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31.10.2001 | Berliner Zeitung

Transrapid mit "Volldampf"?

China plant – Holland und die USA entscheiden

BERLIN – Die Vertreter der Deutschen Transrapid-Industrie sind optimistisch. "Derzeit wird in China über eine über 1000 km lange Strecke zwischen Tiajin und Shanghai diskutiert, dabei kann der Transrapid eine gute Chance haben", meinte der Repräsentant von Thyssen-Krupp für Asien, Hartmut Heine, gegenüber unserer Zeitung. Auch in Holland und in den USA sieht Heine gute Chancen für das moderne Verkehrsmittel. Die Niederländer wollen noch im Dezember über zwei Strecken entscheiden, in den USA wird über eine Strecke zwischen Las Vegas und Los Angeles gesprochen.

Heine berichtet über die große Begeisterung, die der Bau der ersten Bahn in China auslöst. Die Baustelle, auf der schon fast alle Stelzen errichtet sind, wird täglich von tausenden Schaulustigen aufgesucht. Die Stelzen sind bis zu elf Meter hoch und stehen auf Fundamenten, die bis zu 60 Meter in der Erde eingelassen sind. Bundeskanzler Schröder besucht die Baustelle bei seinem Chinabesuch in der kommende Woche. Bereits Anfang 2003 wollen die Chinesen die Strecke erproben, Anfang 2004 soll der reguläre Betrieb aufgenommen werden. Im Linienbetrieb ist ein 10-Minutentakt geplant. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 430 km/h dauert die Fahrt vom Flughafen in die Stadt nur noch 8 Minuten. Heute dauert die Fahrt über 45 Minuten, erklärt Heine.

Der Repräsentant berichtet von weiteren Plänen der Chinesen. Eine Verbindung von Shanghai nach Hangzou, der berühmten Touristenstadt, ist ebenso im Gespräch wie zwischen Peking und dem Flughafen der Hauptstadt sowie von dort nach Tianjin. Dort finden die olympischen Segelwettbewerbe statt. China hatte bei der Bewerbung mit dem Transrapid als Verkehrsmittel geworben. Die Streckenführung in Peking ist bereits festgelegt, weiß Heine zu berichten. Auch japanische Bahnen seien im Gespräch, aber die Konkurrenz sieht Heine gelassen. "Die japanische Magnetbahn schafft nur 100 km/h, das kommt wohl nicht in Frage." Chinas Ministerpräsident ist ein Fan der Deutschen Magnetbahn und sieht große Chancen für das Verkehrsmittel der Zukunft, wenn es sich bewährt. Aber da besteht kein Zweifel, so Heine.

Schwierigkeiten mit der Finanzierung, die Kosten werden auf über 50 Milliarden Mark geschätzt, wollen die Chinesen durch Sparen und Staatsanleihen bewältigen. Die Großbanken stehen hinter dem Projekt, meint Heine.

Nach dem Baubeginn in China scheint auch das Interesse in anderen Länder zu wachsen. In den USA wird die neue Strecke Los Angels–Las Vegas deutlich konkreter geplant als frühere Strecken, erläutert der Sprecher von Transrapid International Peter Wiegelmann. Derzeit laufen Umweltverträglichkeitsprüfungen für mehre mögliche Strecken, so auch eine zwischen Baltimore und Washington, sowie eine Flughafenstrecke in Pittsburgh. Auch in den Niederlanden, so Siemens-Niederlande-Chef Martin von Pernis in Schwerin, will die Regierung bald über den Bau einer Strecke zwischen Groningen, Amsterdam und Rotterdam entscheiden. Klarer Favorit der Niederländer sei der Transrapid.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 31.10.2001, Seite: 31, Autor: Peter Kirnich
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Transrapid, Personenverkehr, Fernverkehr, Neubau, Zukunft, Technik, Deutschland, China, USA, Niederlande, Europa, Asien, Amerika, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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