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Blockadealltag
Was haben Berliner zu dieser Zeit erlebt?

 

Der Leistungskurs Politische Weltkunde an der Katholischen Schule Salvator hat einige Interviews mit Augenzeugen durchgeführt:


Führt ein Interview mit Menschen durch, die die Zeit der Luftbrücke erlebt haben. Überlegt euch vorher Fragen.


Beispiele:

  • Wie alt waren Sie in den Jahren 1948/49?
  • Wo haben Sie damals in Berlin gewohnt oder gelernt? Wo haben Sie oder Ihre Eltern gearbeitet?
  • Welche besonderen Ereignisse verbinden Sie mit dieser Zeit in Berlin? Erinnern Sie sich noch an das Geld und das Einkaufen, mit welchen Scheinen wurde bezahlt oder wie hießen die Läden? Was verbinden Sie mit den Begriffen Währungsreform / Wechselstuben und HO-Läden?
  • Nach der Einführung der Westmark im Westteil Berlins reagierten die Sowjets mit der Blockade West-Berlins und unterbrachen alle Versorgungsverbindungen. Bekamen Sie etwas davon mit? Wenn ja, in welcher Weise?
  • Die Amerikaner und später auch die Engländer reagierten mit der sogenannten Luftbrücke. "Rosinenbomber" landeten in Tempelhof, Tegel und anderswo in den Westsektoren Berlins. Sind auch Sie in irgendeiner Form damit in Berührung gekommen? Wenn ja, in welcher?
    • Haben Sie solche Flugzeuge gesehen oder gehört?
    • Haben Sie Waren gesehen oder selbst genutzt, die durch die Luftbrücke eingeflogen worden sind?
    • Haben Sie Verwandte, Bekannte oder Freunde aus den Westsektoren Berlins während der Luftbrücke besucht oder unterstützt?
    • Ging das Leben für Sie im Alltag normal weiter oder veränderte es sich mit der Luftbrücke?
  • Was halten Sie von den Plänen des Senats, aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke damals beteiligte Piloten einzuladen? Glauben Sie, daß Berlin etwas davon hat?

, wenn du ein eigenes Interview hast.

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06:00 Uhr Der Berliner steht zeitig auf. Verkehrseinschränkungen machen den Weg zum Arbeitsplatz länger als sonst. Bei den Stromsperren müssen alle morgendlichen Verrichtungen bei Kerzenschein erledigt werden.
06:45 Uhr Die Morgenzeitung kommt immer pünktlich. Die Hausfrau liest zuerst die "letzte Seite":
Es wird verteilt
Berlin, 12. Januar 1949.
  • Westsektoren: Je ein Kuchenbrot im Gewicht von 475 g auf die 500-W-Abschnitte der Januar-Brotkarte in Verbindung mit dem Sonderabschnitt B der Januar-Fleischkarte.
  • Wilmersdorf: 1/4 Zentner Steinkohlen für Haushalte ohne Gas und Kochstrom auf Abschnitt 5 der Kohlenkarte.
  • Steglitz: Anrechtscheine für Stubben gegen Abtrennung eines Abschnittes des Brennholzbezugsausweises beim Bezirksamt.
  • Wilmersdorf: 1 kg Essiggemüse und 62,5 g Trockengemüse auf Abschnitt k 2 und k 6 der Januar-Kartoffelkarte. 62,5 g Trockengemüse für Diabetiker und Blutspender auf Abschnitt B bzw. 2 der Januar-Zusatzkarte.
  • Friedrichshain (Ostsektor): 1 Briefchen SüßMstoff auf Abschnitt 51 des 5. Haushaltsausweises für 1-Personen-Haushalte.
Es wird verteilt
Berlin, 18. Januar 1949.
  • Westsektoren: An Stelle von Frischkartoffeln in der III. Dekade Trockenkartoffeln im Verhältnis 1 : 5.

Das Stromprogramm der Woche:
In der kommenden Woche wird es, wie die Bewag mitteilt, zu folgenden Stunden Strom geben:
Für die Plangruppen A, E, N von 9–11 und 20–22 Uhr; B, F, O von 12–14 und 22–24 Uhr; C, G, P von 1–3 Uhr; D, H, Q von 3–5 Uhr. Am Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend für die Plangruppen C, H, Q von 14–16, G, P von 16–18, D von 18–20, Montag, Mittwoch und Freitag C von 16–18, G, P, D von 14–16, H, Q von 18–20 Uhr.
Den Hausherrn interessiert dies:
Der Wechselkurs
14. Januar 1949. Die Wechselstuben werden am Freitag 100 Ostmark für 27,80 Westmark kaufen und für 29,40 Westmark verkaufen. Das entspricht einer Bewertung für die Westmark von 3,40 bzw. 3,60 Ostmark.
07:00 Uhr Auf dem Frühstückstisch stehen Kerze, Röststullen, Muckefuck. "Er" stopft sich eine Pfeife mit selbstgezogener "Berliner Bahndamm-Spätlese".
07:45 Uhr In den nur teilweise verglasten S-Bahn-Wagen, in denen auch auf den Tunnelstrecken keine Lampen brennen, herrschen Finsternis und Gedränge. Betriebsstörungen sind an der Tagesordnung.
09:00 Uhr Im kalten Büro arbeitet man mit klammen Fingern im Mantel. Telefongespräche erfahren durch das Motorengeräusch der Luftbrückenmaschinen kurze Unterbrechungen.
10:00 Uhr Die Berlinerin "organisiert" für einige Zigaretten irgendwoher eine Brotmarke, eine Tasche voll Kohlen.
11:00 Uhr Der gefürchtete Gasmann stellt für vier Wochen das Gas ab. Das Kontingent wurde überzogen.
12:00 Uhr Kinder kommen mit Schulspeisung aus der geheizten Schule, in der in drei Schichten unterrichtet wird.
12:30 Uhr Das Mittagessen: (Trocken-) Gemüsesuppe mit (Trocken-) Kartoffeln. Zum Sonntag: Büchsenfleisch.
13:00 Uhr Die Mittagspost bringt einen Luftpostgruß aus dem "Goldenen Westen" mit Schilderungen eines Lebens, das man ohne Blockade auch führen könnte.
14:00 Uhr Von 14 bis 16 Uhr gibt es Strom. Die Hausfrau nutzt die knappe Frist zum Bügeln und Staubsaugen, die Handwerker und Betriebe für die notwendigsten Arbeiten. Die Friseurläden sind voll. Man kann auch mal Rundfunk hören.
15:00 Uhr Tante Olga aus dem Ostsektor kommt zu Besuch. An der Sektorengrenze hat Markgrafpolizei ihr die Frischkartoffeln und den Blumentopf, die sie Westberliner Verwandten schenken wollte, abgenommen. Zu Hause hat sie Strom, Gas, Kohle, Frischkartoffeln; trotzdem möchte sie lieber im Westsektor wohnen.
15:30 Uhr in Büros und Werkstätten merkt man die Kälte jetzt besonders.
16:00 Uhr Der Strom wird wieder abgeschaltet. Man richtet Kerzen und Petroleumlampen. Die Tageshelle schwindet schnell.
16:30 Uhr Der RIAS-Lautsprecherwagen übermittelt den stromlosen Stadtteilen die neuesten Tagesnachrichten.
17:00 Uhr Arbeits- und Büroschluß. Schnell müssen U-Bahn oder Straßenbahn erreicht werden. Um 18 Uhr fährt die letzte Bahn. Am Bahnhof Zoo und am Dreiländereck Potsdamer Platz ist Hochbetrieb. "Amis", "Stella", "Ost gegen West", "Schokolade", "Bulgaren" - Eine Kinoreklame kündigt an: Spielzeiten um 18 und 20 Uhr mit eigenem Stromaggregat.
17:30 Uhr Die hellen und geheizten Lesesäle der Besatzungsmächte füllen sich mit wissensdurstigen und licht- und wärmehungrigen Berlinern.
19:30 Uhr Kurzer Besuch beim Nachbarn mit der Kerze in der Hand. Die Berlinerin hat einen steten Kampf gegen Wachstropfen auszutragen.
20:30 Uhr Der Berliner geht ins Bett, denn Licht hat er nicht und Kohlen auch nicht. Im Bett ist es wenigstens warm.
01:00 Uhr Der Wecker rasselt. Es gibt wieder für zwei Stunden Strom. Noch etwas schlaftrunken werden notwendige Haus- oder Schreibarbeiten erledigt und Nachrichten gehört. Aber immer geht es nicht, denn um 6.00 Uhr morgens muß man wieder aufstehen.

Aus dem Buch:
Luftbrücke Berlin, herausgegeben im Auftrag des Magsitrats von Groß-Berlin 1949