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17.09.2001 | Berliner Zeitung

Güterzüge statt LKW

Bahnexperten und Politiker fordern Umsteuern

LOUVAIN-LA-NEUVE – Bei einem informellen Treffen von Verkehrsministern der EU mit Bahnexperten und Umweltfachleuten wurde über die wachsenden Probleme des Güterverkehrs innerhalb der Union gesprochen. Der deutsche Verkehrsminister Kurt Bodewig will den Güterverkehr der Bahn in den nächsten 15 Jahren verdoppeln. Diese Meinung wurde von den anderen Ministern durchweg geteilt. Der Verkehr müsse von der Straße auf die Schiene umgelenkt werden. Beim Treffen in der Ortschaft Louvain-La-Neuve in der Nähe Brüssels wurden keine Beschlüsse gefasst, sondern verkehrspolitische Weichenstellungen diskutiert. Umweltminister Trittin wies auf die steigenden Umweltbelastungen durch den zunehmenden LKW-Verkehr hin, der so nicht vertretbar sei.

Mehr Geld für die Schiene

Bodewig wies darauf hin, dass bei den anstehenden Investitionen viel Geld in das Schienennetz fließen werde. Damit sich die Investitionen bezahlt machen, müsse der freie Zugang für alle Bewerber, auch für den Güterverkehr, gesichert werden. Wichtig ist nach Ansicht des Ministers auch der Ausbau der Wasserwege, wobei hinsichtlich der Osterweiterung der EU vor allem der Seeweg bedeutsam werde. Dabei komme gerade dem Verbund der verschiedenen Verkehrsträger besondere Bedeutung zu.

Umweltminister Trittin verwies auf die Wirkungen der demnächst einzuführenden Autobahnmaut hin, die die Verlagerung des Verkehrs begünstige. Der technische Fortschritt bei der Emissionssenkung der LKW werde durch die Vermehrung des Verkehrs bislang immer wieder aufgezehrt.

Die versammelten Minister nahmen den Bericht der EU-Verkehrskommissarin, Loyola de Palacio, über die Strategien zur Verhinderung eines Verkehrsinfarkts auf den europäischen Straßen zustimmend zur Kenntnis. Die im Weißbuch der Kommissarin vertretene Stärkung von Schiene und Schiff wird unterstützt. Nach Berechnungen Brüssels stauen sich bereits heute die LKW auf den Straßen täglich auf einer Länge von 7500 km. Ohne drastische Veränderungen bei den Verkehrsträgern werde der Schwerverkehr bis zum Jahr 2010 um 50 Prozent zunehmen. Schon jetzt erzeugt der Straßenverkehr 84 Prozent der Treibhausgase. Nur eine Stärkung der Schienenwege biete einen realistischen Ausweg aus der Misere. Dabei müsse der Wettbewerb auf der Schiene zunehmen und langfristig ein eigenes Güterschienennetz aufgebaut werden.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 17.09.2001, Seite: 33, Autor: dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, LKW, Schiff, Güterverkehr, Gleisnetz, Seewege, Straßen, Ökonomie, Finanzierung, Privatisierung, Ökologie, Umweltbelastung, Technik, Technikfolgen, Politik, EU, Europa, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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