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Artikel

30.10.1948 | Die Neue Zeitung

Marineflugzeuge für die Luftbrücke

Lebensmittelvorräte für sechs Wochen eingelagert - Sowjetische Proteste

Berlin (NZ). - In Berlin landete am 28. Oktober das zehntausendste amerikanische Versorgungsflugzeug seit Beginn der Blockade. General William H. Tunner, der Oberbefehlshaber der anglo-amerikanischen Luftbrücke, erklärte in Wiesbaden, daß man die tägliche Transportkapazität schon in nächster Zeit, nämlich, wenn alle von Präsident Truman zugesagten 66 neuen Maschinen eingesetzt würden, um weitere tausend Tonnen zu erweitern hoffe. Voraussichtlich würde man die Zahl von täglich 5500 Tonnen sogar noch überschreiten können. In den nächsten Tagen sollen unter anderem 24 amerikanische Marine-Flugzeuge der Pazifik-Division mit dreifacher Besatzung zum Einsatz bei der Berliner Luftversorgung abkommandiert werden.

Die Sowjets protestierten bei den Militärregierungen der westlichen Alliierten gegen angebliche "dauernde Verletzungen der Flugdisziplin im Raume der Luftkorridore und über Groß-Berlin" durch alliierte Piloten. Sie forderten, daß unverzüglich Maßnahmen gegen die Gefährdung der Flugsicherheit eingeleitet würden. Das entsprechende Abkommen war von den Sowjets am 26. Oktober für ungültig erklärt worden. Der britische Militärgouverneur für Deutschland, General Sir Brian Robertson, erklärte dazu in einer Pressekonferenz, daß die Flugsicherheitsvorschriften auch für die Sowjets bindend seien, da der Koordinierungsausschuß der vier Mächte sie seinerzeit gebilligt habe. Ab 1. November wird die britische Luftflotte die Zahl der Kinder, die täglich auf dem Luftweg aus Berlin evakuiert werden, von 80 auf 100 erhöhen. Seit Beginn der Aktion sind entgegen sowjetischer Pressemeldungen, die eine Zahl von 10 000 Evakuierten angaben, nach britischen Meldungen 1684 Kinder und 61 Mütter aus Berlin herausgeflogen worden.

Die augenblicklichen Leistungen der Luftbrücke, die bei Beginn der Blockade selbst von Fachleuten für unmöglich gehalten wurden, lassen die Berliner Bevölkerung mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft sehen. Obgleich die Erhöhungen der Lebensmittelrationen ab 1. November noch höhere Anforderungen an die Versorgungskapazität stellten, sind die Lebensmittelvorräte in den Westsektoren jetzt schon für sechs Wochen im Voraus gesichert. Durch die westlichen Militärregierungen und den Magistrat wird zur Zeit ein Programm zur Hausbrandversorgung West-Berlins ausgearbeitet. Während die Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke schon jetzt über Kohlenvorräte für sechs Wochen verfügen, wird beabsichtigt, an die Privathaushalte der Westsektoren während der Wintermonate etwa zwei bis drei Zentner Steinkohle zu verteilen. Durch Privatinitiative der Bevölkerung verfügen die meisten Haushalte außerdem über einen gewissen Vorrat an Stubbenholz oder Braunkohlen, die von Ostzonenbetrieben bereitwilligst gegen Westmark geliefert wurden.

Wesentliche Hilfe wurde den Westsektoren durch die Aktionen der amerikanischen und westdeutschen Hilfeorganisationen zuteil. CARE brachte bisher rund 72 000 Lebensmittel- und Schmalzpakete nach Berlin. Mitglieder der amerikanischen Gemeinde in Berlin kauften bei der Berliner Zweigstelle der CARE-Organisation seit dem Juli über 15 000 Pakete für ihre Berliner Freunde. CRALOG hat ein großangelegtes Hilfsprogramm durch Volksspeisungen verwirklicht. Das westdeutsche Hilfswerk liefert laufend hochwertige Lebensmittel, vor allem für Tbc-Kranke und Kinder. Angehörige der amerikanischen Truppenteile führen zur Zeit größere Sammlungen in den deutsch-amerikanischen Jugendclubs durch, um 65 000 Berliner Kindern eine Weihnachtsbescherung zu ermöglichen.

Auch Sowjets erhöhen Rationen in Berlin

Berlin (DENA). - Im Sowjetsektor bestätigte der sowjetische Militärgouverneur in Deutschland, Marschall Wassilij Sokolowskij, einen Beschluß der Deutschen Wirtschaftskommission über Erhöhungen der Lebensmittelrationen ab 1. November. Nachdem den Bewohnern der westlichen Sektoren schon seit längerem eine Erhöhung um 200 Kalorien täglich zugesichert wurde, sollen die Bewohner des Sowjetsektors nun ebenfalls täglich zusätzlich zehn Gramm Fett und 100 Gramm Kartoffeln von den Sowjets erhalten.

Der Berliner Magistrat verabschiedete die vom Stadtparlament, wegen der Behinderung der Wahlvorbereitungen im Sowjetsektor, geforderte Ergänzung zur Wahlordnung. Danach werden die Stadtverordneten der behinderten Wahlkreise, die am 20. Oktober 1946 gewählt wurden, bis zur Feststellung der Nachwahlergebnisse im Amt bleiben. Wegen der schwierigen Geld- und Währungslage Berlins beabsichtigt der Magistrat, bei den westlichen Militärregierungen für die Einführung der D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel in den Westsektoren einzutreten. Die drei westlichen alliierten Kommandanten traten am 28. Oktober im Hauptquartier der britischen Militärregierung zu Besprechungen zusammen, auf denen Währungsfragen, die bevorstehenden Wahlen und die Winterversorgung Berlins besprochen wurden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Statistik
Aktualisiert am: 06.02.2006
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