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29.09.2000 | Lübecker Nachrichten

Schleswig-Holstein abgehängt

Fernzüge werden gestrichen

Ab Juni 2001 werden auch in Schleswig-Holstein eine größere Zahl von Fernzügen ersatzlos gestrichen, teilte jetzt die Deutsche Bahn AG mit. Aus wirtschaftlichen Gründen werden wenig ausgelastete Strecken aus dem Plan genommen. Das sei ökonomisch geboten. Folgende Linien werden demnach im nächsten Jahr gestrichen: Die IR Strecke Lübeck - Hamburg. Da diese Züge nur Pendlerverkehr leisten seien sie als Fernzüge ersetzbar. Dieser Nahverkehr könne durch die Regionalbahn aufgefangen werden. Die IR Strecke 39 nach Bad Kleinen - Magdeburg. Da diese Strecke mit weniger als 10 Prozent ausgelastet sei, werde sie gestrichen, ließ die Bahn wissen. Die IR Strecke Hamburg - Flensburg - Frederica wird besonders an den Wochenenden erheblich reduziert. Der Intercity Hamburg - Westerland soll im Sommer weiterhin acht mal täglich, im Winter dagegen wegen mangelnder Nachfrage nur noch zwei mal pro Tag verkehren. Der Intercity Hamburg - Kiel soll ebenfalls stark reduziert werden. Bisher fahren auf der Strecke acht Züge pro Tag. Die Strecken nach Berlin, Köln und Basel sollen aber weiterhin durchgehend von Kiel aus bedient werden.

Rainer Latsch wies als Konzernbeauftragter der Bahn für Schleswig-Holstein und Hamburg darauf hin, dass die Deutsche Bahn AG als Wirtschaftsunternehmen gehalten sei, sich nach der Nachfrage zu richten. Bis 2004 müsse die Bahn deshalb 8,4 Milliarden DM einsparen. Latsch erklärte, das Fahren leerer Züge sei weder ökonomisch noch ökologisch vertretbar. Außerdem könnten in fast allen Fällen Regional- und Nahverkehrszüge genutzt werden. Christa Häckle, eine Sprecherin des Verkehrsministeriums der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung ist noch optimistisch: "Diese Kürzungen stehen noch nicht fest, wir wollen in den Verhandlungen darauf dringen, dass es wesentliche weniger werden", erklärte sie vor der Presse. Minister Rohwer (SPD) hatte noch vor Tagen an die Bahn appelliert, eine offene Informationspolitik zu betreiben: "Es kann nicht angehen, dass Einsparpläne tröpfchenweise durch die Medien bekannt werden", erklärte er. Die Bahn könne nicht erwarten, dass das Land den Nahverkehr unterstütze, um die Fernstreckenkürzungen auszugleichen, konterte der Minister weiter. In solch einem Fall werde das Land den Nahverkehr weiter ausschreiben und schneller privatisieren. Noch werden die profitablen Nahverkehrsstrecken von der regionalen Bahntochter DB Regio betrieben, man könne sich aber auch andere Lösungen vorstellen, droht Rohwer. Andere Bewerber stünden bereit, in die Konkurrenz zu gehen, wie dies bereits auf einigen Strecken in Schleswig-Holstein geschehen sei.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Fernverkehr, Infrastruktur, Streckenstilllegung, Nahverkehr, Ökonomie, Politik, Verkehrspolitik, Markt, Wettbewerb, Monopol, Konkurrenz, Privatisierung, Rationalisierung, Kosten, Unterhaltungskosten, Folgen, Umwelt, Deutsche Bahn AG, Hamburg, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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