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Artikel

24.03.1949 | Die Neue Zeitung

Warenfülle in Westberliner Läden

Zulassung der Westmark im Ostsektor diskutiert

Berlin (NZ) - Die Einführung der Westmark als alleiniges Zahlungsmittel ist in Westberlin freudig begrüßt worden, dennoch herrscht eine etwas gedämpfte Stimmung, denn es werden in den nächsten Wochen noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sein. Man hält es zwar für verständlich daß die Märzgehälter nur für die Zeit vom 20. bis zum 31. März voll in Westmark bezahlt werden sollen. Aber die am Ende eines Monats vereinnahmten Beträge müssen ja immer die Lebenshaltungskosten für den nächsten Monat decken. Praktisch muß also der Westberliner im Monat April mit der Hälfte seines Gehaltes auskommen, da er sehr viele Dinge schon in Westmark zu bezahlen hat, aber einen großen Teil seiner Märzbezüge noch in Ostmark entgegennehmen mußte.

Das Warenangebot in den Läden der Westsektoren ist bedeutend gestiegen. Die Auslagen sind gefüllt mit Textilien und Lederwaren aller Art, mit Haushaltsgegenständen, Radios und anderen schönen Sachen, wie man sie für lange Zeit nicht zu sehen bekam. Die Preise liegen einstweilen noch etwas höher als in Westdeutschland. Ein Paar Schuhe mit Gummisohlen kosten zum Beispiel auf Punkte 30 bis 40 Westmark. Das Westgeld ist noch knapp und der Umsatz der Geschäfte geringer als vor der Reform.

Schwierig ist die Lage für die sogenannten Grenzgänger. Der "Mann auf der Straße" findet es zwar völlig in Ordnung, daß diejenigen die ihre Lebensmittel aus dem Ostsektor beziehen, obwohl sie in Westberlin wohnen und arbeiten, nur 10 v. H. ihres Gehaltes in Westmark bekommen. Aber es gibt auch manches, was als unglückliche Lösung bezeichnet wird. Derjenige zum Beispiel, der im Westen wohnt und im Ostsektor arbeitet, bekommt nur 60 v. H. seines Nettogehaltes in Westmark umgetauscht. Bei Angestellten des Ostmagistrats oder politisch beeinflußter Oststellen hält man das für gerechtfertigt, und Oberbürgermeister Reuter erklärte der "Neuen Zeitung" sogar, man müsse sich überlegen, ob man diesen Leuten überhaupt das gute Westgeld geben solle. Viele Arbeitnehmer, die schon seit Jahrzehnten bei im Ostsektor ansässigen Firmen gearbeitet haben, finden anderseits jetzt so schnell keine Anstellung in den Westsektoren. Sie haben natürlich das Gefühl, benachteiligt zu sein. Auch diejenigen, die im Osten wohnen und dort ihre Lebensmittelkarten erhalten, aber im Westen arbeiten, protestieren, weil sie nur 10 v. H. Westgeld erhalten sollen.

Im Laufe des 23. März mehrten sich, wie AP meldet, die Anzeichen, daß die Sowjets den Währungskrieg bald beenden und die Westmark auch im Ostsektor als amtliches Zahlungsmittel zulassen werden.

Der Umtausch von 15 Ostmark in Westmark stelle keine Kopfquote dar, sondern sei der Gegenwert für den Preis rationierter Lebensmittel für 20 Tage, so heißt es laut Dena in einer Veröffentlichung der britischen Kontrollkommission für Deutschland. Diese Feststellung sei notwendig geworden, um Mißverständnisse zu beseitigen. An eine Kopfquote sei nie gedacht worden, da bei der Währungsumstellung kein Geld ungültig geworden sei.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Währung, Währungsumstellung, Zahlungsmittel, Ostmark, Westmark, Güter, Lebensmittel, Markt, Warenangebot, Versorgung, Alltag, Reform, Statistik, Lohn, Gehalt, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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