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Artikel

27.01.1949 | Die Neue Zeitung

Aus 1 RM wurden 8 D-Mark

Die Gewinne der Import-Handels-Gesellschaft

Frankfurt (NZ). - Einen Höhepunkt erreichten die Verhandlungen vor der Dekartellisierungskommission des Zwei-Mächte-Kontrollamtes gegen den Ernährungsamtspräsidenten und Inhaber der Import-Handelsgesellschaft Fritz Dietz am sechsten Verhandlungstage, als der Vorsitzende, Mr. Carles Collison, feststellte, dass Dietz bei der Währungsumstellung aus einer Reichsmark acht D-Mark gemacht habe. Bis zum 16. Juni 1948, so wurde an Hand von Urkunden ermittelt, hatte die IHG stets Bankguthaben in Höhe von 2 bis 5 Millionen unterhalten. Zwei Tage vor der Währungsreform wurden nicht nur diese Guthaben abgehoben, sondern dazu noch ein Kredit in Höhe von 6 Millionen. Während nun der Reichsmark-Millionenkredit auf 620 000 DM zusammenschmolz, behielten die für diesen Betrag eingekauften Lebensmittel ihren vollen Wert.

Ferner wurde von Mr. Collison zur Sprache gebracht, dass die IHG mit ihrem verhältnismäßig geringen Kapital dem Außenhandelskontor und anderen staatlichen Stellen folgende Beträge schuldig war: Am 31. Dezember 1945 über 5 Millionen, am 31. Dezember 1946 über 22 Millionen, am 31. Dezember 1947 über 17 Millionen RM. Obwohl er Aufsichtsratmiglied des Außenhandelskontors wie auch Teilhaber der IHG war, behauptete Dietz, von dieser gigantischen Verschuldung nichts gewußt zu haben.

Für die Methode des Dietz, in den verschiedenen Handelsstufen Gewinne zu erzielen, wurde folgendes Beispiel angeführt: Wenn die IHG Mehl aus Amerika einführte, war Dietz zuerst einmal am Importgewinn beteiligt. Wenn das Mehl dann von der IHG an seine alte Firma, die Gebrüder Dietz, verkauft und von dieser an eine Teigwarenfabrik weitergegeben wurde, verdiente Dietz wiederum, diesmal als Inhaber der Firma Gebrüder Dietz. Wenn schließlich die Teigwarenfabrik die aus dem Mehl gefertigten Nudeln an die Firma Gebrüder Dietz verkaufte, und diese sie auf Großhandelsbasis absetzte, verdiente Dietz an derselben Ware zum dritten Male. Die Umsätze der Firma Gebrüder Dietz betrugen im Jahre 1939 76 000 RM, im Jahre 1945 etwa 2,5 Millionen RM, im ersten Halbjahr 1948 aber 26 Millionen RM. Von November 1945 bis Dezember 1947 belief sich die von der IHG vereinnahmte Importspanne auf etwa 3,7 Millionen RM. Am Reingewinn des Getreideimportrings, der das absolute Einfuhrmonopol für Hessen hatte, war in der IHG mit 25 v. H. beteiligt, ohne die geringste Tätigkeit zu entfalten. Die Importe wurden allein von der Gesellschaft für Getreidehandel durchgeführt und abgewickelt. Auf wiederholte dringende Fragen des Vorsitzenden, was für eine Tätigkeit die IHG denn für die 25prozentige Beteiligung geleistet oder welches Kapital sie investiert habe, blieb Dietz die Antwort schuldig, gab aber zu, dass die Einschaltung der IHG zu einem Zeitpunkt erfolgte, in dem er Stellvertreter des hessischen Ernährungsministers war. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Währung, Währungsreform, Handel, Import, Ökonomie, Kartell, Kartellamt, Versorgung, IHG, Recht, Gesetz, Wirtschaftskriminalität, Kriminalität, Betrug, Straftat, Buchhaltung, Bilanzfälschung, Gericht, Verhandlung, Statistik, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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