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Artikel

02.11.1948 | Die Neue Zeitung

Clay berichtet nach Washington

Deutsche Einwände gegen Pressefreiheit

Berlin (UP). - Der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland General Lucius D. Clay, teilte am 1. November in seinem Halbmonatsbericht nach Washington mit, daß ihn deutsche Journalisten vor der Aufhebung der Lizenzierung der deutschen Presse gewarnt hätten, da durch diese Maßnahme Zeitungen in die Hände von Naziverlegern fallen könnten. In Kreisen der Militärregierung werde befürchtet , daß die Einführung einer Art Pressezensur durch Deutsche geplant sei, wenn die Lizenzierung durch die Militärregierung aufgehoben werde. Die Militärregierung habe schon im Oktober erklärt, daß die Annahme von Länderpressegesetzen, in denen die Pressefreiheit garantiert sei, der Aufhebung der Lizenzierung vorangehen müsse. Viele deutsche Beamte seien für eine Pressezensur, um einen "Mißbrauch der Presse" zu verhüten. Eine Pressezensur werde in Kreisen der Militärregierung aber als ein noch größeres Übel angesehen als die Wiederkehr einiger ehemaliger Naziverleger.

General Clay stellt einen neuen Nachkriegshöchststand der Industrieproduktion in der Bizone fest. Die Septemberproduktion habe 70 v. H. der Produktion des Jahres 1936 betragen gegenüber 64 v. H. im August. In vier Industriegruppen wurde der Stand von 1936 erreicht oder überschritten. Neue Nachkriegshöchstleistungen seien in der Gas- und Elektrizitätsindustrie, in der Industrie für elektrische Ausrüstungsgegenstände, im Bergbau (mit Ausnahme des Kohlenbergbaus), in der Gummiindustrie und in allen übrigen Industriegruppen zu verzeichnen. Die Kohlenförderung hat nach dem Bericht 82 v.H. des Standes von 1936 erreicht.

Den Anstieg der Produktion führt General Clay auf die Auswirkungen der Währungsreform, die Erhöhung der Arbeitsleistung, die bessere Ernährung, die guten Kohlenzuteilungen, die hohen Einfuhren und schließlich auf die Erwartung der verstärkten Hilfe aus den Mitteln des ERP-Programms zurück. Im September seien 795 950 Tonnen Lebensmittel in die Doppelzone eingeführt worden; diese Ziffer sei die zweithöchste seit dem Beginn der Besetzung . In der amerikanischen Besetzungszone sei es seit der Währungsreform zu weniger Streiks gekommen als zu irgendeiner anderen vergleichbaren Zeit. Insgesamt sieben Streiks hätten zwischen dem 1. Juli und dem 30. September nur 325 Arbeiter umfaßt. Die Arbeitslosigkeit habe Anfang Oktober einen neuen Tiefpunkt mit 754 600 Personen erreicht.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Presse, Pressefreiheit
Aktualisiert am: 06.02.2006
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