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28.06.1948 | Münchener Merkur

Täglich 100 US-Flugzeuge nach Berlin

Oberst Howley: "Wir werden nicht zulassen, daß die Berliner hungern"

Drahtbericht unseres Korrespondenten

U. Berlin, 27. Juni. Die sowjetischen Sanktionen gegen Berlin, die mit der Abschaltung des Stromes für die Westsektoren und der Einstellung des Eisenbahnverkehrs nach Westdeutschland begannen, werden immer umfangreicher. Seit Freitag sind die Lebensmittellieferungen aus der sowjetischen Zone an die Westsektoren von Berlin eingestellt. Die Westmächte planen Gegenmaßnahmen.

Durch die Stillegung des gesamten Schleppkahnverkehrs haben die Sowjets die Stadt auch der letzten Möglichkeit, Versorgungslieferungen aus dem Westen zu erhalten, beraubt. Auch die Braunkohlenanfuhren aus der Sowjetzone wurden eingestellt. Die westlichen Besatzungsmächte haben bereits die ersten Gegenmaßnahmen gegen diese sowjetischen Schritte getroffen.

Von heute ab wird der amerikanische Luftverkehr zwischen Berlin und den Westzonen auf täglich 100 Maschinen erhöht werden.

Auf diese Weise sollen besonders auch Medikamente und pharmazeutische Erzeugnisse nach Berlin gebracht werden. Die britischen Behörden stellten für Kinder und Kranke Büchsen- und Trockenmilch aus Armeebeständen bereit. Die Bevölkerung der Westsektoren soll außerdem eine Sonderzuteilung von Backpflaumen und Rationsdosen der amerikanischen Armee erhalten.

Oberst Howley, der amerikanische Kommandant von Berlin, erklärte, "wir werden nicht zulassen, daß die Berliner Bevölkerung hungert". Die Westmächte hätten die sowjetische Lebensmittelblockade vorausgesehen und daher in ihren Sektoren genügende Vorräte angelegt. Diese beliefen sich auf Mengen, die für 30 Tage ausreichen würden.

General Robertson protestiert

Berlin (AP). Der britische Militärgouverneur für Deutschland, General Sir Brian Robertson, forderte am Samstag in einem Protestschreiben an Marschall Sokolowski die sofortige Aufhebung der von den Sowjets verhängten Transportsperre gegen Berlin. Er habe bisher lediglich deshalb nicht gegen die verschiedenen Einschränkungen protestiert, da er auf Grund der Erklärungen der SMA angenommen habe, daß diese Einschränkungen nur vorübergehender Natur seien und zum Schutz der Währung in der sowjetischen Zone bis zur Einführung der Ostwährung dienen sollten.

Falls die Verkehrsbeschränkungen nicht aufgehoben würden, so stellt General Robertson abschließend fest, trüge die SMA die Verantwortung für die daraus resultierenden "unnötigen und vermeidbaren Leiden" der deutschen Bevölkerung.

General Clay, der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, erneuerte am Samstag sein Angebot an Marschall Sokolowski, mit ihm über die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Besetzungszone zu verhandeln. Sokolowski hatte das erste diesbezügliche Angebot vom 18. Juni nicht beantwortet.

Stromkürzungen um 50 Prozent

Infolge der Stromsperre haben die drei westlichen Besatzungsmächte eine wesentliche Herabsetzung der Stromzuteilung angeordnet. Für verschiedene Industriebetriebe ist der Stromverbrauch auf 25 Prozent herabgesetzt worden, der Haushaltsverbrauch wird für Kochzwecke um 25 Prozent und für Beleuchtungszwecke um 50 Prozent der bisherigen Zuteilung gekürzt. Die Stromlieferungen für den Verkehr wurden ebenfalls um 50 Prozent herabgesetzt.

Quellenangaben

Quelle: Münchener Merkur, Autor: Seite 1
Schlagwörter: Verkehr, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Alliierte, Verkehrsmittel, Rosinenbomber, Eisenbahn, Flugzeug, Luftbrücke, Versorgung, Lebensmittel, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
Aktualisiert am: 06.02.2006
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