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Artikel

06.11.1948 | Die Neue Zeitung

Neue Spaltungsversuche der SED

Berliner Magistrat einstimmig für Westwährung

Berlin (DENA). - Ein SPD-Antrag, in dem der Berliner Magistrat beauftragt wird, mit den zuständigen alliierten Stellen Verhandlungen über die sofortige Einführung der Westmark als alleiniges Zahlungsmittel in den Westsektoren zu führen, wurde am 4. November, nach einer heftigen Diskussion mit der CDU-Fraktion, einstimmig durch das Berliner Stadtparlament gebilligt. Der amtierende Oberbürgermeister Berlins, Dr. Ferdinand Friedensburg, bereitet jetzt ein Weißbuch der Stadt Berlin über die gesamte Blockadefrage vor, in dem nachgewiesen werden soll, daß die von sowjetischer Seite geleugnete Blockade durch deren Schuld tatsächlich bestehe.

Obwohl ein führendes Mitglied des sowjetisch orientierten demokratischen Blocks dagegen das Bestehen der Blockade leugnete und die Lage in Berlin als "absolut labil" bezeichnete, erklärte er im gleichen Augenblick., die SED habe einen Weg beschritten, auf dem sie unter allen Umständen zum Siege gelangen wolle. Gleichzeitig kündigte der Sprecher die Errichtung eines Ostmagistrats an, der in Kürze offiziell ausgerufen werden soll. Damit hat die SED, die dem Berliner Magistrat bisher immer Versuche zur Spaltung der Stadtverwaltung vorgeworfen hatte, selbst den ersten entscheidenden Schritt zu dieser Spaltung unternommen.

In diesem Zusammenhang entschlüpfte dem Sprecher des demokratischen Blocks ein bemerkenswertes Geständnis, indem er erklärte, die Unterstützung der SED durch die sowjetische Besatzungsmacht stelle die größte Schwäche dieser Partei dar, da sie, völlig sowjethörig, sich dem deutschen Denken ganz entfernt habe und so den Widerstand der Bevölkerung herausfordere. Als führender der Kopf bei der Bildung des neuen Ostmagistrats wurde von ihm der neuernannte Vorsitzende des Berliner SED Landesverbandes Hans Jendretzki genannt. Dieser werde jedoch ebenso schnell wieder abgesetzt werden, so erklärte der Sprecher, falls er die ihm gestellten Aufgaben nicht zur Zufriedenheit lösen würde.

Jendretzki scheint diese Befürchtungen zunächst jedoch noch nicht zu rechtfertigen. In einer, vom Volksrat veröffentlichen Broschüre zur Reparationsfrage erklärte er, laut Südena, "eine deutsche Maschine in Moskau ist augenblicklich wichtiger für die Sowjetunion als zehn Maschinen in Chemnitz. Die Demontagen sind sicher schmerzliche Eingriffe, sie werden aber durch die politischen Beweggründe gerechtfertigt". Als Verfasser der Schrift gibt er allerdings zu, daß eine im Ural wieder aufgebaute deutsche Fabrik nur einen Teil des Wertes darstelle, den sie in Deutschland besaß. Er weißt aber darauf hin, daß die sowjetischen Reparatitionsforderungen nur 10 Milliarden Dollar betrügen, während die deutschen Verluste durch Kriegseinwirkungen, mit 485 Milliarden Dollars angegeben werden müßten. Die Reparationen hätten somit nur relative Bedeutung. Jendretzki schließt seine Ausführungen mit der Versicherung, daß es im Interesse Deutschlands läge, wenn die Sowjetunion Reparationsleistungen aus der laufenden Produktion entnehme, da diese Lieferungen der Ostzone an die Sowjetunion den Wiederaufbau der ostdeutschen Industrie fördern würden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Ökonomie, Währung, Währungsreform
Aktualisiert am: 06.02.2006
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