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21.06.2000 | Lübecker Nachrichten

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit

Gleisneubau der Bahn stört Lübecker Anwohner im Nachtschlaf

In Lübeck-Eichholz ist es seit Anfang des Jahres mit der Nachtruhe vorbei: Seit dieser Zeit des Jahres rattern Züge über eine provisorische Bauweiche der Bahn. Dies reißt viele Nachbarn der Baustelle frühmorgens aus dem Schlaf. Ein Sprecher der Bahn verspricht auf Anfrage: In wenigen Wochen ist die vorläufige Weiche verschwunden. So war es nach Angaben der Anwohner früher: Die Vögel zwitschern fröhlich, Bienen summen, Blätter der Bäume und Blütensträucher wiegen sich sanft im Wind. Eine stimmungsvolle Morgenidylle am Kleinen See in Eichholz. Doch das hat sich seit dem Beginn der Bauarbeiten geändert. Spätestens ab 5 Uhr in der Frühe ist es mit der Ruhe vorbei. Hartes Schlagen und ohrenbetäubendes Rattern kündigen den ersten Zug des Tages an. Schon seit 1993 arbeitet die Bahn im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 1 an der Modernisierung der Strecke zwischen Lübeck und Bad Kleinen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf stolze 380 Millionen Mark.

Aber erst seit mehr als einem halben Jahr beschweren sich die Anwohner über den Lärm und den Zustand einer eingebauten Übergangsweiche. "Sobald morgens der erste Zug fährt, bin ich wach", beklagt sich ein Anwohner aufgebracht. Der 62-jährige Bauingenieur Klaus Bernhardt wohnt 500 Meter von der Ausbautrasse der Bahn entfernt. Unweit der Abzweigung nach Schlutup hat die Bahn vor knapp zwei Jahren damit begonnen, das alte Gleisbett durch ein neues zu ersetzen.

Um die neuen Gleise verlegen zu können, musste eine provisorische Bauweiche eingebaut werden, die den Verkehr um 20 Meter versetzt auf der Schlutuper Hafenstrecke an der Baustelle vorbeiführt. Hier genau entsteht der gewaltige Lärm, der sich so anhört, "als schlage Metall auf Metall", meint der Anwohner. Im regelmäßigen Takt, alle 20 Minuten rattern die Züge über die provisorische Schweißnaht. "Das Gleis ist nicht richtig verschweißt, der Untergrund zu wenig verdichtet", glaubt Bernhardt zu wissen. Die Folge ist, dass jeder vorbeifahrende Zug das gesamte Schienenbett zum Vibrieren bringt. Schon mehrfach hat Bernhardt die Bahngesellschaft auf den vermeintlichen Missstand aufmerksam gemacht. Passiert sei bislang jedoch nichts Entscheidendes.

Ein Sprecher der Bahn äußerte sich hierzu: "Rattergeräusche beim Befahren der Bauweiche 100 sind unvermeidbar", Bauleiter Schmidt von der Planungsgesellschaft Bahnbau in Schwerin erläutert die Baumaßnahmen. Der Lärm entsteht aus der Konzeption der provisorisch eingebauten Weiche, bei der es sich um einen zeitlich begrenzten "Bau-Zwischenzustand" handele. Schmidt räumt jedoch ein: "Wir haben bei der Planung nicht gewusst, wie hoch die Lärmemission für die Anwohner tatsächlich sein wird".

Eine Gefahr für den Zugverkehr besteht seiner Meinung nach aber nicht. "Die Züge passieren die Stelle zur Zeit mit einer verminderten Geschwindigkeit von 80 km/h", erklärt Bauleiter Schmidt. Erst später, wenn alles endgültig fertig gestellt ist, sollen an dieser Stelle 120 km/h erreicht werden. Dann werde es keinen Lärm mehr geben. Der Bahn-Sprecher bittet die Anwohner noch um etwas Geduld: Geplant sei, die Bauweiche schon am 3. Juli auszutauschen. Dann wird die Weiche ein paar hundert Meter weiter in Richtung Strecknitz wieder verwendet. "Der Lärm verlagert sich" dann bloß, fürchtet Anwohner Bernhardt.

Doch mit dem Lärm allein ist es nicht getan, weiß Bernhardt: Entlang der Bahnlinie wurden von den Schwertransportern beim Ausladen der neuen Schienen schwere Schäden an Radwegen verursacht. "An einigen Stellen rutscht die gesamte Böschung weg", so beschwert sich Bernhardt weiter. Und er fährt fort: "Entgegen anders lautender Ankündigungen sind die Bahnübergänge an der Ratzeburger Allee und am Mönkhofer Weg immer noch nicht fertig asphaltiert." Die Anwohner sind gespannt, ob die Bahn jetzt ihre Versprechen auch einhält.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, Autor: Jörg Köpke
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Infrastruktur, Schienen, Technik, Bautechnik, Gleisbau, Neubau, Baustelle, Fahrweg, Weiche, Provisorium, Übergangsweiche, Werkstoff, Stahl, Verbindungstechnik, Schweißen, Schweißnaht, Reibung, Geräuschentwicklung, Mensch, Gesundheit, Belästigung, Emission, Lärm, Lärmstörung, Zeit, Nacht, Nachtruhe, Ruhestörung, Ursache, Folgen, Geschwindigkeit, Anwohner, Bürger, Protest, Streckenplanung, Lärmschutz, Umwelt, Ökologie, Deutsche Bahn AG, Lübeck, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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