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01.01.1949 | Die Neue Zeitung

Berlin hat Kohle gefunden

Wird Förderung möglich, oder wird sie zu teuer?

Berlin (NZ). - "Kohlenvorkommen in Berlin". "Die frierenden, stromlosen Berliner suchen Kohle." Das waren die phantastisch klingenden Meldungen der letzten Tage aus der blockierten Stadt. Stimmten sie oder waren sie erfunden?

Es ist wahr. In Berlin soll tatsächlich Kohle gefördert werden. Mindestens 500 Tonnen täglich erhofft man sich, wenn die Untersuchungen, die den Umfang des Braunkohlenlagers feststellen sollen, im März abgeschlossen sind. Anfang Mai soll mit dem Bau von Schächten begonnen werden. Und zum Beginn des nächsten Jahres hofft man die erste Berliner Kohle zu haben.

Bürgermeister Dr. Ferdinand Friedensburg wird in der nächsten Woche als "Bergbeauftragter des Magistrats" in Essen mit der Deutschen Kohlenbergbauleitung über die Bereitstellung technischer Geräte verhandeln. Außerdem will er Fachleute für das Berliner Projekt engagieren. Von Berliner Sachverständigen werden erhebliche Einwände gegen die geplante Unternehmung geltend gemacht. Die in einer Tiefe von 40 bis 60 Meter liegenden Kohlenflöze in Reinickendorf, Spandau und Lübars könnten nur eine geringe Ausbeute ergeben. Schon vor dem ersten Weltkrieg hätten Geologen festgestellt, daß der technische und finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Ertrag stehen würde. Schon in kurzer Zeit würden die Kohlenlager erschöpft sein, und die kostspielige Einrichtung wäre wertlos. Außerdem würde die "Berliner Braunkohle" in ihrer Heizkraft zweifellos weitaus schlechter sein als die Ruhrkohle, die über die Luftbrücke herangeflogen wird. Friedensburg hält dem entgegen, daß die Rentabilität keine Rolle spiele, da es sich um eine Notstandsmaßnahme handele. Da die Kohlen im Untertagebau gewonnen werden müßten, seien keine großen Bagger erforderlich. Die notwendigen technischen Geräte könnten, soweit sie in Berlin nicht vorhanden seien, über die Luftbrücke befördert werden. Die Beschaffung des Grubenholzes sei durch den seit Oktober 1948 durchgeführten Holzeinschlag bereits gewährleistet.

Das "Berliner Berggesetz", das von Dr. Friedensburg ausgearbeitet wurde, geht von dem Grundsatz aus, daß Bodenschätze der Allgemeinheit gehören, und berechtigt den Magistrat zur Übernahme der privaten Abbau- und Eigentumsrechte an den betreffenden "Mineralien- und Gebirgsorten". Die Benutzung von Geräten und Maschinen aus privater Hand soll ebenfalls durch das kommende Gesetz ermöglicht werden. Eine angemessene Entschädigung wird zugesichert. Die Ausführung des Projektes liegt in den Händen der Stadt Berlin. Es ist jedoch erwünscht, daß private Unternehmer Bergbauversuche einleiten und das Risiko selbst tragen.

Quellenangaben

Quelle: Die Neue Zeitung
Schlagwörter: Verkehr, Geschichte, Politik, Magistrat, Teilung, Sektor, Blockade, Notlage, Versorgung, Ökonomie, Wirtschaftlichkeit, Rentabilität, Energie, Energiequelle, Bodenschatz, Rohstoff, Kohle, Bergbau, Kohlevorkommen, Kohlenabbau, Recht, Berggesetz, Technik, Reinickendorf, Spandau, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 06.02.2006
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