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Artikel

30.04.1949 | Die Neue Zeitung

Luftbrücke wird weiter ausgebaut

Neue Millionenbeträge für "Operation Vittles"

Frankfurt. - Die Berliner Luftbrücke wird energisch weiter ausgebaut werden, wie heute in amtlichen Kreisen der "Operation Vittles" verlautet. Ein hoher Offizier der amerikanischen Luftstreitkräfte erklärte die anglo-amerikanische Strategie: "Wir dürfen nicht ruhen, denn die Blockade Berlins könnte morgen aufgehoben und trotzdem in der folgenden Woche wieder eingesetzt werden ... Wir denken nur daran, wie wir die Luftbrücke weiterhin ausbauen können ..."

Während soeben ein Sonderausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses in Washington weitere 43 Millionen Dollars für die Luftbrücke bewilligte, wurde amtlich bekanntgegeben, daß der amerikanische Steuerzahler bisher ein Opfer von 137 Millionen Dollars gebracht hat, um die westlichen Sektoren Berlins zu versorgen. Heute beginnt auf den westlichen Flugplätzen eine neue Phase der Luftbrückenversorgung. Das große "Ostergeschenk", von dem General William H. Tunner, der amerikanische Oberbefehlshaber der vereinigten anglo-amerikanischen Luftstreitkräfte, vor mehreren Tagen sprach, wird den Berlinern als Symbol für weiter verstärkte Lieferungen voranleuchten. Generalleutnant John K. Cannon, Chef der amerikanischen Streitkräfte in Europa, erklärte bei seiner Rückkehr aus Washington, daß die amerikanische Luftkraft bereit ist, die Luftversorgung so lange weiter zu führen, als es nötig ist.

Hiesige Beobachter sind der Ansicht, daß der Triumph der westlichen Flieger, die in den Osterfeiertagen - am 294. Tag der Blockade - 12941 Tonnen bei 1398 Flügen innerhalb von 24 Stunden in die Stadt einflogen, die Antwort der westlichen Alliierten auf Sowjetgerüchte ist.

Ein anderes Geschenk für die Berliner wird in Frankfurt am Main vorbereitet. Am 28. April wurde mit dem Ausbau einer neuen Betonbahn mit 2160 Meter Länge und 61 Meter Breite auf dem Rhein-Main-Flugplatz begonnen. Wenn die Bahn fertigt ist, können Flugzeuge mit einem Gesamtgewicht bis zu 74 Tonnen starten und landen. Gemeinsam arbeiten deutsche und amerikanische Kräfte an dem neuen Bau, gemeinsam tragen die USA (mit 65 v.H.) und deutsche Stellen (mit 35 v.H.) die Kosten von 10 Millionen Mark. Oberbürgermeister Dr. Kolb sagte: "Frankfurt ist mit seinem Lufthafen ein entscheidender Blockadebrecher." Die westliche Welt schaut heut mit Bewunderung auf die Errungenschaften der Berliner Luftbrücke, und man ist sich auch der großen Opfer bewußt, die das von reiner Menschlichkeit getragene Unternehmen bisher gefordert hat: 51 Menschenleben fielen seit dem 28. Juni 1948 der Aktion zum Opfer, darunter waren zwölf britische Flieger, sechs britische Zivilisten, sechs deutsche Zivilisten und 27 amerikanische Flieger und Zivilisten. Die Anteile der finanziellen Aufwendungen der Vereinigten Staaten für Lebensmittel und andere Transportgüter, die über die Luftbrücke gelangen, sind aus der folgenden Feststellung ersichtlich: die USA bezahlen ungefähr 50 v.H. der deutschen Importgüter, die zusammen mit deutschen Produkten nach Berlin geschafft werden - im selben Verhältnis zueinander, wie sie auch in der gesamten US-Zone verteilt werden.

"Operation Vittles" wird weiterhin keine Opfer scheuen, um den Erfolg der Luftbrücke sicherzustellen. Selbst wenn der Eisenbahn- und Straßentransport wieder eröffnet werden sollte, werden die amerikanischen und englischen Flieger ihre Aktion weiterführen. Die Russen müssen heute feststellen, daß die westlichen Flieger in der Lage sind, die Luftbrücke so lange fortzusetzen, als es notwendig ist. Hier wurde erklärt: Gerüchtemachen interessiert die "Operation Vittles" nicht.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung, Autor: unserem Sonderkorrespondenten Eugene Jolas
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Güter, Gütertransport, Lebensmittel, Statistik, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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