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01.06.2001 | Lübecker Nachrichten

Deutsche Bahn AG unter Druck

ESCHEDE/BRÜHL – Reiner Geulen, Anwalt von Angehörigen von Opfern der Bahnkatastrophe von Eschede hat Verantwortliche der Bahn vor dem Berliner Landgericht verklagt. Er vertritt Jakob Wild, der bei der schwersten Katastrophe der Bahn nach dem Kriege seine Frau und eine Tochter verlor. Sie starben in dem ICE "Wilhelm Röntgen". Ein zerbrochener Radreifen soll die Ursache des Unglücks gewesen sein. Diese neue Radform sei ohne hinreichende Erprobung verwendet worden, meint der Anwalt. Er spricht von "schwer wiegendem Verschulden der Verantwortlichen".

Durch Musterklagen will Geulen erreichen, dass mindestens 250 000 Mark Schmerzensgeld gezahlt werden. Die Bahn hat bislang nur 30 000 Mark an die Hinterbliebenen geleistet.

Bahnchef Hartmut Mehdorn wies die Anschuldigungen des Anwalts entschieden zurück. Seine Behauptungen seien "ungeheuerlich".

Die Klageschrift macht deutlich, wie die Hinterbliebenen leiden mussten. Erst 12 Tage nach dem Unfall hat der ICE-Restaurantleiter erfahren, das sein Kind tot war. Andere sind psychisch krank geworden und sogar selbstmordgefährdet. Sie seien, so der Anwalt, durch herzlose Briefe im "Amtsdeutsch" verletzt worden. So erhielten sie Briefe der Bahn mit ICE-Signet und der Aufschrift "Die Bahn kommt".

Mit einem anderen Bahnunglück befasst sich ein Gericht in Köln. Bei diesem Unfall im rheinischen Brühl starben am 9. Februar neun Menschen und 149 wurden verletzt. Vor dem Landgericht muss sich der 29-jährige Lokführer verantworten. Neben ihm stehen drei weitere Bahnmitarbeiter vor Gericht. Der Nachtexpress 203 war an einer Weiche im Bahnhof Brühl entgleist, als er mit viel zu hoher Geschwindigkeit in eine Baustelle fuhr. Statt der vorgeschriebenen 30 km/h hatte der Lokführer auf 122 km/h beschleunigt. Dem Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 01.06.2001, Autor: dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Personenverkehr, Fernverkehr, Unfall, Unglück, Katastrophe, Folgen, Tote, Verletzte, Unfallursache, Baustelle, Weiche, Entgleisung, Geschwindigkeit, Geschwindigkeitsüberschreitung, Gericht, Verhandlung, Anklage, Arbeit, Beruf, Lokführer, Fahrdienstleiter, Bahnmitarbeiter, Eschede, Niedersachsen, Brühl, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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