA die westlichen Propagandamühlen. Heute geht ihre Tour wieder anders herum, als die Polizei Brandenburgs erneut gegen Schieber und Schwarzhändler und wilde Hamsterer zugriff, weil sie täglich Zehntausende von Zentnern Lebensmittel und Schieberware nach Berlin hereinholen, die zumeist in die Kanäle des Schwarzen Marktes versickern. Die Herren Neumann, Swolinzky, Landsberg und Schwennicke müßten ja nun eigentlich über die Wirkung ihres Hilfegeschreis im Interesse der angeblichen "Hungerzone" sehr befriedigt und der Ostzonenpolizei für ihre Maßnahmen höchst dankbar sein. Ist man das? Im Gegenteil! Jetzt hört man wieder die alte Walze von den darbenden Berlinern und dem Überfluß in der Umgebung, von dem Terror der Polizei, die nichts davon nach Berlin hereinläßt usw. usf. Es sind tolle Purzelbäume, die man schlägt. Auf die ehrlich ihrer Arbeit nachgehende Bevölkerung werden sie allerdings kaum eine Wirkung ausüben.

Kontrollen erforderlich

Massenschiebungen nach Berlin W

Bei den an den Sektorengrenzen durchgeführten Fahrzeugkontrollen durch die Polizei wurden in der Zeit vom 18. bis 25. Oktober folgende Waren beschlagnahmt, die auf illegalem Wege in die Westsektoren gebracht werden sollten:

1150 Zentner Kohlen, 250 Zentner Kartoffeln, 950 Zentner Gemüse, 400 Zentner Zwiebeln, 500 Zentner Futtermittel, über 10 000 Liter Treibstoff, 13 100 qm Fensterglas, 8000 Stück Glühlampen, 177 000 Faltschachteln Veramon, 111 000 Tabletten Albuoid, 10 050 Dosen Bohnerfix, 115 000 Kartons Körperseife, 2 Fässer Salzheringe.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, Autor: Autor
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Recht, Kontrolle, Hamsterfahrt, Agitation, Presse
Aktualisiert am: 06.02.2006
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