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Artikel

26.11.1948 | Berliner Zeitung

Ausweise für ganz Berlin

Alle Vorbereitungen getroffen / Grobe Fälschung des "Telegraf"

"Die Anordnung über die neuen Personalausweise gilt grundsätzlich für ganz Berlin, und wir haben die Hoffnung, daß die dem entgegenstehenden Schwierigkeiten in den Westsektoren in absehbarer Zeit überwunden werden", sagte uns der Leiter der Präsidialabteilung des Polizeipräsidiums in der Neuen Königstraße, Herr Seidel. Die nötigen Vorbereitungen zur raschen Durchführung der Ausweisverteilung an die Bevölkerung sind getroffen, hörten wir weiter. Antragsformulare liegen in genügender Zahl bereit, und in wenigen Tagen werden auch die "Deutsche Personalausweise" dem Bedarf entsprechend zur Verfügung stehen.

Organisatorisch wird dafür gesorgt, daß die Abwicklung der ganzen Aktion innerhalb von etwa zwei Monaten in einer Weise erfolgen kann, die dem einzelnen längeres Warten auf dem Polizeirevier erspart. Aus diesem Grunde wird auch daran gedacht, namentlich die großen Betriebe einzuschalten, allerdings nur für die Annahme der Anträge und der in der Verordnung vorgesehenen Papiere, während man den Ausweis selbst nachher vom zuständigen Polizeirevier abholen muß. Die eingereichten Dokumente werden zurückgegeben.

In der Ostzone und im Berliner Ostsektor wird mit der Ausstellung der neuen Ausweise planmäßig Anfang Dezember begonnen, aber auch die Westberliner - vor allem jene, die im Ostsektor arbeiten, brauchen keinerlei Besorgnisse zu hegen. Es wird eine Lösung gefunden werden, die ihren berechtigten Interessen entspricht. Auch in Magistratskreisen kann man sich der Erkenntnis natürlich nicht verschließen, daß alle Berliner den gleichen einheitlichen Ausweis haben sollten und daß es gut wäre, den jetzigen behelfsmäßigen Ausweis durch einen endgültigen zu ersetzen.

Ausdrücklich wurde uns versichert, daß selbstverständlich die jetzigen Kennkarten auch in Ostberlin und der Ostzone ihre Gültigkeit solange behalten, bis der neue Ausweis allgemein ausgegeben ist. Die gestern im "Telegraf" veröffentlichte Fotokopie der Rückseite eines behelfsmäßigen Personalausweises mit einem angeblich aufgestempelten Vermerk: "Besitz von Westzeitungen im Ostsector" wird von Polizeipräsident Markgraf als eines der Mittel betrachtet, die dazu dienen sollen, der Einführung des Ausweises in ganz Berlin entgegenzuwirken. Es handelt sich um eine grobe Fälschung, was schon daraus hervorgeht, daß das Wort "Ostsector" der englischen Schreibweise entsprechend mit "c" geschrieben ist, woraus sich Schlüsse über den Sitz der Fälscherwerkstätte herleiten lassen. Von keiner Polizeidienststelle, so wird ausdrücklich betont, werden außer Personalangaben irgendwelche Vermerke in die Ausweise eingetragen.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Grenze, Kontrolle, Ausweis, Paß
Aktualisiert am: 06.02.2006
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