Pferdefuhrwerke
       
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Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr
B. Selbstkostenermittlung -Pferdegespanne
 

1.

Pferdegespanne

a)

Schwerer Zweispänner,

b)

Leichter Ein- und Zweispänner.

  Allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen muß eine möglichst genaue Selbstkostenermittlung für die Fahrzeugarten, die für die vorliegenden Beförderungsverhältnisse überhaupt in Betracht kommen, vorangehen. Bei dem hier zu untersuchenden Nahverkehr mit Gütern aller Art handelt es sich um die folgenden Beförderungs- und Fahrzeug-Arten:
 

1.

Pferdegespanne

 

a)

Schwerer Zweispänner,

 

b)

Leichter Ein- und Zweispänner.

Kostenberechnung Motorfahrzeuge

2.

Motorfahrzeuge

 

a)

Lastkraftwagen und Lastzug,

 

b)

Zugmaschinen (Kraft- und Sattelschlepper)

 

c)

Lieferkraftwagen und -Dreiräder,

 

d)

Elektrofahrzeuge.

  Es würde im Rahmen dieser Abhandlung zu weit führen, die einzelnen hierbei auftretenden Kostenfaktoren eingehender hinsichtlich ihrer Höhe, ihrer Schwankungen und ihres Einflusses auf die gesamte Kostengestaltung zu untersuchen. Vielmehr kann es sich hier nur darum handeln, möglichst genaue Durchschnittswerte, wie sie die Praxis gezeigt hat, für die Kalkulation zu verwenden, ohne daß diese absolute Allgemeingültigkeit besitzen können. Die Preise für die Beschaffung der Fahrzeuge, für Bereifung, für Brennstoffe, Öl u. dgl. beruhen auf den Zahlen des Jahres 1934. Im voraus sei bemerkt, daß Zuschläge für allgemeine Unkosten und für einen zu erzielenden Gewinn, wie sie bei reinen Speditions-Unternehmungen in Frage kommen, in den Kostenberechnungen nicht enthalten sind.

  1. Pferdegespanne
Pferde-gespanne Es muß im allgemeinen als großer Fehler bei vergleichenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für den Nahverkehr angesehen werden, wenn man hierbei das Pferdegespann nicht mit in die Betrachtungen einbezieht. Im Gegenteil sollte es eine der wichtigsten zu entscheidenden Fragen sein, innerhalb welcher Grenzen der Gespannbetrieb noch mit sicherem Erfolge verwendet werden kann. Dies gilt nicht nur für den schweren Zweispänner, der als Nahverkehrsmittel für Massengüter auch heute noch eine beachtliche Rolle spielt, sondern in gleichem Maße auch von dem leichten Ein- und Zweispänner im Zustelldienst von Gütern geringeren Gewichts.
  Bei der Selbstkostenberechnung für das Pferdegespann sind fast alle auftretenden Kostenfaktoren von der Leistung des Fuhrwerks soweit unabhängig, daß man nur mit einer einzigen Kostengruppe, den festen Unkosten, zu rechnen braucht.
Schwerer Zweispänner a) Schwerer Zweispänner

Anschaffungspreis für zwei schwere Pferde

RM

2000.-

Anschaffungspreis für zwei Geschirre

RM

270.-

Anschaffungspreis für einen Plattenwagen

RM

800.-

Insgesamt

RM

3070.-

  Kosten je Jahr:

1.

Abschreibung auf Pferde und Geschirre

RM

454.-

 

Abschreibung auf Wagen

RM

80.-

2.

Verzinsung

RM

77.-

3.

Futtermittel und Streu

RM

1630.-

4.

Hufbeschlag

RM

235.-

5.

Stallkosten

RM

500.-

6.

Tierarzt, Reparaturen

RM

260.-

7.

Verschiedenes (Versicherung usw.)

RM

225.-

 

Summe

RM

3461.-

8.

Kutscher-Lohn

RM

2200.-

 

Insgesamt je Jahr

RM

5661.-

 

je Monat

RM

471,75

 

je Woche

RM

108,85

Erläuter-ungen

Zu 1. Abschreibung. Der Abschreibungssumme ist eine Verwendungsdauer der Pferde von 5 Jahren zugrunde gelegt. Der Abschreibungssatz beträgt also 20 % vom Anschaffungspreis. In Frage kommt diese verhältnismäßig geringe wirtschaftliche Benutzungszeit allerdings nur für städtische Verhältnisse, d.h. unter der Voraussetzung, daß die Pferde fast durchweg auf Pflaster laufen müssen. Für die im Nahverkehr vorkommenden Anwendungsgebiete von rein landwirtschaftlichen Verhältnissen abgesehen werden aber kaum andere Betriebsbedingungen vorliegen.

Die Abschreibung für den Wagen ist dagegen mit nur 10 % des Anlagewertes eingesetzt worden.

 

Zu 2. Verzinsung. Hierfür wird ein Zinssatz von 5 %, gerechnet auf das halbe Anschaffungskapital, angenommen, ein Betrag, der jeweils natürlich erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Der halbe Anschaffungspreis wird als Grundlage deshalb gewählt, weil im Laufe der Abschreibungsdauer die zu verzinsenden Beträge immer geringer, zum Schluß also = 0 werden.

  Zu 3. Futtermittel und Streu. Die für diese Kostenart genannten Zahlen beziehen sich auf einen städtischen Fuhrbetrieb, wo sämtliche Futter- und Streumittel gekauft werden müssen. Landwirtschaftliche Betriebe, die neben der Streu auch fast sämtliche Futtermittel selbst erzeugen, werden hierfür zwar nicht die Einstandskosten (wie dies sehr häufig geschieht), wohl aber die für die Landwirtschaft in Frage kommenden Verkaufspreise, soweit es sich um marktgängige Ware handelt, einzusetzen haben. In solchen Fällen muß daher eine entsprechende Berichtigung vorgenommen werden.
  Zu 7. Verschiedenes gehören Polizeistrafen, Brückengelder, Wiegegebühren, Trinkgelder u. dgl. und die Versicherung. Wenn auch häufig eine Versicherung der Pferde nicht vorgenommen wird, so muß bei einer sorgfältigen Selbstkostenberechnung doch die Tatsache berücksichtigt werden, daß u.U. das Risiko eines vorzeitigen Verlustes durch Unfall oder dergleichen eintritt. Es wurde deshalb der übliche Prämiensatz mit eingerechnet.
  Zu 8. Kutscherlohn. Hier kann naturgemäß nur ein Durchschnittssatz (einschließlich sozialer Aufwendungen usw.!) angegeben werden, den man bei erheblichen Abweichungen in der Praxis berichtigen muß. Aufwendungen für einen Beifahrer sind nicht berücksichtigt, weil sie zusätzliche, unter Umständen leistungserhöhende Kosten darstellen. Sie müssen gegebenenfalls gesondert angesetzt werden.
  b) Leichter Ein- und Zweispänner.
leichte Ein- und Zweispänner
Einspänner     Zweispänner

Anschaffungspreis der Pferde

RM

800.-

RM

1600.-

Anschaffungspreis der Geschirre

RM

110.-

RM

215.-

Anschaffungspreis f. einen Kastenwagen

RM

1120.-

RM

1350.-

Insgesamt

RM

2030.-

RM

3165.-

  Kosten im Jahr:
 

Einspänner

Zweispänner

1.

Abschreibung auf Pferde u. Geschirre

RM

182.-

RM

373.-

 

Abschreibung auf Wagen

RM

112.-

RM

135.-

2.

Verzinsung

RM

51.-

RM

79.-

3.

Futtermittel und Streu

RM

730.-

RM

1460.-

4.

Hufbeschlag

RM

120.-

RM

235.-

5.

Stallkosten

RM

310.-

RM

500.-

6.

Tierarzt, Reparaturen

RM

155.-

RM

230.-

7.

Verschiedenes (Versicherung u. dergl.)

RM

115.-

RM

205.-

 

Summe

RM

1775.-

RM

3217.-

8.

Kutscherlohn

RM

2200.-

RM

2200.-

 

Insgesamt im Jahr

RM

3975.-

RM

5417.-

 

im Monat

RM

331,25

RM

451,40

 

in der Woche

RM

76,40

RM

104,15

  Die Errechnung der einzelnen Kostenarten erfolgte unter den gleichen Bedingungen, wie weiter oben für den schweren Zweispänner beschrieben.
  In jüngster Zeit haben vielfach luftbereifte Pferdewagen, für Schwertransporte in Stahlausführung, Eingang gefunden. Nicht nur auf leichtem Ackerboden, sondern auch auf befestigten Straßen haben von verschiedenen Seiten angestellte Untersuchungen übereinstimmend ergeben, daß sich hierdurch bei Fahrten in der Ebene Zugkraftersparnisse bis zu 40 % erzielen lassen, die bei der Überwindung von Steigungen allerdings bis auf 20 % zurückgehen. Durchschnittlich darf also damit gerechnet werden, daß mit der gleichen Zugkraft eine um 1/4 bis 1/3 höhere Nutzlast befördert werden kann.
  Andererseits ist mit folgenden Mehraufwendungen zu rechnen:

Mehranschaffungspreis für einen schweren Stahlwagen mit Luftbereifung

RM

900.-

desgleichen mit Kippeinrichtung

RM

1050.-

f. Luftbereifung an einem leicht. Einspännerkastenwagen

RM

200.-

an einem leichten Zweispännerkastenwagen

RM

300.-

  Hierdurch erhöhen sich die Gesamtjahreskosten für den schweren Zweispänner

ohne Kippeinrichtung auf

RM

5768.-

schweren Zweispänner mit Kippeinrichtung auf

RM

5792.-

leichten Einspänner auf

RM

4000.-

schweren Zweispänner auf

RM

5455.-

  Eine Abnutzung der Luftreifen bzw. die Aufwendungen für Ersatzreifen brauchen deshalb nicht gesondert berücksichtigt zu werden, weil sie aus Ersparnissen an Reparaturen und durch eine erhöhte Lebensdauer des Wagens gedeckt werden können.
Auszug aus der Studie
    Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr
  B. Selbstkostenermittlung
1. Pferdegespanne
2. Motorfahrzeuge
  Tafel 1: Selbstkostenaufstellung für Schwerlastkraftwagen u. Anhänger (als pdf 15kb)
  Tafel 2: Selbstkostenaufstellung für Zugmaschinen (Tafel 2 als pdf 15kb)
C. Allgemeine Leistungsermittlung.
1. Technische Leistungsunterschiede der einzelnen Fahrzeuge.
2. Einflüsse auf die Nutzleistung der Fahrzeuge
  Quelle: Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit: Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr. Berlin 1935, bearbeitet von M. Schöpke (RKW-Veröffentlichungen Nr. 93), S. 9-20 (Tabellen inkl. Erläuterungen)
 

Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Pferdefuhrwerk, KFZ, LKW, Pferd, Fuhrwerk, Antrieb, Motor, Verbrennungsmotor, Ökonomie, Wirtschaftlichkeit, Kosten, Kostenrechnung, Kostenanalyse, Kostenvergleich, Betriebswirtschaft, Nutzung, Pferdehaltung, Unterhaltskosten, Beschaffungskosten, Preis, Unternehmen, Kleinunternehmen, Transport, Güter, Gütertransport, Nahverkehr, Geschichte, Deutschland, Verkehrswerkstatt

  

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aktualisiert: 29.10.2003

 

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