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02.10.1948 | Die Neue Zeitung

Evatts Plan stößt auf Widerstand

Berliner Frage soll vor Sicherheitsrat bleiben

Paris (SÜDENA/AFP). - Die Meldungen der letzten Tage verstärken den Eindruck, daß die führenden Persönlichkeiten der Vereinten Nationen nichts unversucht lassen wollen, um sobald als möglich eine Verständigung zwischen Ost und West herbeizuführen. Dabei wurde allerdings der Plan des Präsidenten der UN-Vollversammlung, Dr. Herbert Evatt, an die vier Großmächte zu appellieren, den Berliner Konflikt beizulegen, von diplomatischen Kreisen der UN, vor allem von der Gruppe der sogenannten "Neutralen", äußerst skeptisch aufgenommen. Trotz dieser Reaktion scheint Evatt jedoch entschlossen, seine Gedanken weiter zu verfolgen und die Großen Vier darauf hinzuweisen, daß sie sich in der am 4. November einstimmig angenommenen mexikanischen Resolution verpflichtet hätten, ihre Bemühungen um die Regelung der Friedensverträge zu verdoppeln.

Den meisten Widerstand findet das Vorhaben Evatts deshalb, weil es nach Ansicht verschiedener Vertreter der Neutralen keine praktische Lösung bringe und Komplikationen zu verursachen drohe, die vermieden werden sollten. Im Prinzip habe wohl niemand etwas gegen einen Appell an die Großmächte einzuwenden; es müsse aber in erster Linie eine Lösung des Problems gefunden werden. Wie diplomatische Kreise außerdem betonen, gehe der Versuch Evatts anscheinend vor allem auf den von ihm ständig vertretenen Gedanken zurück, daß in erster Linie die Vollversammlung in allen für die UN bedeutsamen politischen Fragen zuständig sei. Die Neutralen und auch die drei Westmächte sollen jedoch nach wie vor eine Lösung ablehnen, die den Berliner Streitfall vor die Vollversammlung bringen könnte.

Die Arbeiten der Sachverständigen des Generalsekretariats unter der Leitung von Trygve Lie finden dagegen allgemein eine wesentlich günstigere Aufnahme. Man befürchtet allerdings hier, daß die mit dieser Aufgabe betrauten UN-Beamten nicht über alle Möglichkeiten verfügen würden, die für eine praktische Lösung erforderlich seien. Der Vorsitzende des Weltsicherheitsrates, Dr. Juan Attilio Bramuglia, hat inzwischen seine Besprechungen mit Vertretern der Neutralen und der Westmächte fortgesetzt. Mit dem sowjetischen stellvertretenden Außenminister Andrej Wyschinskij traf er sich auf einem Frühstück, bei dem auch die Berliner Frage erörtert wurde. Im Verlauf einer Unterredung mit einem Pressevertreter wies Bramuglia erneut darauf hin, daß er sich von dem Gedanken leiten lasse, stets eine Tür offen zu lassen.

Trotz des Washingtoner Dementis, der völligen Zurückhaltung des US-Außenministers George C. Marshall und der amerikanischen UN-Delegation verstärken sich die Gerüchte von einer bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Präsident Harry S. Truman und Generalissimus Joseph W. Stalin. So glaubt man unter anderem, daß die bevorstehende Konferenz zwischen Truman und seinem Außenminister wesentlich im Zeichen der Vorbereitung einer eventuellen amerikanisch-sowjetischen Aussprache stehen werde. Marshall wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf ausdrücklichen Wunsch Trumans am kommenden Montag nach den Vereinigten Staaten abfliegen. Man rechnet auch damit, daß die weiteren Verhandlungen vor den UN bereits einen gewissen Aufschluß darüber geben werden, ob die USA und die UdSSR bereit sind, die sie interessierenden Probleme einer gemeinsamen Prüfung zu unterziehen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Krise, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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