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13.11.1948 | Die Neue Zeitung

"Die Luftbrücke geht weiter"

Sowjets bedrohen Luftversorgung - Alliierte Noten

Berlin (NZ). - "Wir beabsichtigen, weiter zu fliegen", erklärte der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, General Lucius D. Clay, zu den am 9. November angekündigten Maßnahmen der Sowjets, in Zukunft alle ausländischen Flugzeuge, die über der Ostzone außerhalb der festgelegten Luftkorridore oder ohne deutlich sichtbares Hoheitszeichen angetroffen werden, auf dem nächstgelegenen sowjetischen Flugplatz zur Landung zu zwingen.

In den anglo-amerikanischen Antwortnoten auf das erwähnte Schreiben des Stabschefs der SMA, Generalleutnant G. S. Lukjantschenkos, werden die sowjetischen Beschuldigungen, daß alliierte Flugzeuge ohne Kennzeichen außerhalb der Luftkorridore bis weit in die sowjetische Zone eingeflogen seien, zurückgewiesen. Sämtliche bei der Luftversorgung eingesetzten Maschinen seien mit deutlich sichtbaren Hoheitszeichen versehen und angewiesen, sich bei ihren Flügen streng an die festgesetzten Luftsicherheitszonen zu halten. Lediglich bei schlechtem Wetter könne es vorkommen, daß die eine oder andere Maschine infolge irgendwelcher vorübergehender Störungen die vorgeschriebenen Routen verlasse. Die alliierten Sprecher wiesen in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, daß die Verantwortung für jede Verletzung der zur Luftversorgung eingesetzten Piloten und jede Beschädigung der Versorgungsflugzeuge, die sich in Verbindung mit den von sowjetischer Seite angekündigten Maßnahmen ereigneten, allein von den Sowjets getragen werden müßten.

Die neuen sowjetischen Maßnahmen seien die bisher schärfste Bedrohung der Luftbrücke, so erklärte der Leiter der OMGUS-Abteilung für Luftstreitkräfte in Berlin, Oberstleutnant B. E. Steadman. Sie könne eine ernsthafte Gefährdung der Versorgung der Berliner Westsektoren bedeuten und zu ernsten Folgen führen. Bisher sind die Flüge nach Berlin, nach Aussagen der Luftbrückenpiloten, jedoch ohne Zwischenfälle verlaufen. Falls sowjetische Jäger sie unterwegs zum Landen auffordern sollten, hätten sie, auf Grund einer im Mai dieses Jahres erteilten Instruktion, den Befehl, der Aufforderung nachzukommen. Nach einer AP-Meldung kann daraus geschlossen werden, daß die Vereinigten Staaten und Großbritannien zunächst wohl einen ersten Zwischenfall hinnehmen würden, um jede Beschuldigung der Provokation zu vermeiden. Erst im Anschluß daran dürfte über die Haltung im Falle weiterer Zwischenfälle entschieden werden.

Allgemein messen alliierte Stellen der neuen sowjetischen Erklärung keine übertriebene Bedeutung bei. Das einzig Wesentliche an der Erklärung Lukjantschenkos sei, wie DPD über die Ansicht der politischen Abteilung der amerikanischen Militärregierung erfährt, die unzweideutige Anerkennung der Luftkorridore und des exterritorialen Charakters des Luftraumes über Berlin durch die Sowjets. Für die Berliner Lebensmittelversorgung selbst ergebe sich aber aus der neuen Maßnahme keine Gefahr. Meldungen der sowjetisch lizenzierten "Täglichen Rundschau", nach denen die Luftbrücke nun zusammengebrochen wäre, seien lediglich ein "sowjetischer Wunschtraum". Berlin verfüge augenblicklich über größere Vorräte als vor der Blockade, und die anglo-amerikanischen Stellen beabsichtigten, ihre Luftversorgung auch weiterhin zu intensivieren und auszubauen.

So plant zum Beispiel die britische Royal Air Force, laut UP, zwischen Lübeck und Tempelhof neue Dakota-Maschinen einzusetzen, die täglich zusätzlich zwanzig bis fünfundzwanzig Flüge unternehmen sollen. Gleichzeitig ist auf der Route Faßberg-Tempelhof eine Verstärkung des britischen Flugverkehrs vorgesehen. Die britischen Zivilluftfahrtgesellschaften feierten am 11. November ihren hundertsten Luftbrückentag. Insgesamt wurden von ihnen in dieser Zeit 3944 Flüge unternommen, bei denen 17 487 Tonnen Luftfracht und 18 500 deutsche Passagiere befördert wurden.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Logistik, Güter, Transport, Statistik
Aktualisiert am: 06.02.2006
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