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06.11.2001 | Berliner Zeitung

Zug bleibt stehen – Kein Personal

BERLIN – Die Eisenbahngewerkschaft Transnet schlägt Alarm. Sprecher Hubert Kummer verweist auf die ehrgeizigen Sparpläne des Bahn-Vorstandes, der zu schwierigen Situationen führt. So können die UMTS-Gelder, die die Bundesregierung zusätzlich zum Streckenausbau bereitstellt, nicht zügig ausgegeben werden, weil die Bahn zuvor selbst Planungsfachleute entlassen hat. Besonders schwierig sei die Lage, so Kummer weiter, auch bei Zugbegleitern und bei Lokführern. Einzelne Beschäftigte schieben einen Berg von 1000 Überstunden vor sich her, weiß der Gewerkschaftler. Auch sei es vorgekommen, dass Stellwerke nicht rechtzeitig besetzt wurden und es deshalb zu Zugverspätungen gekommen ist.

Das Sparkonzept des Vorstandes ist drastisch und für sich gesehen beachtlich. So wurden seit 1994, dem Beginn der Privatisierung der Bahn, mit 194 000 Stellen fast die Hälfte der ursprünglich 400 000 Mitarbeiterstellen abgebaut. Kräftig hat die Bundesregierung dabei mitgewirkt, indem sie Vorruhestandregelungen für frühere Eisenbahnbeamte großzügig finanziert und jüngst noch einmal eine Runde von solchen Pensionierungen einleitete. Mit 55 oder 60 Jahren können Beamte aller Dienststufen ausscheiden. Das entlastet den Haushalt der Deutschen Bahn AG erheblich. Jetzt hat der Vorstand nach Auskunft von Personalvorstand Föhr den Abbau bremsen müssen. Ungefähr 3000 Stellen weniger als geplant sollen nun abgebaut werden, damit der Betrieb weiter laufen kann. Genaueres wollte Föhr noch nicht mitteilen.

Ein weiteres Mittel des Sparens ist die Flexibilisierung der Tarife, die branchentypisch ausgehandelt werden sollen. Bundeseinheitliche Tarife soll es künftig nicht mehr geben, meinte Föhr. Wenn das nicht gelinge, könnte sich die Bahn an bestimmten Ausschreibungen nicht mehr beteiligen. Ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen sei dann unvermeidlich, meinte Föhr. Er will dies nicht als Drohung verstanden wissen.

Auf die Korruptionsfälle bei der Bahn angesprochen, sagte Föhr, dass die Staatsanwaltschaft gegen 25 Mitarbeiter ermittele und die Bahn intern gegen 40 bis 50 Mitarbeiter interne Untersuchungen durchführen müsse.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 06.11.2001, Seite: 25, Autor: Peter Kirnich
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Deutsche Bahn AG, Entlassung, Personalnotstand, Privatisierung, Arbeit, Lokführer, Zugbegleiter, Stellwerker, Lohn, Gehalt, Gewerkschaft, Transnet, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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