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20.11.2001 | Berliner Zeitung

Statt Automatik – Handsteuerung wieder eingeführt

BERLIN/HANNOVER – Es kommt bei der Bahn einige tausend mal am Tag vor: Ein schneller Zug überholt einen anderen langsamen und fährt dazu über eine Weiche auf das Überholgleis und dann wieder zurück über eine Weiche auf das Hauptgleis. Das geschieht ohne Probleme, fast immer.

Beim ICE "Prinz Eugen", aus Wien kommend auf dem Weg nach Hamburg geschah dann doch etwas. Der Zug donnerte mit 120 km/h über die Weiche, erlaubt sind nur 80 km/h. Der ermittelnde Bundesgrenzschutz sprach sogar von 185 km/h. Besonders im Speisewagen rumpeltes es heftig und Geschirr ging zu Bruch. Noch schlimmer, einige Mitropa-Mitarbeiter und Fahrgäste bekamen Prellungen. Mindestens fünf Personen wurden zum Glück nur leicht verletzt.

Die Bahn reagierte sofort. Das Tempo auf der Strecke Hannover–Hamburg wurde von 200 auf 160 km/h zurückgesetzt. Dies führt nach Angaben von Bahnsprecher Frohne zu einigen Minuten Verspätung. Außerdem veränderte die Bahn die Überholvorschriften. Die Lokführer müssen in Zukunft wieder selbst steuern. Bislang geschah der Gleiswechsel automatisch, durch den Autopiloten. Durch das System der Linienzugbeinflussung (LZB) wird der Zug über ein zwischen den Gleisen verlegtes Datenkabel gesteuert. Eine Antenne am Bug des Zuges fängt die Steuerungssignale auf und diese steuern den Zug. Dies führt zu einer automatischen Abbremsung vor den Weichen. In Zukunft muss der Lokführer die Abbremsung und die Beschleunigung selbst einleiten.

Die Bahn sucht nach eine Ursache für den Zwischenfall, erklärte Bahnsprecher Frohne. Das Eisenbahnuntersuchungsamt in Bonn wurde eingeschaltet. EBA-Sprecher Mark Wille meinte, dass die Untersuchungen einige Tage dauern werden. Über die möglichen Ursachen wollte er sich nicht äußern.

Die automatische Zugbeeinflussung wird bei der Deutschen Bahn AG schon seit 1965 genutzt. Jeder Fernzug wird seit der Erprobung in München mit dem System gesteuert. Bislang hat es kein Versagen gegeben. Das Problem ist seit Montag nicht mehr bahnintern, die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat sich eingeschaltet und die Ermittlungen aufgenommen. Es geht um Gefährdung des Bahnverkehrs, es wird jedoch nicht von einem Anschlag ausgegangen.

Quellenangaben

Quelle: Berliner Zeitung, 20.11.2001, Seite: 8, Autor: pzr
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Personenverkehr, Fernverkehr, ICE, Unfall, Personenschaden, Verletzte, Automatik, Automation, Zugsteuerung, Technik, Arbeit, Lokführer, Unfallursache, Technikfolgen, Ermittlung, BGS, Staatsanwaltschaft, Lüneburg, Wien, Hannover, Hamburg, Deutschland, Österreich, Europa, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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