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Artikel

22.03.1949 | Die Neue Zeitung

Nur noch Westmark in Westberlin

Ostgeld außer Kurs gesetzt - Berliner Zentralbank gegründet

Berlin (NZ). - Am 20. März haben die Militärregierungen der Westmächte die neue Währungsreform in Berlin durchgeführt und die Ostmark in den westlichen Sektoren außer Kurs gesetzt. Die Maßnahme wurde von der Bevölkerung mit Genugtuung und Freude aufgenommen. Große Menschenmengen sammelten sich vor den Lautsprecherwagen, die um 18.00 Uhr die Erklärung der westlichen Besatzungsmächte über die Neuordnung übertrugen. Die wesentlichsten Punkte sind:

Einziges gesetzliches Zahlungsmittel ist die Westmark. Die mit "B" gestempelten Westmark-Noten bleiben neben den Noten ohne Stempel gleichberechtigt im Umlauf. Bei der Ausgabe der Lebensmittelkarten für den Monat April erhalten die Bewohner der Westsektoren, die ihre Lebensmittel in einem Westsektor beziehen, eine Kaufquote von 15 Ostmark in Westmark im Verhältnis 1:1 umgetauscht.

Der Besitz von Ostmark in den Westsektoren ist nicht strafbar. Dieses Geld darf jedoch lediglich im sowjetischen Sektor oder auf der unter sowjetischen Kontrolle stehenden S-Bahn in Zahlung gegeben werden. Die Steuern dürfen bis zum 30. April, die Mieten zu 50 v.H. bis zum 19. April 1949 in Ostmark bezahlt werden.

Löhne in neuer Währung

Alle Gehälter und Löhne sind ab 21. März in vollem Umfang in Westmark zu entrichten. Für den Geldumtausch der etwa 100 000 Personen, die in den Westsektoren wohnen, jedoch im Ostsektor arbeiten oder umgekehrt, sind durch Errichtung einer Ausgleichskasse besondere Vorkehrungen getroffen. Bis zum 1. April können rationierte Lebensmittel in den Läden der Westsektoren für Ostmark eingekauft werden.

Gleichzeitig mit der Neuregelung ist die Errichtung einer Berliner Zentralbank als oberster Finanzbehörde Berlins erfolgt. Dieses Institut ist keine Notenbank und untersteht nicht der Bank Deutscher Länder. Es soll die Aufgaben übernehmen, die bisher von der Währungskommission für den Geldverkehr mit den Westzonen abgewickelt wurden. In einer gemeinsamen Erklärung der Militärregierung heißt es, daß die Spaltung der Stadt und die Fortführung der Blockade schwere wirtschaftliche und soziale Ungerechtigkeiten hervor-gebracht hätten. Weder den Westmächten noch dem Magistrat sei es möglich gewesen, den Ostmarkumlauf zu kontrollieren. Die Löhne seien nicht länger von der Fähigkeit oder dem Fleiß des Arbeiters abhängig gewesen, sondern rein von der Tatsache, ob der Arbeitgeber in der Lage war, einen größeren Teil des Lohnes in Westmark auszuzahlen. Die Westmächte würden dieser Situation schon vor längerer Zeit Rechnung getragen haben, hätten jedoch den Bemühungen des Sicherheitsrates nicht vorgreifen wollen.

Die Kommandanten der drei Berliner Westsektoren, General Howley, General Bourne und General Ganeval, nahmen am Sonntag vor der Presse eingehend zu der Reform Stellung. Sie betonen, daß ihr Grund in erster Linie nicht politischer Natur, sondern sozialer und finanzieller Art war, die bisherige Währungslage in Berlin untragbar geworden sei.

Auf die Frage, ob man mit sowjetischen Gegenmaßnahmen rechne, antwortete General Howley, daß alle Möglichkeiten überprüft wurden, aber keine Gegenmaßnahmen zu erwarten seien, die die Brutalität der Blockade Berlins übertreffen könnten. General Howley kündigte an, daß seit Monaten auf dem Luftwege nach Berlin transportierten Verbrauchsgüter nunmehr zur Verteilung gelangen würden. Erhebliche Mengen von Textilien, Schuhen, Seife, Küchen- und Hausgeräten seien in Berlin gelagert. Sie hätten nicht verkauft werden können, da die Geschäftsleute kein Vertrauen in die Ostmark gehabt hätten.

Die drei Westmächte, so stellten die Kommandanten gemeinsam fest, hätten in der Währungsfrage eine ungeheure Geduld bewiesen und seien fest entschlossen, an der jetzt gefällten Entscheidung festzuhalten.

Freude in der Bevölkerung

Wie UP meldet, deutete der britische Stadtkommandant General Bourne in einer Rundfunkansprache am Abend des 20. März an, daß möglicherweise als weiterer Schritt der Einschluß West-Berlins in den geplanten westdeutschen Staat folgen könne. Bourne sagte, er stehe dem Wunsch der West-Berliner in dieser Hinsicht durchaus wohlwollend gegenüber, müsse sie jedoch zur Geduld mahnen. Im Laufe der Zeit könnte sich ihr Wunsch schon erfüllen.

Anläßlich der Währungsumstellung hat die Polizei des Ostsektors den Auftrag erhalten, verschärfte Abriegelungsmaßnahmen durchzuführen. Die Westsektoren sollen so lange mit einem Absperrkordon umgeben sein, bis die SMA sich über die Gegenmaßnahmen schlüssig geworden ist.

Der Vorsitzende der Berliner FDP, Karl Hubert Schwennicke, betonte, daß die Beseitigung des grotesken Währungschaos und der unerträglich gewordenen sozialen Spannung von der Bevölkerung freudig begrüßt werde. Bürgermeister Dr. Ferdinand Friedensburg sagte: "Ich freue mich, daß die Reform in einer so einfachen und klaren Weise vor sich geht. Die Alliierten haben ihre Anordnungen mit gesundem Menschenverstand und viel Taktgefühl getroffen."

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Sektor, Blockade, Währung, Währungsreform, Ostmark, Westmark, Zentralbank, Lohn, Gehalt, Güter, Gütertransport, Luftbrücke, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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