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Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr
C: Allgemeine Leistungsermittlung (1/2)
  Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit, RKW-Veröffentlichungen Nr. 93
 
C. Allgemeine Leistungsermittlung.
1. Technische Leistungsunterschiede der einzelnen Fahrzeuge.
2. Einflüsse auf die Nutzleistung der Fahrzeuge
 

1. Technische Leistungsunterschiede der einzelnen Fahrzeuge.

Leistungs-
merkmale

Unabhängig von organisatorischen Maßnahmen sind allein durch die technischen Merkmale und Eigenschaften der einzelnen Nahverkehrsmittel wesentliche Unterschiede in ihrer Leistungsfähigkeit bedingt. Sie gehen in ersten Linie zurück auf Abweichungen in der Fahrgeschwindigkeit und der Tragfähigkeit.

  a) Fahrgeschwindigkeit.
  So wichtig bei Vorausberechnungen die Feststellung der wahrscheinlich erreichbaren Kilometerleistung ist, die wiederum zu einem großen Teil von der erzielbaren Durchschnittsfahrgeschwindigkeit abhängt, so schwer ist es, hierfür allgemeingültige Werte zu nennen. Immerhin können die nachstehend genannten Zahlen für Vergleichszwecke einige Anhaltspunkte geben:
 

 

Fahrzeugart

Durchschnittsfahrgeschwindigkeit in km je Std.

im dichten Stadtverkehr

im Vorortverkehr

Kraftfahrzeuge

   

Schwerlastzüge

20

25

Schnellastwagen

25

30

Liefer- und Leichtlastwagen

25

35

Motor-Dreiräder u. Kleinlastwagen

20

30

Kraftschlepper

10 12 (8)

15 (12)

Sattelschlepper

20

25

Elektrofahrzeuge mit Führerstand

8

-

Elektrofahrzeuge mit Führersitz

15

18

Pferdewagen

   

Schwerer Ein- oder Zweispänner

4 5

-

Leichter Ein- oder Zweispänner

7

-

 

Tafel 5. Durchschnittsgeschwindigkeiten verschiedener Fahrzeuge.

  Die bei den Kraftschleppern in Klammern beigefügten Zahlen beziehen sich auf elastikbereifte Maschinen, die anderen auf Luftbereifung.
  b) Tragfähigkeit.
  Wesentlich eindeutiger läßt sich die gewichtsmäßige Förderleistung eines Fahrzeuges bestimmen, soweit man lediglich die Höchsttragfähigkeit (also eine volle Ausnutzung des Laderaumes) und Fahrten in ebenem Gelände und auf befestigten Wegen zugrunde legt.
 

Für alle Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind die Tragfähigkeiten der einzelnen Typen aus den Tafeln 1 und 3 zu ersehen. Ergänzend sei nur bemerkt, daß das Höchstladegewicht für Motor-Dreiräder ohne Führerschein 0,35 bis 0,4 t, das der schwereren Typen 0,5 t beträgt.

 

Für die Elektrofahrzeuge ist die Ladefähigkeit aus der Tafel 4 zu entnehmen.

 

Als normale Zugleistung von Kraftschleppern kann man 2 Anhänger mit je 5 t Nutzlast, also insgesamt 10 t ansetzen, für Sattelschlepper gelten die Belastungszahlen der Anhänger.

 

Für Pferdegespanne sind ungefähr folgende Nutzlasten anzusetzen:

 
 

eisenbereift

luftbereift

Für leichte Einspänner

1 t

1 1/3 t

Für leichte Zweispänner

1,5 t

2 t

Für schwere Zweispänner

3 5 t

3 6 t

 

c) Besondere Einflüsse auf Fahrgeschwindigkeit und Tragfähigkeit.

  Zu den Einflüssen, die die durchschnittlichen Leistungszahlen der Fördermittel ändern können, gehören in erster Linie:
 
1. Dichter Stadt- und Vorortverkehr
2. Geländeschwierigkeiten,
3. Straßenverhältnisse,
4. Witterungsverhältnisse,
5. Entfernung der Abladestellen voneinander,
6. Zustand des Fahrzeuges,
7. Fahrpersonal.
 

Zu 1. Wie sich die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrzeuges ändert, je nachdem ob es im Stadt- oder Vorortverkehr verwendet wird, ist aus der Zahlentafel auf Seite 32 zu ersehen.

  Zu 2. Mit dem Einfluß von Geländeschwierigkeiten muß vor allem in bergigen Gegenden gerechnet werden. Sie treten hauptsächlich auf in Gestalt von starken Steigungen und Gefällen und hiermit meist verbunden zahlreichen Kurven.
  Die Auswirkungen zeigen sich in einer starken Herabminderung der Fahrgeschwindigkeit. Ferner wird die Ladefähigkeit geringer, da vor allem bei Elektrofahrzeugen, Zugmaschinen und Pferdefuhrwerken die vorhandene Kraftreserve meist nicht ausreicht, um die volle Ladung auch auf starken Steigungen zu ziehen. Man kann damit rechnen, daß die genannten Geländeschwierigkeiten bei allen Fahrzeugen zu einer Herabminderung der Fahrgeschwindigkeit bis auf 50 % der auf ebener Fahrstrecke gültigen Durchschnittswerte führen können. Wie sich die Veränderung der Steigungsverhältnisse beispielsweise auf den Kraftschlepperbetrieb auswirken kann, zeigt folgende Tabelle:
 

Steigungsverhältnis in %

Zugleistung in % der Leistung bei Fahrt in der Ebene

Fahrgeschwindigkeit in km/h

0

100

15

2

100

 

4

100

 

6

100

 

8

70 bis 80

 

10

50 bis 60

 

12

50

 

14

40

 

16

30 bis 35

 

18

20 bis 30

2 bis 3

  Tafel 6. Einfluß der Steigung auf Zugleistung und Geschwindigkeit.
 

Ähnliche Leistungseinbußen zeigen sich bei dem Betrieb mit Elektrofahrzeugen.

  Zu 3. Der Zustand befestigter Wege ist praktisch ohne Einfluß auf die gewichtsmäßige Ausnutzung der Wagen, führt aber bei Motorfahrzeugen unter Umständen zu beträchtlicher Verringerung der Fahrgeschwindigkeit (bis zu 50 %). Auch das Fahren auf unbefestigten Wegen kann die erzielbare Durchschnittsgeschwindigkeit und die ausnutzbare Ladefähigkeit sehr stark herabdrücken. Das Einsinken der Räder womöglich bei aufgeweichter Straße bedingt einen so großen Mehraufwand an Zugkraft, daß entweder diese vervielfacht (durch Vorspann) oder die Nutzlast entsprechend verringert werden muß. Die auf kurze Zeit mögliche Überlastbarkeit des Pferdes, die Verwendung von Luftreifen oder breiten Stahlrädern an Pferdewagen, die Ausrüstung von Kraftschleppern mit Greifer-Rädern oder Seilwinden u.ä. sind Hilfsmittel, die diese Schwierigkeiten überwinden helfen. Fahrten auf solchen Wegen gehören aber zu den Ausnahmefällen, so daß sie bei einer allgemein vergleichenden Beurteilung außer Betracht bleiben können.
 

Zu 4. Witterungsverhältnisse können sich ebenfalls auf die Leistungen von Landfahrzeugen auswirken. Dies gilt ...
... vom Regen, der unbefestigte Wege aufweicht und teilweise sogar unbefahrbar macht, und der auf schlüpfriger Fahrbahn (Asphalt, Lehmboden usw.) die Zugkraft vor allem der Kraftschlepper infolge geringerer Adhäsion der Triebräder stark beeinträchtigt. In beiden Fällen sinkt überdies besonders bei Kraftfahrzeugen die Fahrgeschwindigkeit beträchtlich.
... von Eisbildung, die dem Pferdegespann und dem Kraftzug (auch hier vor allem wieder dem Kraftschlepper) erhebliche Schwierigkeiten bereitet und oft zu einer starken Verringerung der Nutzlasten und der Durchschnittsgeschwindigkeit führt.
... von Schneefällen, die sich in gleicher Weise auswirken und sogar den gesamten Fuhrverkehr lahmlegen können. Hier ist das Pferdegespann bei Verwendung von Schlitten den Kraftfahrzeugen überlegen.

  Wenn sich die durch Witterungseinflüsse entstehenden großen Leistungseinbußen meist auch nur auf einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum erstrecken, so muß man natürlich in Gegenden, die infolge klimatischer Verhältnisse mit derartigen Schwierigkeiten häufiger zu rechnen haben, hierauf entsprechende Rücksicht nehmen.
 

Zu 5. Wie auf Seite 32 und 33 gezeigt, wirkt sich der Stadtverkehr gegenüber langen Fahrstrecken über Land ungünstig auf die Fahrgeschwindigkeit aus. Besonders tritt dieser Einfluß hervor, wenn das Fahrzeug am Tage viele Male bei Kunden, Niederlagen oder dgl. anhält und wieder anfahren muß. Wie praktische Versuche zeigen, kann hierdurch die Durchschnittsgeschwindigkeit bis zu 60 % gegenüber Fahrten über Land vermindert werden. Dies muß naturgemäß eine wesentliche Rolle bei der Leistungsbestimmung vor allem im Lieferdienst spielen. Die Leistungsminderung trifft in gleicher Weise Fahrzeuge mit motorischem Antrieb wie Pferdegespanne. Vorteile, die dem Gespannbetrieb in dieser Beziehung oft zugesprochen werden, halten einer Nachprüfung in der Praxis nicht stand.

 

Zu 6. Voraussetzung bei allen hier angeführten Leistungszahlen ist, daß sich die Fahrzeuge in einwandfreiem, betriebsfertigem Zustand befinden, d.h. also, daß ihre Leistungsfähigkeit in keiner Weise durch technische Mängel beeinträchtigt wird. Andernfalls wird man unter Umständen mit wesentlich geringeren Nutzlasten und niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten zu rechnen haben.

 

Zu 7. Wie auf Seite 29 schon erwähnt, ist eine sorgfältige Auswahl des Fahrpersonals nicht nur von Einfluß auf die Betriebskosten der Fahrzeuge, auch für ihre Leistung ist nicht zuletzt der Fahrer sehr stark mitverantwortlich. Das soll nicht heißen, daß er stets das Letzte aus den ihm anvertrauten Pferden oder dem Kraftfahrzeug herausholen soll. Bei Beförderungen, die sich über den ganzen Tag erstrecken, ist das Fahrpersonal jedoch wie bei keiner anderen Arbeit so sehr auf sich selbst angewiesen und einer unmittelbaren Prüfung entzogen, daß man es in der Hauptsache dem Verantwortungsbewußtsein des Fahrers überlassen muß, nach Möglichkeit stets das Leistungsoptimum zu erreichen.

Auszug aus der Studie
  Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr
  B. Selbstkostenermittlung
1. Pferdegespanne
2. Motorfahrzeuge
  Tafel 1: Selbstkostenaufstellung für Schwerlastkraftwagen u. Anhänger (als pdf 15kb)
  Tafel 2: Selbstkostenaufstellung für Zugmaschinen (Tafel 2 als pdf 15kb)
C. Allgemeine Leistungsermittlung.
  1. Technische Leistungsunterschiede der einzelnen Fahrzeuge.
2. Einflüsse auf die Nutzleistung der Fahrzeuge
  Quelle: Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit: Pferd oder Motor im Güter-Nahverkehr. Berlin 1935, bearbeitet von M. Schöpke (RKW-Veröffentlichungen Nr. 93), S. 9-20 (Tabellen inkl. Erläuterungen)
 

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aktualisiert: 29.10.2003

 

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