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20.10.2001 | Lübecker Nachrichten

Nach Travemünde: Umsteigen

LÜBECK – Der Ärger um die Zugverbindungen Lübecks reißt nicht ab. Schon wieder steht das Thema Angebote, besser Zumutungen, der Bahn auf der Tagesordnung. Während Verbesserungen angemahnt und immer wieder versprochen werden, verschlechtert die Bahn AG ohne Ankündigung ihr Angebot.

Ab Montag heißt es für die Fahrgäste nach Travemünde in Lübeck: "Umsteigen bitte". Bislang fuhr jeder zweite aus Hamburg kommende Regionalexpress nach Travemünde durch. Dies ersparte den Fahrgästen das lästige Umsteigen. Wer nun von Hamburg kommend an die Ostsee will, muss in Lübeck in einen Triebwagen umsteigen. Nur an den Wochenenden fährt der Regionalexpress weiter durch.

Der für den Zugverkehr zuständige Chef der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS), Bernhard Wewers, hält die Umstellung für vertretbar. Zuerst wollte die Bahn alle Direktverbindungen nach Travemünde streichen, auch im Sommer, wenn viele Touristen an die See wollen. Die Bahn selbst glaubt, die Verschlechterung sei für die Reisenden akzeptabel. Angelika Theidig von der Bahn erklärte in Hamburg, das Umsteigen auf den am gleichen Bahnsteig stehenden Triebwagen sei zumutbar. Außerdem sind bsonders im Winter nur relativ wenige Fahrgäste betroffen.

Der Betrieb eines Triebwagens ist für die Bahn wesentlich wirtschaftlicher, als einen ganzen Zug nach Travemünde fahren zu lassen. Die großen Diesellokomotiven verbrauchen pro Kilometer 3 Liter Dieselkraftstoff, der Triebwagen dagegen nur 0,7 Liter. Zudem wird im Zug ein Zugbegleiter benötigt und der Triebwagen kommt mit dem Fahrer allein aus.

In Travemünde rechnet man anders. Hier soll das Angebot auch im Winter verstärkt werden. "Nun trocknet uns die Bahn aus", meint Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der SPD. Früher, zu Zeiten der alten Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft konnte man in einer Stunde von Hamburg nach Lübeck durchfahren, erinnert er. Und jeder Zug fuhr durch. Pluschkell befürchtet, dass die Bahn den Verkehr nach Travemünde bald ganz einstellt. Sein Travemünder Kollege Klaus Petersen von der Travemündener CDU pflichtet ihm bei, er findet das Verhalten der Bahn "unmöglich, sonst soll doch immer der öffentliche Verkehr gefördert werden." Auch Richard Schneider vom Gemeinnützigen Verein Travemünde findet das Vorgehen der Bahn "unverständlich". Auch im Winter sei eine durchgehende Verbindung unverzichtbar, "führen doch bei gutem Wetter Massen an die Ostsee".

Der Sprecher des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" Ulrich Bahr hält das Vorgehen der Bahn im Winter für vertretbar, fordert aber für die Saison Verbesserungen des Angebots. Ähnlich sieht es auch die Bürgerschaft der Hansestadt. Das Parlament hat Bürgermeister Saxe aufgefordert, sich bei der LSV, der Bahn und der Kieler Landesregierung für eine Verbesserung des Schienenverkehrs einzusetzen und entsprechende Verhandlungen aufzunehmen. Im Zentrum soll die bessere Anbindung Lübecks an den Fernverkehr und der Halbstundentakt nach Hamburg stehen. Pluschkell ergänzte die Forderung durch die Aufhebung des geplanten Haltes in Ahrensburg, weil die Lübecker eine weitere Verdünnung des Angebotes und längere Fahrzeiten sowie immer weniger Plätze in den Zügen nicht hinnehmen könnten.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 20.10.2001, Seite: 12, Autor: Kai Dordowsky
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Personenverkehr, Deutsche Bahn AG, Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft, Fahrplan, Regionalverkehr, Überfüllung, Bahnhof, Politik, Ökonomie, Finanzierung, Travemünde, Lübeck, Schleswig-Holstein, Hamburg, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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