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22.10.2001 | Berliner Nachrichten

Der lange Zug der Bahn

Vier Jahre kämpft ein Feuerwehrmann gegen die Bahn

ELSTERWERDA – Das hatte der Feuerwehrmann, der seit vielen Jahren freiwillig anderen Menschen geholfen hat nicht erwartet. Seine Einsatzbereitschaft hat er bitter bezahlen müssen. Als er mit dem Einsatzwagen zu einem Brand am Bahnhof von Elsterwerda gerufen wurde, konnte er nicht ahnen, was auf ihn zukommen würde. Weit hinter der Absperrung der Polizei hatte er die plötzliche Explosion eines der Kesselwagen mitbekommen, die wegen defekter Bremsen über eine Weiche gerast waren und dann in einem Feuerball explodierten. Er sah die Kollegen vor der Flammenwand davon rennen, vergeblich. Beide starben in den Flammen. Die Druckwelle zerstörte die Frontscheibe, hinter der Siegmar Pötsch am Funkgerät saß, er sprang aus dem Wagen, seine dicken Dienststiefel blieben im aufgeweichten Asphalt kleben, er hielt sich die Hände schützend vors Gesicht, als auch ihn die Flammenwand traf. Seine Kollegen zogen den schwer verletzen Feuerwehrmann aus den Flammen. Die Hände waren fürchterlich verbrannt, hatten das Gesicht jedoch geschützt, so dass er nur Verbrennungen zweiten Grades davon trug.

Heute, vier Jahre nach den schrecklichen Ereignissen sind seine Hände immer noch nicht verheilt, weitere Operationen stehen an. In seinem erlernten Beruf als Fernsehmechaniker kann Siegmar Pötzsch seit dem Unfall nicht mehr arbeiten. Die Verantwortlichen der Bahntochter DB Cargo sowie der Zugvorbereiter, der die Bremsen nicht ordnungsgemäß überprüft hatte, wurden inzwischen verurteilt, zu 120 000 Mark Schadenersatz und Schmerzengeld. Der Richter hat die Bahn heftig kritisiert. Sie habe, so Richter René Nowitzki, dem Feuerwehrmann zusätzlich und unnötig geschadet.

Zunächst hatte die Bahn bei einem Besuch im Krankenhaus die Übernahme aller Kosten zugesagt. Dann, als es später ans Bezahlen ging, wollte sie von der Zusage nichts mehr wissen. Es sei ein Arbeitsunfall gewesen, mit dem die Bahn nichts zu tun habe, hieß es plötzlich.

Jetzt steht noch eine Klage an, die der Witwe des Brandmeisters, der bei dem schrecklichen Unglück umgekommen ist. Ursula Mechelk hat ebenfalls die Bahn verklagt. Ihr Anwalt weist auf die ständigen Vertröstungen der Bahn hin, und befürchtet, dass die Ansprüche verjähren. Deshalb hat er Klage beim Landgericht Berlin eingereicht. Unklar ist bis heute, wann die Strafprozesse gegen den Zugvorbereiter und den Zugführer sowie andere Verantwortliche der Bahn eingeleitet werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklagen wegen fahrlässige Tötung bereits vor einem halben Jahr eingereicht.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Nachrichten, 22.10.2001, Seite: 33, Autor: Katrin Bischoff
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Güterverkehr, Tankwagen. Kesselwagen, Waggon, Unglück, Katastrophe, Unfall, Ermittlung, Staatsanwaltschaft, Unfallfolgen, Unfallursache, Personenschaden, Tote, Verletzte, Arbeit, Zugführer, Zugvorbereiter, Elsterwerda, Berlin, Brandenburg, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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