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08.10.2001 | Lübecker Nachrichten

Erste Bahn in der Hansestadt

Vor 150 Jahren begann in Lübeck das Eisenbahnzeitalter

Am 1. Oktober herrschte in Lübeck, der altehrwürdigen Hansestadt, vor dem Holstentor ein gewaltiges Gedränge. Es war 1851, als vom einzigen Bahnsteig des ersten lübeschen Bahnhofs der erste Zug in Richtung Büchen abdampfte. Punkt 11:30 Uhr startete der Zug der zu diesem Zweck gegründeten Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft. Auf den Holzbänken hatte die Prominenz Platz genommen, als es mit Pfiff und Dampf los ging zur ersten Fahrt mit dem neuen Verkehrsmittel. Die ganze Stadt soll auf den Beinen gewesen sein, das Schauspiel mit zu erleben, weiß der erste Vorsitzende des Vereins Lübecker Verkehrsfreunde (VLV), Michael Hecht zu erzählen.

Eine solche Beteiligung wird auch zu den am Wochenende durchgeführten Jubiläumsfeiern gewünscht. 150 Jahre sollen gefeiert werden. Hecht erzählt von den Schwierigkeiten, die der ersten Fahrt vorausgingen. Von den Hindernissen, die die dänische Regierung – Holstein gehörte damals zum Königreich Dänemark – dem Vorhaben der Lübecker Kaufleute in den Weg stellten. Um so größer war die Freude, als es endlich Wirklichkeit wurde.

Fast wäre das berühmte Wahrzeichen Lübecks, das Holstentor, dem Fortschritt zum Opfer gefallen. Genau vor dem Holstentor stand der neue Bahnhof und das nicht renovierte Tor sah schäbig aus. Mit nur einer Stimme Mehrheit stimmte der Rat gegen den Abriss.

Die Lübeck-Büchener Eisenbahn begann mit fünf Loks, die bald ergänzt wurden. Ab 1856 konnte dann auch direkt nach Hamburg gereist werden, ab 1882 auch nach Travemünde. Die Stadt verkaufte später ihre Anteile an der LBE zugunsten des Ausbaus der Trave. Der Seeverkehr schien manchen Hansestädtern wichtiger als die Eisenbahn.

Ein nächstes großes Fest war die Einweihung des Bahnhof-Neubaus, die 1908 gefeiert wurde. Die LBE war ein höchst erfolgreiches Unternehmen, das in den 20er und 30 Jahren modern ausgebaut wurde. Aus dieser Zeit stammen Stromlinien-verkleidete Dampflokomotiven und die berühmten Doppelstockwagen, von denen einer erhalten blieb und der von der LVL liebevoll gepflegt wird. Beim Jubiläum wird dieser Waggon wieder im Mittelpunkt stehen.

Aber es gab auch schlechte Zeiten für die Lübecker Bahn, die 1937 in der Reichsbahn aufging. Im Krieg wurde die Bahn stark mitgenommen. Nach dem Krieg fiel ein Teil der Strecken nach Osten weg und Lübeck stand nicht mehr im Zentrum. Dies änderte sich erst 1990 mit der Vereinigung und ein, wenn auch bescheidener, Aufschwung begann.

Leider hat sich die Deutschen Bahn nicht offiziell an den anstehenden Feiern beteiligt, beklagt Hecht. Die Hauptlast liegt bei den Eisenbahnenthusiasten des Vereins. Dazu werden sie ein großes Programm durchführen. Zahlreiche Loks und Wagen werden auf der Wallhalbinsel aufgefahren.

Programm:

Am Samstag, den 13.10. von 12 – 18 Uhr und am Sonntag den 14.10. von 10 bis 18 Uhr:

Ausstellung und Mitfahrten auf der Wallhalbinsel, 30 verschiedene Fahrzeuge werden ausgestellt, Mitfahrten 5 DM. Vom ZOB zur Wallhalbinsel pendeln historische Busse (Sonderlinie 150).

Einzelheiten unter www.vlv-luebeck.de

Weiterführende Links

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 07./08.10.2001, Seite: 33, Autor: Nicole Suhl
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Regionalverkehr, Fernverkehr, Geschichte, Jubiläum, Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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