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16.11.1948 | Die Neue Zeitung

Westen wahrt Distanz zu UN-Appell

Fühlungnahme London - Paris - Washington im Laufe der Woche

Paris - Der Vorschlag, den der Präsident der UN-Vollversammlung, Dr. Herbert V. Evatt, und der Generalsekretär der UN, Trygve Lie, am 13. November den Leitern der Delegationen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion zur Weiterleitung an die Staatsoberhäupter dieser vier Mächte persönlich überreicht haben, ist in den drei Westmächten mit Zurückhaltung und Skepsis aufgenommen worden, vornehmlich deshalb, weil er nicht an die sowjetische Regierung allein gerichtet ist, die nach der Meinung der überwiegenden Mehrheit der UN-Delegierten die Verantwortung für die Berliner Krise trägt. Gleichzeitig hat es Überraschung ausgelöst, daß der Vorschlag an Präsident Harry S.Truman, Premierminister Clement R. Attlee, Ministerpräsident Henri Queuille und Generalissismus Joseph W.Stalin gerichtet ist und nicht an deren diplomatische Vertreter.

Der Vorschlag hat folgenden Wortlaut:

"Wir haben die Ehre, diese Mitteilung an die Vorsitzenden der Delegationen der Signatarmächte der Moskauer Beschlüsse vom 24. Dezember 1945 zu richten, mit der Bitte, sie an die betreffenden Regierungschefs zur dringlichen Erwägung weiterzuleiten.

Am Mittwoch, dem 3. November 1948, haben die Vereinten Nationen in ihrer Plenarsitzung in Paris einen, Appell an die Großmächte, die Bemühungen um die Beilegung ihrer Differenzen und zur Schaffung eines dauerhaften Friedens erneut aufzunehmen, angenommen. In dieser Resolution hat die Vollversammlung erklärt, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Großmächten ,in einer Angelegenheit von lebenswichtiger Bedeutung für alle den UN angehörenden Nationen gegenwärtig Ursache der tiefsten Beunruhigung bei allen Völkern der Welt sind' und daß ,die Vereinten Nationen in Verfolgung ihrer heiligsten Mission verpflichtet sind, ihre Unterstützung und Mitarbeit bei der Klärung einer Lage, deren Fortdauer schwere Gefahren für den Frieden unter den Nationen mit sich bringt, zu gewähren'.

Die Resolution empfiehlt dann ,den Signatarmächten der Moskauer Beschlüsse vom 24. Dezember 1945 und jenen Mächten, die sich ihnen später anschlossen, ihre Anstrengungen im Geiste der Solidarität und des gegenseitigen Verständnisses zu verdoppeln, um in der kürzesten Zeit, in der dies möglich ist, die endgültige Liquidierung des Krieges und den Abschluß sämtlicher Friedensabkommen zu erreichen'.

Die Vertreter aller Signatarmächte der Moskauer Beschlüsse sprachen sich rückhaltlos für diese Resolution aus und haben für sie gestimmt. Sie haben die Empfehlung angenommen, und die Welt erwartet mit Recht von ihnen, daß sie wirksame Schritte unternehmen werden, um sie unverzüglich in die Tat umzusetzen.

Wir glauben, daß der erste Schritt die Lösung der Berliner Frage sein muß. Dieser Fall liegt dem Sicherheitsrat noch vor. Wir glauben, der Verlauf der Behandlung dieser Frage im Sicherheitsrat zeigt, daß sie gelöst werden kann.

Jeder Tag, der die Berliner Frage einer Lösung nicht näherbringt, bedeutet eine unverminderte Fortdauer der Gefahr für den Frieden und für die Sicherheit aller Nationen. Die Furcht vor einem neuen Kriege beeinträchtigt die Bemühungen aller Nationen, die Schäden des letzten Krieges zu beseitigen und zu Friedensmethoden zurückzukehren. Die Arbeit der Vollversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Gesamtheit und auf jedem Einzelgebiet ihrer Bestrebungen wird verzögert und untergraben.

Es steht in der Macht der Führer der großen Nationen, an die diese Mitteilung gerichtet ist, dieser Gefahr für den Frieden ein Ende zu bereiten. Wir bringen deshalb den Regierungen Frankreichs, der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten als Unterzeichnern der Moskauer Erklärungen geziemend zur Kenntnis, daß es wünschenswert erscheint, die Gespräche unverzüglich wieder aufzunehmen und alle anderen notwendigen Schritte zu ergreifen, die zur Lösung des Berliner Problems führen und so den Weg zu einer sofortigen Wiederaufnahme der Verhandlungen über den Abschluß der noch ausstehenden Friedensabkommen für Deutschland, Österreich und Japan ebnen könnten.

Wir glauben auch, daß die Großmächte den Bemühungen des Präsidenten des Sicherheitsrates um eine Vermittlung im Berliner Streitfall ihre volle und tatkräftige Unterstützung angedeihen lassen sollten. Was uns anbelangt, so sind wir jederzeit bereit, den Großmächten bei der Lösung des Problems jede weitere Hilfe zu gewähren, wie etwa das eben vom Generalsekretär vorgenommene Studium der Währungsfrage.

Wir erwarten eine baldige Antwort auf diese Mitteilung, damit die jetzt in Paris versammelten Mitglieder der Vereinten Nationen über den Fortschritt unterrichtet sein mögen, der erzielt wurde, um den von der Vollversammlung einmütig erlassenen Appell an die Großmächte, die Bemühungen um die Beilegung ihrer Differenzen und zur Schaffung eines dauerhaften Friedens zu erneuern, in die Tat umzusetzen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Krise, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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