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Artikel

31.12.1948 | Die Neue Zeitung

Sieben Sonnen für die Luftbrücke

Mammutlampen für den Einsatz bei schlechtem Wetter

Der Dezember brachte für Deutschland dichten Nebel, so daß die Luftbrückenflugzeuge, die sonst Tag und Nacht Versorgungsgüter in das blockierte Berlin flogen, häufig nicht starten konnten. Die kommenden Wintermonate werden die Versorgungsflieger aber vor noch größere Aufgaben stellen, und manche Bewährungsprüfung wird zu bestehen sein. Außer den Nebeln werden Schnee und Graupeln die Schwierigkeiten für die Luftbrücke erhöhen, von deren Erfolg oder Mißerfolg die Zukunft Berlins und wahrscheinlich auch die Deutschlands abhängt.

Das Wetter kann nicht geändert werden. Dennoch haben die Westmächte eine Trumpfkarte in ihren Händen. In Cleveland, Ohio, arbeitet die Westinghouse-Electric Corporation, eine der größten Fabriken der Welt für elektrische Geräte, mit großer Geschwindigkeit, um einen vordringlichen Auftrag auf sieben, der stärksten, jemals gebauten Beleuchtungsanlagen zu erfüllen. Diese Anlagen, von denen zwei im nächsten Monat geliefert werden sollen, sind für sieben deutsche Luftbrückenflugplätze bestimmt.

Jede der sechs Lampen in jeder Anlage ist imstande, auf einer Fläche von sechs Quadratzentimeter die 9 000 000fache Leuchtkraft einer Kerze zu erzielen. Sie ist also neunmal stärker als die Sonne. Ausschlaggebend für die Stärke des Lichtes ist eine ungefähr zehn Zentimeter lange Quarzröhre, die mit Kryptongas gefüllt ist. Das Gas wird durch die Elektrizität, die durch die Quarzröhre geschickt wird, zum Leuchten gebracht. Ein Reflektor und eine optische Anlage erhöhen dann die Kraft bis auf die 3 000 000 000fache Leuchtstärke einer Kerze, so daß die Helligkeit etwa 50 000 000 Glühbirnen von je 60 Watt entspricht. Jede Auslösung des Lichtes dauert den 17 000 000. Teil einer Sekunde. Ingenieure sind der Ansicht, daß es auch bei Nebel auf mehr als 300 Meter Entfernung sichtbar ist.

Auf der Landing Aids Experiment Station in Arcata, Californien, werden von den Transozean Air Lines umfassende Versuche für die Luftwaffe, die Marine und die privaten Luftlinien durchgeführt. Westinghouse hat ein 69 Lampen umfassendes System aufgebaut, das sich über mehr als einen Kilometer Strecke entlang der Rollbahn hinzieht. Die Ergebnisse der Versuche waren so ermutigend gewesen, daß die Luftwaffenoffiziere glauben, nun die endgültige Anwort auf die Berliner Wetterprobleme gefunden zu haben.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Teilung, Sektor, Blockade, Berlin, Verkehrswerkstatt, Deutschland, Verkehrsmittel, Flugzeug, Luftbrücke, Technik, Navigation, Wetter
Aktualisiert am: 06.02.2006
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