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Geld spaltet Berlin
Von der Währungsreform zur Blockade

 

Bis zur Wiedervereinigung 1989 war Berlin eine geteilte Stadt. In Berlin gab es bis dahin zwei verschiedene Währungen. Nach dem Krieg gab es Inflation. Man konnte immer weniger für eine Reichsmark kaufen. Zur Bekämpfung der Inflation sollte eine neue Währung eingeführt werden. Im Frühjahr 1948 spitzte sich die Lage zu. Der Einführung der DM in den Westsektoren folgte die Ostmark. Dies war für die Bevölkerung in Berlin mit erheblichen Folgen verbunden.

Wie kam es zur Blockade von Berlin und zur Luftbrücke?
Wie sahen die verschiedenen Geldscheine aus?
Was ist eine "Couponmark", was eine "Bärenmark"?
Was war zu tun, wenn man im Ostsektor wohnte, aber in einem Westsektor gearbeitet hat?

 

Berlin geteilt in vier Sektoren

Berlin wurde nach Kriegsende in vier Sektoren aufgeteilt. Der östliche Teil wurde von den Sowjets verwaltet. Die drei westlichen Sektoren standen unter Verwaltung der Briten, Franzosen und US-Amerikaner.

Die drei westlichen Sektoren wurden umringt von der sowjetischen Besatzungszone (SBZ), später der DDR. Bis zur Luftbrücke wurden die Berliner, die in den westlichen Sektoren lebten mit Lebensmitteln aus der sowjetischen Besatzungszone oder durch Transporte aus den Westsektoren mit der Eisenbahn, dem Schiff oder über die Straße versorgt. Für die Berliner bedeutete dies eine noch schlechtere Versorgung mit Lebensmitteln, als dies in den Westzonen der Fall war.

Die katastrophale Nachkriegssituation führte dazu, dass die Reichsmark immer weniger Wert wurde. Diese Inflation führte dazu, dass viele Menschen hungern mussten und der Schwarzmarkt zunahm.

Währungsreform gegen Inflation

Mit einer Währungsreform sollte neues Geld eingeführt werden, um insgesamt die wirtschaftliche Lage und damit die Lebensbedingungen zu verbessern. Durch Verhandlungen sollte für alle deutschen Besatzungszonen eine einheitliche Währung eingeführt werden. Diese Bemühungen führten nicht zu dem erwünschten Ziel.


Folgen der geplanten Währungsreform

Weil die Sowjets mit der Einführung einer eigenen Währung für die Westzonen nicht einverstanden waren, wurden die Transporte nach Berlin behindert. Vom 1. bis 4. Juni wurden mehrere Postzüge an der Zonengrenze zur Sowjetischen Besatzungszone gestoppt. Am 15. Juni wurde bei Magdeburg die Autobahnbrücke über die Elbe gesperrt.

Die geplante Währungsreform stieß allerdings auch in den Westzonen auf große Bedenken. Einerseits wurde befürchtet, dass durch eine eigene Währung in den Westzonen die Hoffnungen auf eine politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands verbaut würden. Anderseits gab es sowohl bei der SPD, den Gewerkschaften wie auch in Teilen der CDU Bedenken, nach den schlechten Erfahrungen in der Weimarer Republik rasch zu einer wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft zurück zu kehren.

Die Ereignisse überschlagen sich

Mitte Juni spitzte sich die Lage zu. Am 16. Juni verließ der sowjetische Vertreter aus Protest unter anderem gegen die bevorstehende Währungsreform die alliierte Kommandatur. Zwei Tage später wurde in den Westsektoren das Inkrafttreten der Währungsreform für Sonntag, den 20. Juni verkündet.

Um den Sowjets keinen weiteren Anlass zur Behinderung der Versorgung zu bieten, bleibt Berlin zunächst von der Währungsreform ausgeschlossen. Eine Verständigung auf eine einheitliche Währung für ganz Berlin schien aussichtslos. Die Sowjets kamen durch die Einführung der D-Mark in den Westzonen in Bedrängnis, weil die Überschwemmung ihrer Zone der mit der im Westen nun wertlosen Reichsmark bevorstand.

Einführung der Ostmark für ganz Berlin

Durch die Beseitigung der Inflation im Westen drohte eine unabsehbare Steigerung der Inflation im Osten. Die Sowjets führten deshalb am 23. Juni eine eigene Währung ein, allerdings nicht nur für die Sowjetische Besatzungszone, sondern für ganz Berlin. Marshall Sokolowski verbot gleichzeitig die Verwendung anderer Währungen in allen vier Sektoren Berlins.

 

Couponmark, Foto: Archiv Helmut Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Couponmark, Foto: Archiv Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Damit ausreichend Geldscheine vorhanden sind, wurden alte Reichsmarkscheine durch einen aufgeklebten Kupon als neue Währung verwendet.

Die "Couponmark" wurde durch neue Scheine abgelöst.


 

Einführung der "Bärenmark" in den Westsektoren

Die West-Alliierten reagierten noch am gleichen Tag. Die drei westlichen Stadtkommandanten erklärten den sowjetischen Befehl in den Westsektoren für "null und nichtig". Sie führten am 24. Juni in den Westsektoren die Westmark ein – allerdings versehen mit dem Aufdruck "B".

Bärenmark, Foto: Archiv Helmut Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Bärenmark, Foto: Archiv Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Von da an gab es in Berlin zwei Währungen. Im Ostsektor war nur die Ostmark erlaubt, in den Westsektoren war die Ostmark und die DM-West in zwei Varianten (mit und ohne "B"-Stempel) im Umlauf.


Umtauschberechtigungsausweis

Die Bevölkerung musste nun mit weiteren Komplikationen leben.

Umtauschberechtigungsausweis, Foto: Archiv Helmut Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Umtauschberechtigungsausweis, Foto: Archiv Meschenmoser. Alle Rechte vorbehalten.

Wer im Ostsektor wohnt, aber in den Westsektoren arbeitet, benötigt eine Umtauschberechtigungskarte, um seinen Lohn umzutauschen.

 

In dieser verwirrenden Situation gingen am 23. Juni 1948 kurz vor Mitternacht in Berlin die Lichter aus. Die Sowjets hatten das Großkraftwerk Golpa-Zschornewitz abgeschaltet, das Berlin mit Fernstrom versorgte. Am Morgen des 24. Juni folgte die Unterbrechung des gesamten Schifffahrts-, Straßen- und Schienenverkehrs zwischen den Westzonen und Berlin.

Die vollständige Blockade von Berlin war verhängt.

Nur aus der Luft konnten die drei Westsektoren noch versorgt werden. Die Entscheidung für eine der größten Hilfsaktionen – die Berliner Luftbrücke – dauerte drei Tage.