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Artikel

26.11.1948 | Berliner Zeitung

Stromkürzung für Westalliierte?

Bessere Stromversorgung für Westberlin gefordert

Der geschäftsführende Leiter der Abteilung für Verkehr und städtische Versorgungsbetriebe, Dipl.-Ing. Schlicke, richtete am Donnerstag gleichlautende Schreiben an die Militärkommandanten in den Westsektoren Berlins, in denen er auf Grund der angespannten Kohlen- und Stromlage in Westberlin eine Herabsetzung der Schaltzeiten für alliierte Verbraucher vorschlägt.

"Die Versorgung der Westberliner Bevölkerung mit elektrischer Energie ist auf einen derartigen Zustand abgesunken, daß er dringend verbessert werden muß", heißt es in dem Schreiben. Ing. Schlicke weist darauf hin, daß die Westberliner elektrischen Strom meistens nur zu Zeiten erhalten, in denen kein Lichtbedarf vorliegt, und die wenigen Schaltungen in der Zeit von 16 bis 22 Uhr, die nur jeden zweiten Tag durchgeführt werden, sich ungünstig auf die Stimmung der Bevölkerung auswirken. Es sei auch nicht zu verkennen, daß ein zugestandener Verbrauch von 3 bis 20 % für die Westberliner Gewerbetriebe praktisch deren Ruin bedeutet.

Diesem bis aufs äußerste gedrosselten Verbrauch der Zivilbevölkerung stände die Tatsache gegenüber, daß der alliierte Verbrauch bisher ein Drittel des Gesamtverbrauchs ausgemacht habe. Von den alliierten Dienststellen und Haushalten werde das 20- bis 40fache des eingeschränkten Berliner Kontingents verbraucht. Dipl.-Ing. Schlicke schlägt deshalb eine Rationierung bis zu einer zehnfachen Höhe des Berliner Verbrauchssatzes vor. Diese Notwendigkeit ergebe sich aus der Tatsache, daß es bisher nicht möglich gewesen sei, den Kohlenverbrauch in den Westsektoren von 1000 auf 750 t je Tag herabzusetzen, wie es befehlsgemäß angesetzt worden sei. Schlicke rechnet damit, daß ohnehin in den Wintermonaten Dezember und Januar ein natürlicher Anstieg bis auf 1100 t je Tag berechnet werden müßte.

Als Ausgleich für die Kürzung der Schaltzeiten alliierter Dienststellen und Haushalte schlägt Schlicke weiter vor, Benzin und Dieselaggregate zu verwenden, die ohnehin in den Zeiten in Betrieb seien, wo die BEWAG abgeschaltet habe.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Versorgung, Energie, Strom
Aktualisiert am: 06.02.2006
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