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30.11.1948 | Die Neue Zeitung

Dulles hofft noch auf Einigung

Neuer Kompromißvorschlag Bramuglias in Arbeit

Paris (NZ). - Trotz der erheblichen Differenzen, die einer Beilegung des Berliner Konfliktes unverändert entgegenstehen und auch in den Antwortnoten der Westmächte und der Sowjets an den Vermittler Dr. Juan A. Bramuglia zum Ausdruck kamen, besteht hier immer noch ein gedämpfter Optimismus. Die Haltung der Vereinigten Staaten ist klar: sie sind grundsätzlich verhandlungsbereit, sobald die Berliner Blockade aufgehoben wird. Bis dahin unterstützen sie alle Versuche Bramuglias, einen Ausweg aus der jetzigen Lage zu finden, und halten den Sicherheitsrat für das geeignete Forum, um eine Lösung herbeizuführen. (Die Antworten der vier Mächte an Bramuglia siehe Seite 2.) In diesem Sinn hat der Chefdelegierte der US-Delegation bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen, John Foster Dulles, am 29. November in einer Rundfunkrede nach Amerika bekräftigt, er glaube immer noch an eine Beilegung des Berliner Konfliktes, denn keine Nation, könne hoffen, wie seinerzeit Kaiser Wilhelm II. oder Adolf Hitler ein Land nach dem anderen zu erobern. Es sei kein Zweifel, daß jedes Volk, das heute einen Angriff vom Zaun breche, sich sofort der Opposition der gesamten Welt gegenübersehen werde.

Auch Bramuglia selbst ist trotz aller bisherigen Enttäuschungen unverändert bemüht, eine Lösung zu finden, wobei er zur Zeit einen Kompromiß in der Währungsfrage anstrebt. Für seine Aktion stehen ihm allerdings nur noch zwei Tage zur Verfügung. Dann wird er im Vorsitz des Sicherheitsrates durch den belgischen Delegierten Fernand van Langenhove abgelöst werden. Sein neuer Vorschlag läuft darauf hinaus, die Sowjets müßten innerhalb einer bestimmten Frist die Blockade der Land- und Wasserwege aufheben. Gleichzeitig sollten die Westmächte mit der Einführung der Ostmark in den westlichen Berliner Sektoren beginnen. Angesichts der Wichtigkeit der Vermittlungsaktion Bramuglias wurde bereits die Möglichkeit erwogen, sein Mandat als Vorsitzender des Sicherheitsrates eventuell ausnahmsweise zu verlängern.

Als Hauptbelastung gegenüber allen Ausgleichsbemühungen wird hier die zunehmende Verschlechterung der politischen Lage in Berlin empfunden, die schon rein technisch die Durchführung des angestrebten Währungskompromisses erschweren würde. Dieser Hinweis war auch in einer Erklärung des Unterstaatssekretärs im amerikanischen Wirtschaftsministerium, Willard Thorp, vor der Presse enthalten. Thorp sagte, die US-Regierung habe das Moskauer Abkommen vom 30. August niemals verleugnet, aber das willkürliche Vorgehen der Sowjets in Berlin mache eine Lösung auf dieser Basis mit jedem Tage schwieriger. Es hänge deshalb jetzt alles von dem guten Willen der Sowjets ab. Wenn dieser klar zum Ausdruck gebraucht werde, so werde es nicht schwierig sein, sich in allen strittigen Fragen zu einigen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, UN, Verhandlung, Berliner Krise, Luftbrücke
Aktualisiert am: 06.02.2006
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