Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Automobile
Flugzeuge
Bautechnik
Schifffahrt
Fahrrad
Zurück

10.04.2000 | Lübecker Nachrichten

Denk-mal - Drei Stellwerke der Bahn stehen bald unter Denkmalschutz

Die Bahnreisenden achten nicht darauf. Die Stellwerke rund um den Lübecker Hauptbahnhof regeln seit fast 100 Jahren den Verkehr. Es handelt sich um echte Klassiker. LÜBECK - Wie die vielen Weichen und Signale der Bahn bedient werden, interessiert nur wenige Reisende, die in Lübeck an den Stellwerken meist achtlos vorbeifahren. Dabei haben die alten Stellwerke aus der Zeit der Lübeck-Büchener-Eisenbahn-Gesellschaft fast 100 Jahre unverändert ihren Dienst getan. Statt Computer sind große Hebel und Seilzüge in Funktion, statt Tastentippen müssen die Bahnmitarbeiter an großen Hebeln Schwerarbeit verrichten. 1908 wurden mit dem neuen Bahnhof auch die Stellwerke in Betrieb genommen. Zuvor war der alte und erste Bahnhof der Hansestadt von 1851 aus dem Dienst entlassen worden. Er wurde abgebrochen. Die neuen Stellwerke waren damals hochmodern. Und so zuverlässig arbeiten sie mit der gleichen Technik nach fast 100 Jahren auch noch. Wenn Ersatzteile gebraucht werden, können sie aus stillgelegten anderen Stellwerken bezogen werden. Im Stellwerk mit der rätselhaften Abkürzung "LP", für Lübecker Personenbahnhof, sind 30 Weichen und genau so viele Signale zu bedienen. Vom Stellwerk hat der verantwortliche Fahrdienstleiter einen guten Überblick über die verwirrenden Anlagen der vielen Gleise des Bahnhofs. Wie in alten Filmen sieht es hier aus, säuberlich sind die Hebel, wohl geordnet und blau oder rot gestrichen, in einer Reihe. Die Bedienung erfolgt durch Hebel, welche die Befehle mit Seilzügen aus Stahldraht an die einzelnen Weichen und Signale weiterleiten, rein mechanisch. Im Erdgeschoss des Stellwerks halten schwere Gewichte die Drahtseilzüge immer unter gleicher Spannung. Sie bewegen sich ächzend, wenn oben mit Muskelkraft die Signale oder Weichen gestellt werden. Der Fahrdienstleiter prüft immer wieder, ob die einzelnen Signale und Weichen richtig gestellt sind. Aus dem Fenster sieht er den modernen Eurocity aus Dänemark in Richtung Hamburg fahren. Alte Technik trifft moderne Technik. Der Leiter der lübeckschen Denkmalpflege, Dr. Horst Siebert, bezeichnet die drei Stellwerke als ein wertvolles Stück Bahngeschichte, das auf jeden Fall erhalten bleiben soll. Deshalb werde die "Unterschutzstellung" bald erfolgen.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, Autor: Jörg Köpke
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Bahnhof, Stellwerk, Gleise, Weichen, Signale, Stelltechnik, Regeltechnik, Automation, Technik, Konstruktion, Mechanik, Hebel, Drahtseilzug, Handarbeit, Arbeit, Arbeitsplatz, Sicherheit, Geschichte, Museum, Denkmal, Denkmalschutz, Lübeck-Büchener-Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
Zurück