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07.09.2001 | Lübecker Nachrichten

Unfallursache ermittelt: Defekter Heizstrahler führte zur Katastrophe

KAPRUN – Fast ein Jahr dauerten die Ermittlungen der Sachverständigen nach dem schweren Unglück der Kapruner Seilbahn. Damals kamen 155 Menschen in Flammen und Rauch ums Leben, darunter 37 aus Deutschland.

Wie so oft führten erst mehrere Versäumnisse zu dem schrecklichen Unglück. Die Ermittler führen jetzt die Unfallursache auf einen Heizstrahler zurück, der nicht feuerfest verkleidet war, sich überhitzte und damit einen Brand auslöste. Das Heizgerät war nicht für die Verwendung in der Bahn zugelassen. Die Flammen griffen dann auf eine Hydraulikleitung über, die seit längerem undicht war. Hierdurch wurde dann eine Holzverkleidung in Brand gesetzt, die mit dem Hydrauliköl getränkt war. So konnte sich das Feuer schnell ausbreiten.

Es wurde zwar sehr schnell bemerkt, die Fahrgäste hatten jedoch keine Möglichkeit den entstehenden Brand zu melden, denn es gab keine Notrufanlage zum Fahrer oder zur Station. Ein anderer Augenzeuge hatte von außen vergeblich versucht, mit seinem Handy das Feuer zu melden.

Der Druckabfall in der defekten Hydraulikleitung führte dazu, dass der Zug von allein im Tunnel stehen blieb. Dort konnten die Fahrgäste den Zug nicht verlassen. Die Türen ließen sich von innen nicht öffnen, es gab keine Nothämmer für die Scheiben und auch kein Feuerlöscher zum Löschen des Brandes. Die Fahrgäste saßen in der Falle. Im Tunnel gab es schließlich auch kein Licht. Nur wenige Menschen konnte sich über die schmale Treppe in Sicherheit bringen, nachdem sie es geschafft hatten, die Scheiben zu zertrümmern und durch die vom Fahrer etwas geöffneten Türen den Zug zu verlassen. Für alle war der Weg über die nur 60 cm breiten Treppen auch nicht geeignet. Nur 12 Fahrgästen gelang die Flucht. Die Kaminwirkung hat das Feuer schnell im ganzen Zug verbreitet und durch den Rauch jede Sicht unmöglich gemacht. Der Bericht wurde vom zuständigen österreichischen Gerichtspräsidenten Walter Grafinger vorgestellt.

Vom Münchner Opferanwalt Michael Witti, der 14 Hinterbliebene vertritt, wird der Bericht scharf kritisiert, weil er nicht deutlich mache, dass die Vorschriften zum Betrieb von Seilbahnen völlig unzureichend sind. Österreich hätte keine Lehren aus dem Unglück im Tauerntunnel gezogen. Weil zudem die Regelungen für Schadenersatz in Österreich völlig unzureichend seien, Wittig sprach von "unmöglich", hat er Klage in den USA eingereicht.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 07.09.2001, Seite: 12, Autor: ap/dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Seilbahn, Tunnel, Unglück, Unfall, Katastrophe, Unfallfolgen, Unfallursache, Brand, Feuer, Opfer, Tote, Verkehrstote, Technik, Recht, Schadenersatz, Österreich, Europa, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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