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Artikel

11.11.1948 | Die Neue Zeitung

Clay für Produktionserhöhung

Industrieniveau soll um 10 v. H. gehoben werden

Berlin (UP). - In seinem jetzt veröffentlichten Monatsbericht für September schlägt der amerikanische Militärgouverneur General Lucius D. Clay eine Erhöhung des deutschen Industrieniveaus um weitere 10 v. H. vor. Die vorgeschlagene neue Heraufsetzung würde die industrielle Kapazität um 35 v. H. über den 1946 von den Alliierten festgesetzten Stand erhöhen. Die Produktionserhöhung sei erforderlich, wenn sich Westdeutschland 1952/53 nach dem Wegfall der Marshall-Plan-Hilfe aus eigener Kraft erhalten und das Gleichgewicht zwischen Einfuhr und Ausfuhr herstellen soll.

In dem Bericht wird betont, daß bis zu diesem Zeitpunkt der deutsche Export, an der bisherigen Ausfuhrziffer gemessen, vervierfacht werden müsse, um die Selbsterhaltung Westdeutschlands zu sichern. Als Exportziel für 1948/49 wird ein Ausfuhrbetrag von 666 Millionen Dollar genannt. Der endgültige Exportstand Westdeutschlands müßte um etwa 40 v. H. höher liegen als vor dem Kriege, um den Verlust der Nahrungsmittel- und Rohstoffquellen Ostdeutschlands wettzumachen. Die Industrieproduktion habe gegenwärtig 70 v. H. des Standes von 1936 erreicht, und mit Ausnahme der Kohlenförderung in allen Zweigen neue Nachkriegsrekorde aufgestellt. Der Militärgouverneur betrachtet die weiteren Aussichten für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen

Wirtschaftskonjunktur auch im Winter als günstig, falls nicht ungewöhnlich harte Wetterbedingungen eintreten sollten.

In seinen weiteren Ausführungen geht der General auf die Verschlechterung der Berliner Wirtschaftslage ein. Die Produktion und der Umsatz der Industriebetriebe der westlichen Sektoren sei auf 20 v. H. des Standes vor der Blockade abgesunken. Etwa 89 000 Personen seien arbeitslos oder auf Kurzarbeit angewiesen. "Viele Arbeiter sind gezwungen, entweder Geld zu leihen oder Gegenstände zu verkaufen, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen."

Durch die Beschlagnahme der finanziellen Mittel der Stadt im sowjetischen Sektor seien 370 000 Berliner ohne die ihnen zustehenden Pensionen geblieben. Die Angestellten der Stadt hätten ihre Dienstbezüge nicht in voller Höhe erhalten. Ausreichende Notstandsarbeiten könnten wegen Geldmangels nicht durchgeführt werden. Die Verwaltung der Stadt sei auf allen lebenswichtigen Gebieten geteilt. Die Sowjetbehörden hätten den Berliner Magistrat nicht mehr anerkannt und verwalteten ihren Sektor durch die kommunistische Partei und die von Kommunisten beherrschte Polizei. Diese Maßnahme wird als eine klare Verletzung der Vier-Mächte-Abmachungen über die Verwaltung der Stadt Berlin bezeichnet.

Von britischer Seite wird im Gegensatz zu den Ausführungen General Clays erklärt, die Produktion der Westsektoren betrage etwa 45 bis 50 v. H. des Standes vor der Blockade. Amerikanische Wirtschaftsbeamte erklärten, laut Dena, am 9. November, eine große Arbeitslosigkeit in Berlin könne nur durch genügende finanzielle Unterstützung der Westsektoren verhindert werden. Diese Ansicht wird mit der Schwierigkeit begründet, genügend Rohstoffe und Kohle nach Berlin zu fliegen, um die von der Notgemeinschaft geforderte 40-Stunden-Woche durchzuführen. Die Berliner Westsektorenwirtschaft müsse ihre Belegschaften durch den Winter bringen, wenn auch die volle Produktionshöhe nicht aufrechterhalten werden könne. Die Zuteilung von 20 000 Tonnen Kohle als Hausbrand für die Berliner Bevölkerung werde in der Industrie fehlen. In Berlin müssen die Gesetze einer belagerten Festung gelten. Erforderlich sei, die in der Festung lebenden und kämpfenden Menschen mit einem Minimum an Ernährung, Kleidung und Wärme zu versorgen und auch der Industrie ein Minimum an lebenswichtiger Produktion zu sichern. Dies werde durch die Luftbrücke garantiert.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Statistik, Wirtschaft, Produktion, Arbeit, Arbeitslosigkeit
Aktualisiert am: 06.02.2006
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