Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Pressearchiv
Fahrrad
Flugzeuge
Ziehen und Schieben
Schifffahrt
Zurück

12.10.2001 | Berliner Zeitung

Auftragslage kritisch – Bahnindustrie ist von der Bahn AG abhängig

Industrie strebt Internationalisierung an

HAMBURG – Der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie (VDB), Dieter Klumpp, erläuterte die Bestrebungen der von ihm vertretenen Firmen der Bahnindustrie, die Abhängigkeit von den wechselnde Bestellungen der Deutschen Bahn AG abzubauen. Er konnte auf wachsende Erfolge bei der Internationalisierung des Geschäftes verweisen. Die Ansätze sind jedoch noch nicht ausreichend. Die Abhängigkeit von der Bahn AG ist für die Branche finanziell schwierig. Während der Absatz im Inhalt sich fast halbiert hat, konnte der Auslandsumsatz fast verdoppelt werden. Dies reichte aber nicht aus, die Ertragslage und damit die Zahl der Beschäftigten mittelfristig zu sichern. Viele Betriebe kommen nur durch drastische Sparmaßnahmen aus den roten Zahlen. Abbau von Arbeitsplätzen sei deshalb auch weiter unvermeidlich. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich von 1999 auf 2002 um 3300 Mitarbeiter auf 32 200.

Der neue Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Michael Clausecker, beklagte den ruinösen Preisdruck im Inland. So ist der Preis einer Lok, gemessen in Megawattleistung innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte gesunken, erläuterte Clausecker. Dies könne durch Produktivitätssteigerungen kaum aufgefangen werden. Im Ausland kann bei den gleichen Loks bis zu 20 Prozent mehr verdient werden als in Deutschland.

Trotz der schwierigen Lage gäbe es einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Facharbeitern und noch mehr an Ingenieuren. Deren Absolventenzahl sank in den letzten Jahren um fast die Hälfte. "Uns gehen die Ingenieure aus", meinte Klumpp.

Von den neuen Investitionen der Bahn erwartet der Präsident positive Effekte für die Bahnindustrie. Wenn neben der Bahn AG auch die zunehmende private Konkurrenz Bestellungen aufgeben werde, könnte sich das positiv auswirken. Auch die Vermietung von Loks entwickelt sich erfreulich. Mittlerweile fahren bereits über 50 Mietloks in privaten Gesellschaften, die sich keine eigenen Loks leisten können.

Trotz aller Sorgen zog Klumpp eine positive Bilanz der Branche. Sie sei eine ausgesprochen Hightech-Branche geworden, die international führend sei. Dabei kann es durchaus bei schnellen Entwicklungen zu Problemen kommen. Er verwies dabei auf die Neigetechnik und andere Projekte, bei denen es zeitweise große Schwierigkeiten bei der Einführung gab. Das habe nicht nur der Branche, sondern auch dem Image der Deutschen Bahn AG erheblich geschadet und dürfe sich nicht wiederholen. Hinter der Hand wurde ein materieller Verlust durch diese Fehlleistungen in dreistelliger Millionenhöhe gehandelt.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 12.10.2001, Seite: 33, Autor: Peter Kirnich
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrmittel, Eisenbahn, S-Bahn, U-Bahn, Waggons, Deutsche Bahn AG, Bahnindustrie, Hersteller, Loks, Waggons, Privatisierung, Ökonomie, Finanzierung, Kosten, Anschaffung, Internationalisierung, Arbeit, Facharbeiter, Ingenieure, Entlassung, Qualifizierung, Facharbeitermangel, Zukunft, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
Zurück