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03.05.1949 | Die Neue Zeitung

Blockade-Stop rückt näher

Sowjets veröffentlichen bisherigen Gesprächsverlauf

Washington (SÜDENA/AFP). - Als nächste Stufe der west-östlichen Annäherung in der Frage der Berliner Blockade sehen unterrichtete Kreise in den Hauptstädten der Westmächte die Bildung eines vorbereitenden Ausschusses von Vertretern der vier Großmächte an, die den Termin und die Tagesordnung einer neuen Außenministerkonferenz festlegen sollen. Wenn die bisherige günstige Entwicklung des amerikanisch-sowjetischen Gedankenaustausches anhält, dürfte demnach Mitte Mai mit der Aufhebung der Blockade und Anfang Juni bereits mit dem Zusammentritt der Außenminister zu rechnen sein.

Zwar keine Überraschung, jedoch eine gewisse Aufklärung erhofft man von der Veröffentlichung eines zweiten Bandes gesammelter Dokumente unter dem Titel "Die Sowjetunion und die Berliner Frage", die das sowjetische Außenministerium in den Morgenstunden des 2. Mai, Tass zufolge vorgenommen hat.

Die Besprechungen zwischen den amerikanischen UN-Delegierten Dr. Phillip Jessup und seinem sowjetischen Kollegen Jakow Malik haben indessen ihren Fortgang genommen. Auf ein telephonisches Ersuchen Maliks hatte sich Dr. Jessup am 29. April erneut in das Gebäude der sowjetischen UN-Delegation in New York begeben. In der offiziellen amerikanischen Verlautbarung heißt es über die zweieinhalbstündige Unterredung: "Wir haben uns bemüht, den Charakter der Fühlungnahme zu betonen, um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, daß ein bestimmter Vorschlag angenommen oder abgelehnt worden sei. Dr. Jessup und Malik schieden mit der Vereinbarung, eine weitere Zusammenkunft anzusetzen. Die Verhandlungen haben bisher einen zufriedenstellenden Verlauf genommen. Natürlich werden die Vertreter der vier Mächte ihren Regierungen Bericht erstatten." - Auch Dr. Jessup steht mit dem amerikanischen Außenministerium in ständiger Verbindung.

Dr. Herbert V. Evatt, der Vorsitzende der UN-Vollversammlung, sagte am 30. April, alle Gründe sprächen für die Voraussagen, daß die Berliner Blockade "bald aufgehoben" werde. Ein Sprecher der amerikanischen Delegation dementierte am 29. April offiziell einen Bericht amerikanischer Zeitungen, wonach Großbritannien und die USA den Außenministerrat um eine Zusammenlegung der Ostzone mit den deutschen Westzonen ersuchen wollen. In einem Interview umriß General Lucius D. Clay die Deutschlandpolitik der Westmächte folgendermaßen: "Die Westmächte und die Deutschen sind entschlossen, eine westdeutsche Regierung zu bilden. Die Sowjetunion kann ihre Zone dieser demokratischen Regierung anschließen, die mit dem Potsdamer Abkommen im Einklang stehen wird."

Mit den Worten, "eine Beendigung der Berliner Blockade durch die Sowjetunion ist noch kein endgültiger Beweis dafür, daß die Kommunisten ihren Kampf um die Weltherrschaft einstellen", gab der Staatssekretär im US-Außenministerium, John Peurifoy, der Skepsis vieler hoher Regierungsvertreter in Washington Ausdruck.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Blockadeaufhebung, Normalisierung, Verhandlung, UN, UN-Vollversammlung, Vier-Mächte-Status, Potsdamer Abkommen, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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