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01.01.2000 | Lübecker Nachrichten

Slawische Straße des Handels

Wagenräder haben auf der in Lübeck ausgegrabenen, ältesten mit Steinen gepflasterten Straße im Ostseeraum deutliche Spuren hinterlassen. Diese Straße wurde bereits im 12. Jahrhundert angelegt und war als Teil eines Fernhandelswegs viel befahren. Der für diese Zeit ungewöhnliche Belag und ein überraschender Knick in Richtung Osten geben den Lübecker Archäologen jedoch Rätsel auf.

Lübeck - Lübecker Archäologen entdeckten die mittelalterliche, slawische Straße bei den Grabungen, die bei der Neugestaltung der Großen Burgstraße anfielen, eher zufällig. Ihr Auftrag war es, die Hölzer einer bereits bekannten Holz-Straße aus Lübecks Frühzeit aus dem 13. Jahrhundert zu bergen. Eine typische Straße also, wie sie in Lübeck zu damaliger Zeit verbreitet war. Etwa 2,5 Meter unter dem heutigen Straßenbelag fanden die Archäologen jedoch eine weitere, sogar mit Natursteinen befestigte Straße. Dass auf ihr lebhafter Verkehr gerollt sein muss, belegen zwei parallele Fahrspuren von Wagenrädern, die sich tief in die Steine gefurcht haben. Erstaunlich, der Achsabstand misst 1,4 Meter. Das Auffallende an der neu entdeckten Straße ist aber nicht nur der Stein-Belag. "Das Eigenartige ist: Die Straße weicht vom jetzigen Verlauf der Burgstraße ab", erklärt der Leiter des Amtes für Archäologische Denkmalpflege, Dr. Manfred Gläser. Sie führt nicht direkt auf das Burgtor zu, sondern knickt genau wie auch der spätere Holzweg aus Lübecker Zeit etwas nach Osten ab. Vielleicht führten beide Straßen zu einem drei Meter hohen und vier Meter breiten Tor der Stadtmauer, das schon lange zugemauert ist. Von der Nordseite des Burgtors ist der Torbogen noch bis heute gut erkennbar. Während die Stein-Straße aus slawischer Zeit noch geheimnisvoll bleibt, haben die Grabungen im Gebiet Kleine Gröpelgrube / Große Burgstraße / Kaiserstraße viele neue Erkenntnisse über die Zeit gebracht, in der Lübeck noch slawisch war. Der mittelalterliche Lübecker Chronist Helmold von Bosau hatte bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine zu seiner Zeit bereits verfallene Burg erwähnt. Längst gilt sie als nachgewiesen. Von einer zugehörigen Siedlung jedoch fehlte bislang eine nachweisbare Spur. In der Kleinen Burgstraße wurden solche Spuren jetzt zum ersten Male gefunden. Das Aufregendste daran ist, dass es sich nicht um die ältesten, sondern die jüngsten Spuren slawischer Besiedlung handelt. Die archäologischen Reste beweisen, dass das "deutsche" Lübeck nicht auf herrenlosem Land gegründet wurde, sondern dass im Norden der Lübecker Insel bis ins 12. Jahrhundert hinein noch heidnische Slawen lebten. Im südlichen Teil der Großen Burgstraße wurde jetzt in der Tiefe ein beachtlicher 3,5 Meter breiter und 2,5 Meter tiefer Graben gefunden, der die slawische Siedlung im Süden begrenzte. Damit waren die Einwohner auch geschützt. Im Osten wird diese Siedlung wahrscheinlich an der Wakenitz geendet haben. Wie weit sie sich nach Norden ausdehnte, ist den Archäologen noch bekannt. Auf der heutigen Großen Burgstraße haben zur Zeit der Slawen - so weiß man jetzt - Häuser gestanden. Bei den aktuellen Grabungen wurden drei Gruben angeschnitten, in einer davon erkennen die Archäologen ein sogenanntes Grubenhaus. Begleitende Keramikfunde weisen darauf hin, dass die jetzt nachgewiesene Siedlung später als die Burg - diese ist für das 8. bis 11. Jahrhundert nachgewiesen - entstand, und hier deshalb noch Menschen lebten, als die Burg längst verlassen war. Und, dass diese Menschen über ihre Steinstraße weite Verbindungen pflegten. Anmerkung: Die Spurweite der Wagen in der slawischen Zeit Lübecks sind hier im Kontext der Eisenbahn bedeutsam. Die Spurweite der Bahn beträgt: 1,43 m

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Pferdefuhrwerke, Technik, Bautechnik, Straßenbau, Straße, Konstruktion, Straßenbelag, Baustoff, Stein, Naturstein, Holz, Holzweg, Steinstraße, Steinbelag, Unterbau, Handelsweg, Handel, Geschichte, Archäologie, Stadtgeschichte, Stadt, Stadtplanung, Stadttor, Ausgrabung, Mittelalter, Fahrzeugbau, Spurbreite, Achslänge, Fahrspur, Eisenbahn, Gleise, Gleisbau, Spurweite, Forschung, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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