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Artikel

28.10.1948 | Die Neue Zeitung

Westmächte lassen die Tür offen

Die Neutralen bemühen sich weiter um eine Lösung

Paris (AP). - Trotz des sowjetischen Vetos gegen die Resolution der sechs nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, der sogenannten "Neutralen", ist mit Sicherheit damit zu rechnen, daß die Verhandlungen zwischen den Großmächten und den "Neutralen" weitergeführt werden, um doch noch eine friedliche Lösung der Berliner Frage zuwege zu bringen. Nach Ansicht zuständiger amerikanischer Kreise dürfte die Berliner Frage aber für einige Zeit aus den öffentlichen Diskussionen verschwinden. Keineswegs bestehe die Absicht, die Angelegenheit sofort vor die Vollversammlung zu bringen. Es sei sogar fraglich, ob die Westmächte es überhaupt tun würden. In französischen Delegiertenkreisen erklärte man ganz offen, daß Frankreich diesbezüglich die Initiative bestimmt nicht ergreifen wolle. Ein amerikanischer Diplomat meinte: "Warum soll man jetzt die Sache vor die Vollversammlung bringen, es würden doch nur immer die alten Argumente wiederholt werden."

Durch die Ablehnung der Resolution ist die Frage als solche noch keineswegs erledigt; denn es können weitere Vorschläge eingereicht werden. Um den Berliner Streitfall vor der Vollversammlung erörtern zu können, muß er zunächst von der Tagesordnung des Sicherheitsrates abgesetzt werden. Es ist jedoch zweifelhaft, ob ein solcher Antrag in nächster Zeit eingereicht werden wird, da sich verschiedene Delegationen nicht damit einverstanden erklären.

Wie von amerikanischer Seite betont wird, hätten die Westmächte durch die Annahme des Resolutionsentwurfes den Sowjets gegenüber bereits große Zugeständnisse gemacht. Sie seien jedoch nicht bereit, unter dem Druck der noch bestehenden Blockade der Einführung der Ostmark in Berlin zuzustimmen, und beabsichtigten auch nicht, vor Aufhebung der Blockade mit den Sowjets zu verhandeln. Die gleichen Kreise bringen zum Ausdruck, daß das "Nein" der Sowjets nur zu deutlich bewiesen habe, daß sie die Blockade als politische Waffe benützten, durch die die Westmächte diskriminiert und schließlich zur Aufgabe Berlins gezwungen werden sollten.

Das Veto der Sowjetunion gegen die Resolution der Neutralen wurde auf der Sitzung des Sicherheitsrates von den anderen Delegierten mit einem leichten Lächeln aufgenommen. Andrej J. Wyschinskij, der stellvertretende sowjetische Außenminister, hatte zuvor mit lebhaften Gesten seine Einwände gegen die Entschließung vorgebracht und sie als "unfair" bezeichnet. Der amerikanische Vertreter Dr. Philip C. Jessup machte in seiner Erwiderung Moskau allein für den Fehlschlag aller Bemühungen zur Lösung der Berliner Krise verantwortlich. "Was will die Sowjetunion?" fragte er und erklärte, sie könne alles, was sie meine haben zu müssen, auch erhalten, jedoch ohne die Blockade. Mit dieser könne sie nichts von dem, was sie wünsche, bekommen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Krise
Aktualisiert am: 06.02.2006
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