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10.10.2000 | Lübecker Nachrichten

Linienbus wurde von Regionalzug 30 Meter mitgeschleift

Haltesignal übersehen und dann noch zu spät gebremst

ELMSHORN - Der Lokführer, der Mittwoch am späten Abend mit dem Regionalzug von Elmshorn nach Itzehoe auf einem beschrankten Bahnübergang einen Linienbus gerammt und dabei den Busfahrer getötet hatte, hat das Haltesignal übersehen. Das teilte gestern ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes (BGS) mit. Eine junge Frau, die im Bus saß, wurde leicht verletzt. Der Lokführer erlitt einen Schock. Nach ersten Ermittlungen des BGS hat der 34-jährige Lokführer des Zuges 500 Meter vor dem Elmshorner Bahnübergang ein Haltesignal überfahren, sagte der BGS-Sprecher. Bei dem Unglück - wir berichteten schon gestern darüber - kam der Fahrer des Busses ums Leben. Die Zuginsassen, und bis auf die leicht verletzte junge Frau alle weiteren Busfahrgäste, kamen mit einem gehörigen Schrecken davon. Nach den Ergebnisse der Untersuchung, so der Sprecher des BGS, haben die Zeugen eindeutig bestätigt, dass die Schranken zum Unglückszeitpunkt geöffnet waren und das rote Warnblinklicht nicht geleuchtet hat. Für solche Fälle ist eine automatische Vollbremsung vorhanden, die den Zug noch vor dem Bahnübergang zum Stehen bringen soll. Diese Automatik der Vollbremsung setzte bei dem Zug erst so spät ein, dass das Unglück nicht verhindert werden konnte. Nach Aussage des BGS untersuchen Experten des Eisenbahnbundesamtes nun, ob wegen eines technischen Defektes die Vollbremsung nicht aktiviert wurde, oder der Lokführer erst selbst, aber zu spät, bremste. Die Experten müssen dabei auch klären, ob der Zug schon vor dem Unglück vielleicht zu schnell fuhr und deshalb der Bremsweg zu lang war. Der Linienbus wurde genau auf dem Bahnübergang vom Zug erfasst. Durch die Wucht des Zusammenstoßes entgleiste aber nur die erste Achse des Triebwagens. Der Bus kippte um und wurde noch 30 Meter mitgeschleift. Der Fahrer des Busses war sofort tot. Die verletzte Frau und auch der Lokführer konnten nach kurzer Behandlung das Krankenhaus Elmshorn schon am Morgen verlassen. Experten müssen jetzt auch prüfen, ob bei dem Unfall möglicherweise auch die Gleise beschädigt wurden. Deshalb können Züge die Unfallstelle vorerst nur mit 30 Kilometern als Höchstgeschwindigkeit passieren. Im Nahverkehr seien, so erklärte die Bahn, aber nur Verspätungen von wenigen Minuten zu erwarten. Die Fernzüge zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt können nach Angaben der Bahn diese geringe Verzögerung während der Fahrt ausgleichen und erreichen ihr Ziel deshalb pünktlich. Während der Aufräumarbeiten an der Unfallstelle war die Bahnstrecke Hamburg - Westerland gestern für mehrere Stunden voll gesperrt. Es gab Umleitungen und lange Verspätungen.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, Autor: dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Nahverkehr, Straßenverkehr, Unfall, Unglück, Ursache, Bahnübergang, Schranken, Technik, Sicherheit, Sicherheitstechnik, Signal, Regeltechnik, Verkehrsregelung, Risiko, Versagen, Technikfolgen, Automation, Notbremsung, Notbremse, Bremsweg, Geschwindigkeit, KFZ, Bus, Linienbus, Folgen, Tote, Verkehrstote, Mensch, Gesundheit, Schock, Hindernis, Arbeit, Beruf, Lokführer, Busfahrer, Marschenbahn, Elmshorn, Westerland, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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