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11.11.1948 | Die Neue Zeitung

Bramuglia will wieder vermitteln

"Günstigere Aussichten" für Lösung der Berliner Frage

Paris (AP). - Meldungen der letzten Tage bestätigen immer mehr, daß mit dem Fehlschlagen des Versöhnungsversuches der sogenannten "Neutralen" im Weltsicherheitsrat die Berliner Frage keineswegs endgültig entschieden worden ist.

Vielmehr deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die Diskussion im Rahmen der UN in Kürze erneut aufgenommen wird. Dr.: Juan Attilio Bramuglia, Argentiniens Außenminister und gegenwärtig Vorsitzender im Sicherheitsrat, erklärte jetzt selbst, daß er nach seiner Rückkehr aus London, wo er sich mehrere Tage zu Besprechungen mit führenden Staatsmännern Großbritanniens aufhielt, seine Vermittlungsversuche wieder aufnehmen und gemeinsam mit den sechs "Neutralen" erneut einen Kompromiß suchen wolle.

Die Londoner Reise Bramuglias war, wie der Kosmos-Pressedienst zu wissen glaubt, dazu bestimmt, das Terrain hierfür vorzubereiten. Die Engländer hätten seinerzeit den sowjetischen Abänderungsvorschlägen zu den Empfehlungen der " Neutralen" die schärfste Opposition entgegengesetzt. Auf Grund seiner Besprechungen mit Premierminister Clement R. Attlee und Außenminister Ernest L. Bevin habe Bramuglia den Eindruck gewonnen, daß die Engländer nunmehr eine "elastischere, konziliantere Haltung" einnähmen. Bramuglia sei ferner der Ansicht, daß die Chancen für eine friedliche Beilegung des Berliner Konflikts jetzt nach den Präsidentenwahlen in den USA größer seien als je zuvor und das die Wiederwahl Harry S. Trumans das Zustandekommen eines Modus vivendi mit Sowjetrußland erleichtere. Auch die letzte Rede des sowjetischen Außenministers, Wjatscheslaw M. Molotow, sei viel versöhnlicher gehalten als die bisherigen Äußerungen zur sowjetischen Außenpolitik.

Aus Pariser politischen Kreisen verlautet ferner, daß der Generalsekretär der UN, Trygve Lie, einen eigenen Plan zur Lösung des Berliner Währungsproblems vorbereitet habe. In Beantwortung verschiedener diesbezüglicher Fragen wurde allerdings in einem Kommuniqué verneint, daß Lie an irgendwelchen Verhandlungen über die Berliner Frage teilgenommen habe. Er habe lediglich in Ausübung seiner Pflicht, sich über alle vor den Vereinten Nationen diskutierten Fragen zu informieren, die Berliner Währungsfrage studiert und sich in diesem Zusammenhang mit dem Präsidenten der Vollversammlung, Dr. Herbert Evatt, in Verbindung gesetzt.

Nach diesen Erklärungen glaubt man, BBC zufolge, annehmen zu können, daß tatsächlich irgendein neuer Plan zur Lösung der Berliner Währungsfrage besteht und daß vielleicht auf diese Weise formelle Verhandlungen zwischen den Westmächten der Sowjetunion unnötig werden würden. Eventuell könnte man damit auch die gleichzeitige Aufhebung der Blockade und die Einführung der Ostmark in Berlin ohne Verhandlungen unter Druck erreichen.

Bei den am 11. November in London beginnenden Besprechungen über die Ruhr werden, nach Meldungen der Südena, nur das Statut und die Vollmachten der in dem Londoner Abkommen vorgesehenen internationalen Ruhrkontrolle während und nach der Besatzungszeit zur Erörterung stehen. Außerdem soll noch über eine Anzahl damit zusammenhängender Fragen entschieden werden, so zum Beispiel die der genauen Begrenzung des Ruhrgebiets.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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