Flugzeuge
Bautechnik
Hochbahn
Schifffahrt
Eisenbahn
Zurück | Drucken

Artikel

11.11.1948 | Die Neue Zeitung

Sowjets errichten Barrikaden in Berlin

Berlin (AP/UP). - Die Sowjets befahlen jetzt die Errichtung von Straßensperren an der sowjetischen Sektorengrenze in Berlin, um - wie es in dem Befehl heißt - "die Wirtschaft im sowjetischen Sektor und in Ostdeutschland zu schützen". Diese Vervollständigung der Berliner Blockade wurde von dem stellvertretenden Kommandanten des amerikanischen Sektors, Oberst William T. Babcock, in diesem Zusammenhang als sowjetische Sicherungsmaßnahme bezeichnet, die einer eventuellen Einführung der Westwährung als alleingültiges Zahlungsmittel in den Westsektoren Berlins vorbeugen solle. Sowjetische Kreise hätten wiederholt geäußert, daß sie West-Berlin "wie eine Warze abzuschnüren und auszutrocknen" beabsichtigten. Dieses werde ihnen jedoch auf Grund der Leistungen der Luftversorgung nicht gelingen.

Daß die Russen den Gedanken einer Vier-Mächte-Verwaltung Berlins endgültig aufgegeben haben, zeigt auch ein Brief des russischen Sekretärs im Alliierten Kontrollrat an den amerikanischen Militärgouverneur, General Lucius D. Clay, der jetzt veröffentlicht wurde. In ihm wird durch die Sowjets erstmalig das Ende des Kontrollrats dadurch bestätigt, daß sie erklärten, die Sitzungen des alliierten Sekretariats des Kontrollrats würden nicht mehr stattfinden können, da der Kontrollrat faktisch nicht mehr existiere.

Die Deutsche Wirtschaftskommission der Ostzone beschlagnahmte jetzt auf sowjetischen Befehl elf Millionen Meter Textilstoffe, die für West-Berlin bestimmt waren und zu deren Herstellung West-Berliner Firmen 2500 Tonnen Rohstoff in die Sowjetzone geliefert hatten. Damit in dem Sperrgürtel um Berlin keine Lücken entstehen, werden jetzt außerdem die Markgraf-Polizisten, die an den Grenzen des Ostsektors Dienst tun,durch Kriminalbeamte der sowjetischen Verwaltung des Inneren streng überwacht. Alle diese Maßnahmen sowie die Bewaffnung und der Ausbau der Ostzonenpolizei riefen bei der Berliner Bevölkerung selbst starke Beunruhigung hervor. Damit zusammenhängend versicherte Oberst Frank L. Howley, der Kommandant des amerikanischen Sektors von Berlin, den West-Berlinern, daß der Ausbau der Ostzonenpolizei keinen Anlaß zu Besorgnis gebe. Die amerikanischen Truppen in Berlin seien stark genug, um die Möglichkeit zur Durchführung freier demokratischer Wahlen am 5. Dezember zu garantieren. Ein Handstreich durch bewaffneten Mob oder bewaffnete Polizei nach dem Prager Muster könne von der amerikanischen Besatzungsmacht, unter deren Schutz die West-Berliner Bevölkerung stehe, auf jeden Fall verhindert werden.

Auf den Bahnstrecken der Ostzone nach Berlin verfügten die Sowjets als weitere Blockademaßnahmen neue umfassende Fahrplaneinschränkungen. Dagegen wurden von ihnen fünfzehn Waggons mit etwa 25 000 Geschenkpaketen aus dem Ausland für Berlin sowie vier Waggons mit Briefpost aus den Westzonen, die durch die Sowjets in Öbisfelde an der Sowjetzonengrenze festgehalten wurden, jetzt laut Dena freigegeben und nach dem Berliner Sowjetsektor gebracht. Die Freigabe der zurückgehaltenen Paketsendungen aus den Westzonen konnte jedoch bisher noch nicht erwirkt werden.

Trotz dieser verschärften Grenzkontrolle besteht, wie Dena weiter erfährt, zwischen der Sowjetzone und Westdeutschland ein lebhafter illegaler Warenverkehr, der der Ostzone die Möglichkeit zur Beschaffung dringend benötigter Rohmaterialien geben soll. Der Handelsverkehr werde zum Teil auf Kompensationsbasis durchgeführt und allem Anschein nach von der Deutschen Wirtschaftskommission für die Sowjetzone stark gefördert. In erster Linie würden die nach der Ostzone gelieferten Waren mit Strümpfen und Textilien und zum Teil auch mit Westmark oder Dollars bezahlt werden.

Durch eine Verordnung der britischen Besatzungsbehörden wurden in diesem Zusammenhang neue verschärfte Richtlinien für den Grenzverkehr an der britisch-sowjetischen Demarkationslinie erlassen. Der interzonale Gütertransport durch das Gebiet der Bizone soll danach, sofern er in der Sowjetzone beginnt oder endet, auf unbestimmte Zeit eingestellt werden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Alltag, Mensch, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Grenze, Kontrolle, Post, Paket, Brief
Aktualisiert am: 06.02.2006
Zurück | Drucken