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05.06.2000 | Lübecker Nachrichten

Drastische Einschränkung im Güterverkehr?

Bahn will nur noch profitable lange Linien fahren

Nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" will die Deutsche Bahn AG ihren Güterverkehr drastisch verringern. In Zukunft sollen, so das Blatt, nur noch wenige, besonders einträgliche Linien befahren werden. Dies gelte vor allem für längere Strecken. Bis zum Jahr 2004 sollen auf diese Weise ungefähr 25 Prozent des Güterverkehrs reduziert werden.

Dieses Konzept würde dazu führen, dass nur noch einige ausgewählte lange Strecken von der Bahn im Güterverkehr betrieben würden. Der flächendeckenden Güterverkehr wäre damit aufgegeben, schrieb die Zeitung. Dies hätte weiter zur Folge, dass bei der Tochterfirma der Bahn, der DB Cargo, in den nächsten fünf Jahren 15 000 Arbeitsplätze der bislang 40 000 der Rationalisierungswelle zum Opfer fallen würden. Die Bahn AG lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ab.

Ein Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Bundesverkehrsministers, der Gießener Professor Gerd Aberle, warnte in einem Rundfunkinterview vor einer solchen Lösung. Der Abbau von Personal würde die Kundenfreundlichkeit noch mehr senken. Die Bahn, so der Wissenschaftler, brauche in Gegenteil mehr kundennahes Personal. Entscheidend bei allen Plänen seien jedoch die Finanzierungen. Hier ist die Bahn auf Optimierungen angewiesen. Das Schienennetz sei der wunde Punkt im Finanzkonzept. Die Trassen zu unterhalten lohne sich nur, wenn sie in hohem Maße ausgelastet würden. Das sein oft nicht der Fall. Das historisch gewachsenen Schienennetz der Bahn ist zusammengeflickt, es entspricht nicht den modernen Anforderungen, erläuterte der Professor. Er deutete an, dass er für eine Ausdünnung des Güterverkehrs Verständnis habe. Er verlangte vom Staat eine Unterstützung der Bahn und Überlegungen zu einem entmischten Streckensystem. Verständnis für die finanziellen Überlegungen der Bahn äußerte auch der bayrische Verkehrsminister Otto Wiesheu. Rote Zahlen nützen nichts, meinte er, aber Stilllegungen im großen Stil seien nicht der richtige Weg. Vielmehr solle der richtige Weg in einer Vermehrung des Güterverkehrs gesucht werden, dies sei verkehrspolitisch dringend erforderlich.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Güterverkehr, Logistik, Service, DB Cargo, Deutsche Bahn AG, Politik, Verkehrspolitik, Ökonomie, Markt, Wettbewerb, Konkurrenz, Infrastruktur, Nebenstrecken, Streckenstilllegung, Rationalisierung, Kosten, Unterhaltungskosten, Folgen, Arbeit, Arbeitsplatz, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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