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Artikel

18.11.1948 | Die Neue Zeitung

Keine Verhandlung unter Druck

Westmächte fordern unverändert Aufhebung der Blockade

Paris (NZ). - Der Appell des Präsidenten der UN-Vollversammlung, Dr. Herbert V. Evatt, und des Generalsekretärs der UN, Trygve Lie, vom 13. November an die Staatsoberhäupter der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und Sowjetrußlands, auf Grund ihrer prinzipiellen Zustimmung zur mexikanischen Friedensresolution vom 3. November vor allem die Verhandlungen zur Lösung der Berliner Krise beschleunigt wieder aufzunehmen, hat an dem bisherigen Standpunkt der Westmächte in dieser Frage nichts geändert. Unbeschadet ihrer unveränderten Bereitschaft zu einer Verständigung mit Sowjetrußland weigern sich die Westmächte, unter Druck zu verhandeln und bestehen deshalb nach wie vor darauf, daß die Sowjets die Berliner Blockade aufheben, ehe neue Verhandlungen eingeleitet werden.

Der amerikanische Präsident Harry S. Truman hat am 16. November eindeutig erklärt, die Vereinigten Staaten würden vor Aufhebung der Blockade Berlins keine Vier-Mächte-Besprechungen über Deutschland beginnen. Er hat gleichzeitig jede Initiative zu einem Besuch bei Marschall Joseph W. Stalin in Abrede gestellt. Seine weiteren Entscheidungen wird Truman erst nach der Besprechung der Internationalen Lage mit Außenminister George C. Marshall und dem ERP-Sonderbotschafter Averell W. Harriman treffen, die für den 22. November vorgesehen ist. Für die Kontinuität der US-Außenpolitik ist es bedeutungsvoll, daß Marshall auf Trumans Wunsch weiter Außenminister bleiben soll.

Nach dieser Klärung der Situation kommt der Antwort der Westmächte auf die Demarche von Evatt und Lie, die am 16. November zwischen Marshall, dem französischen Außenminister Robert Schuman und dem britischen Staatsminister Hector McNeil als Vertreter Außenminister Ernest L. Bevins verabredet wurde, nur noch formelle Bedeutung zu. Die Westmächte sind sich darüber einig, daß die Berliner Frage weiter im Rahmen der Vereinten Nationen behandelt werden soll. Die sowjetrussische Antwort an Evatt und Lie, die , wie erwartet, dem Vorschlag grundsätzlich zustimmt, und erneut Vier-Mächte-Besprechungen über Deutschland fordert, beweist, wie berechtigt die Befürchtung der Westmächte war, die Friedensoffensive Lies und Evatts werde nur der sowjetrussischen Propaganda dienen. Obwohl Lie und Evatt angeblich Ihre Bemühungen fortsetzen wollen, hält man in maßgebenden Kreisen der UN ihre Aktion für erledigt.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Frage, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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