Das Pressearchiv bietet ausgewählte Artikel und Pressenotizen, die mit Verkehr zu tun haben. Sie sind chronologisch geordnet. Eine systematische Recherche mit der Suchmaschine wird durch die Verschlagwortung unterstützt.

Flugzeuge
Bautechnik
Eisenbahn
Pferdefuhrwerke
Pressearchiv
Zurück

17.10.2001 | Berliner Zeitung

Bahn AG gegen Obdachlose im Bahnhof

Essensausgabe der Bahnhofsmission soll verboten werden

BERLIN – Menschlichkeit ist die Devise der Bahnhofsmission. Seit 1894 kümmern sich evangelische und katholische Helfer, zumeist ehrenamtlich, um Menschen in Not. Gleichgültig ob es sich um hilflose Reisende handelt oder Obdachlose. Jeder der Hilfe braucht, sei es weil er alt oder jung ist und Probleme beim Alleinreisen hat, seine Fahrkarte verloren oder einfach nur, weil er Hunger und Durst hat. Dieser Dienst schien bislang selbstverständlich und unwidersprochen und ist auch in einem Kooperationsvertrag zwischen den kirchlichen Organisationen und der Bahn festgelegt.

Seit kurzem will die Deutsche Bahn AG diese Praxis nicht mehr dulden. Sie hat bei der Neukonzeption des Bahnhofes als Erlebnis- und Kaufwelt Angst um das Image. Da passen Obdachlose, Abhängige und Bettler nicht mehr hinein. So argumentiert auch der Bahnsprecher für Berlin und Brandenburg: "Durch die Essensausgabe schafft die Bahnhofsmission zusätzliche Anreize für Obdachlose und Drogenabhängige. Es gibt keinen Grund, am Bahnhof Essen auszugeben. Immer mehr Kunden beschweren sich über die herumlungernden Obdachlosen im Bahnhofsgelände. Essen kann auch drei Straßen weiter verteilt werden."

Die Bahnhofsmission hält dagegen, dass der Verzicht auf die Essensausgabe das Problem nicht lösen würde. Der Bahnhof bliebe auch so Treffpunkt der Gestrandeten unserer Gesellschaft. Die könne beispielsweise in Mainz beobachtet werden, wo es im Bahnhof keine Bahnhofsmission gibt, trotzdem aber viele Obdachlose. Die Leiterin der Berliner Bahnhofsmission Helga Fritz vermutet, dass die Obdachlosen, wenn es keine geregelte Ausgabe von kleinen Malzeiten mehr gäbe, betteln oder gar in den Abfallkörben der Imbissgeschäfte wühlen würden. Das würde das Bild des Bahnhofs nachhaltiger stören.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungslosen weist darauf hin, dass sich die Bahn als Vorreiter einer weiteren Ausgrenzung von Obdachlosen und Armen in unserer Gesellschaft profilieren würde, wenn die Planung umgesetzt würde. Gerade Obdachlose seien auf warme öffentliche Plätze angewiesen.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 17.10.2001, Seite: 22, Autor: Felix Zimmermann
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Bahnhof, Aufenthalt, Obdachlose, Bedürftige, Bahnhofsmission, Hilfsbedürftige, Berlin, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
Zurück