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Die
Nickel-Hydrid-Batterie als Zukunftslösung?
Für
Elektro-Autos wird größere Reichweite möglich / Noch zu hohe Herstellungskosten
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| Frankfurter
Rundschau |
18.09.1993, S. 15
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Von Benno
Pidol
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| Der Pkw mit
Elektroantrieb ist pannenanfällig und weit entfernt von der Betriebssicherheit
und Zuverlässigkeit, wie sie der vom herkömmlichen Automobil verwöhnte
Kunde erwartet. Das hat, wie mehrfach berichtet, der Elektroauto-Feldversuch
auf der Insel Rügen inzwischen hinlänglich bewiesen. Und das warf
auch einen Schatten auf eine Weltpremiere im Varta-Entwicklungszentrum
im hessischen Kelkheim: Der Batterie-Hersteller hatte zum ersten Fahrversuch
mit der vielversprechenden Nickel-Hydrid-Batterie eingeladen, der
allerdings durch einen Defekt in der Elektronik des Erprobungsträgers,
eines Golf Citystromers, ein vorzeitiges Ende fand. |
| Für die meisten Teilnehmer
des Varta-Workshops "Elektro-Auto 93" mußte deshalb
das gesprochene Wort des zuständigen Ressortleiters Franz Josef Kruger
gelten: "Ein Auto mit Nickel-Hydrid-Batterie steht im Stadtverkehr
im Beschleunigungsverhalten und vom Fahrgefühl her einem Auto mit
Ottomotor kaum nach." Varta sieht in dem neuen System eine Alternative
zur Blei-Säure-Batterie, die sich in verschiedenen Bereichen - zum
Beispiel im Nutzfahrzeug im Stadteinsatz oder im Elektro-Bus im Linienverkehr
- als praktisch und vor allem ökonomisch erwiesen hat. Nickel-Hydrid
eröffnet vielmehr, so Kruger, dem Elektro-Straßenfahrzeug neue und
erweiterte Einsatzbereiche und lasse sich problemlos handhaben. |
| Die Reichweite
von Personenwagen mit Nickel-Hydrid-Batterien soll bei rein elektrischem
Betrieb mehr als 100 Kilometer erreichen. Sie wäre damit doppelt so
groß wie die von modernen Blei-Batterien und würde auch übliche Fahrten
im großstädtischen Nahbereich abdecken. Wegen ihrer großen Energiedichte
eignet sich dieses System besonders für den Einsatz in Hybrid-Fahrzeugen
(Verbrennungsmotor plus Elektroantrieb) oder in Elektro-Fahrzeugen
mit einem kleinen Verbrennungsmotor, der ausschließlich zum Aufladen
des Energiespeichers dient. |
| In den so ausgestatteten
Fahrzeugen können nun kleinere Batterien eingesetzt werden, was ihre
Chance zur Realisierung erhöht. Herzstück der Nickel-Hydrid-Technologie
ist eine Wasserstoffspeicherlegierung, die in der eine negative Elektrode
eingesetzt wird. Als positives Elektrodenmaterial dient wie bei Nickel-Cadmium-Zellen
Nickelhydroxid. Durch die hohe Speicherfähigkeit der Hydridelektrode
im Vergleich zur Cadmium-Elektrode haben Nickel-Hydrid-Zellen eine
um 50 Prozent höhere Energiedichte. Da die Zellenspannung bei beiden
Systemen mit 1,2 V identisch ist sind Nickel-Cadmium-Batterien in
den meisten Anwendungen problemlos durch Nickel-Hydrid-Zellen ersetzbar. |
| Ursprünglich
für kleine Batterien in tragbaren Geräten entwickelt, stellt sich
der aktuelle technische Stand so dar: Hohe Belastbarkeit (die gespeicherte
Energie kann innerhalb von zwölf Minuten entnommen werden), woraus
die guten Beschleunigungswerte des Elektro-Fahrzeugs resultieren,
Schnelladefähigkeit (entladene Zellen können innerhalb einer Stunde
wieder vollständig geladen werden, 75 Prozent der Energie sogar innerhalb
von zehn Minuten), was für den Einsatz in Hybrid-Fahrzeugen von großer
Bedeutung ist; hohe Zyklen-Lebensdauer (bei einstündiger Ladung und
einstündiger Entladung werden bis zu 2000 Lade-/Entladezyklen erwartet),
womit ein mehrjähriger Betrieb im Fahrzeug sichergestellt wäre; günstige
Ausgangssituation fürs Recycling, da umweltbelastende Schwermetalle,
wie zum Beispiel Cadmium, vermieden werden. Der Schwerpunkt zukünftiger
Entwicklungsaktivitäten liegt auf einer weiteren Steigerung der Energiedichte
von 70 auf 80 WH/kg sowie auf einer Senkung der relativ hohen Material-
und Herstellkosten. |
| Nickel-Hydrid
stellte Vorstandsmitglied Georg Kellinghusen klar, sei allerdings
das Energie-Speichersystem von morgen. Standard-Speicher für Elektro-Autos
werde noch auf lange Sicht die Blei-Batterie sein. Sie sei kostengünstig
und das zur Zeit "einzige wirklich verfügbare Speichersystem".
Die Statistik beweise, daß 75 Prozent aller Personenwagen täglich
weniger als 50 Kilometer gefahren werden. Diese Distanz schaffe auch
die zu Unrecht oft verspottete Blei-Batterie. Sie halte drei bis vier
Jahre oder rund 30 000 Kilometer Fahrstrecke und brauche bei einer
Serienfertigung von über 10 000 Einheiten nicht mehr als 3000 Mark
Batteriesatz kosten. |
| Mit der Nickel-Hydrid-Batterie
werde nun allerdings, so Kellinghusen, eine Leistungslücke zum Verbrennungsmotor
geschlossen, für die Varta langjährige Vorleistungen erbracht habe.
Weitere Etappen seien jetzt nur in Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern
sowie mit den Forschungs- und Verkehrspolitik denkbar. Wer immer noch
auf eine Wunderbatterie warte, verzögere das Elektro-Auto, statt es
zu fördern. |
| Kellinghusen sieht die
Gefahr, "daß es uns in Deutschland mit dem Elektro-Auto ähnlich
ergehen könnte wie mit der Gen-Technologie. Die USA und Japan verstünden
das Elektro-Straßenfahrzeug als ein Produkt von strategischer Bedeutung
für ihre Volkswirtschaften. In Deutschland aber könne man den Eindruck
gewinnen, ein Durchbruch des E-Mobils werde nicht mit dem notwendigen
Nachdruck und Einsatz verfolgt". Die öffentlichen Fördermittel,
die in Deutschland geflossen sind, stünden in keinem Verhältnis zu
den Summen, die in den USA und in Japan dafür ausgegeben werden. Selbst
im bisher eher weniger umweltorientierten Frankreich geschehe mehr
als in Deutschland. Außerdem werde es Zeit, daß die Kommunal- und
Landespolitiker ihrer Begeisterung für das Elektroauto Taten folgen
lassen. Viele Einsatzbereiche gerade bei kommunalen Fahrzeugen und
Bussen im öffentlichen Personen-Nahverkehr ließen sich heute schon
hervorragend mit Elektro-Fahrzeugen abdecken. |
| Auch für diesen
Bereich wurde auf dem Workshop eine Neuerung vorgestellt: eine von
Varta und Neoplan entwickelte mobile Ladestation im Containerformat.
Sie erlaubt beispielsweise den Einsatz von Linienbussen rund um die
Uhr, da der Batteriewechsel vom Busfahrer selbst in wenigen Minuten
ausgeführt werden kann. |
| Der Wechsel
dauert nicht länger als ein Tankstopp und erfolgt in der Regel an
den Endhaltestellen. Das Gesamtsystem Bus, Batterie und Wechselstation
ist bei praktischen Erprobungen, unter anderem in der Sächsischen
Schweiz, auf breite Akzeptanz bei den Betreibern von Buslinien und
bei den mit der Technik konfrontierten Fahrern gestoßen. Zustimmung
zu dieser leisen und vor Ort abgasfreien Beförderungstechnik gab es
auch bei der Bevölkerung. |
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Schlagwörter:
Verkehr, Verkehrsmittel, KFZ,
Technik, Statistik, Sicherheit, Verkehrswerkstatt,
Deutschland |
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