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Bahnhof Ernst-Reuter-Platz hieß mal "Knie"

Hellersdorfer Schüler unternehmen eine Zeitreise durch die U-Bahn-Geschichte

Berliner Zeitung 06.04.1998, S. 17

Von Klasse 8.5, Heartfield-Oberschule, Hellersdorf

Ein Zwei-Stunden-Fahrschein für 40 Pfenninge? Ein Fahrscheinautomat, an dem man das Ticket noch für 20 Pfennig bekommt? Für unsere Zeit unmöglich? Stimmt, das gehört zur U-Bahn-Geschichte. Für richtige U-Bahn-Fans wird sie im Museum in der Station "Olympia-Stadion Ost" lebendig. Wer weiß denn heute, daß der Bahnhof Ernst-Reuter-Platz einmal "Knie" hieß und die erste Bahn vom Stralauer Tor zum Potsdamer Platz eine Hochbahnstrecke war?
Skepsis zur Einweihung
Auf der am 18. Februar 1902 in Betrieb genommenen Strecke fuhren gerade mal 19 Personen, aber schon im ersten Jahr verzeichnete die Berliner Hochbahn-Gesellschaft mehr als eine Million Fahrgäste. Auch wenn zunächst nur Hochbahnen verkehrten, behaupteten sich die Untergrundbahnen schnell, das Streckennetz wurde ständig erweitert.
1931 wurde das Stellwerk am späteren Olympiastadion in Betrieb genommen. Im Stellwerksraum befindet sich ein Hebelwerk von 13,65 Metern Länge mit 168 Feldern, 103 Weichenhebeln, 54 doppelstelligen Signalhebeln, 178 Bedienungstafeln. 616 Fahrstraßen werden durch 99 Signale gesichert. Das Interessanteste ist aber die Fahrschautafel, sechs mal zwei Meter groß. Sie gibt einen klaren Überblick über das U-Bahn-Netz. Man kann von dort den Zugverkehr nicht mehr regeln. Heute gibt es selbsttätige Signalsysteme, die für die Sicherheit der Passagiere garantieren. Das Stellwerk hatte 1983 ausgedient, ist aber im Originalzustand erhalten. Ernst Neumann, der uns durch das Museum führt, hatte schon Gäste aus aller Welt. Insbesondere Engländer, Amerikaner und Japaner interessieren sich für die alte Technik. Heute stimuliert ein Computer die Zugfahrt an einer großen Leuchttafel mit Hunderten von Lämpchen.
Schweres Unglück 1908
Das größte U-Bahn-Unglück ereignete sich 1908. Am Bahnhof Gleisdreieck fuhren zwei Züge ineinander. Einer stürzte 17 Meter in die Tiefe. Es gab viele Tote. Aber auch kleine "Katastrophen" können den Verkehr lahmlegen. So führte die Unachtsamkeit eines kleinen Jungen einmal zu einer Zugunterbrechung von zwei Stunden. Ihm war beim Aussteigen der Bonbon in den Spalt der Wagentür gefallen. Er wollte den Bonbon aufheben und blieb mit seiner Hand stecken. Erst nach zwei Stunden gelang es einem beherzten Fahrgast, den Jungen aus seiner mißlichen Lage zu befreien.
Nicht nur wir erleben heutzutage Umbenennungen von Bahnhöfen. Auch früher mußten sich die Berliner an neue Namen gewöhnen. Im Frühjahr 1923 wurde aus der Station Leipziger Platz der Potsdamer Platz, der Bahnhof Oranienstraße wurde 1926 zum Görlitzer Bahnhof, der Halt Bismarckstaße 1929 zur Städtischen Oper und der Bahnhof Hasenheide 1933 in Kaiser-Friedrich-Platz, heute Südstern, umbenannt. Der Bahnhof Hauptstraße wurde zum Innsbrucker Platz.
Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das U-Bahn-Netz stark zerstört. Aber kurze Zeit nach dem Krieg waren wieder 90 Prozent der alten Strecken befahrbar.
Wer Lust bekommen hat, die Geschichte der Berliner U-Bahn näher kennenzulernen - das Museum ist jeweils am zweiten Sonnabend im Monat von 10.30 bis 16 Uhr geöffnet. Eintrittskarten gibt es schon für zwei und drei Mark.
  Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, U-Bahn, ÖPNV, Geschichte, Unfall, Unglück, Technik, BVG, Steuerung, Verkehrswerkstatt, Berlin, Deutschland
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aktualisiert: 29.10.2003
 
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