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24.11.2001 | Lübecker Nachrichten

Anklage gegen Techniker

Verfahren gegen verantwortliche des Eschede-Unglücks

LÜNEBURG – Drei Jahre hat die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt. Nun kann endlich der Prozess wegen des Unglücks von Eschede vor dem Landgericht in Lüneburg beginnen. !01 Menschen starben nahe der kleinen Gemeinde Eschede bei dem schwersten Eisenbahnunglück der Nachkriegszeit. Die Staatsanwaltschaft wirft drei Ingenieuren fahrlässige Tötung in 101 Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 105 Fällen vor. Das Unglück geschah am 3. Juni 1998. Der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen", auf der Fahrt von Hannover nach Hamburg, entgleiste und raste gegen einen Brückenpfeiler, der die Brücke zum Einsturz brachte. Die Staatsanwaltschaft geht von einem gebrochenen Radreifen aus, der als Unfallursache ermittelt wurde. Die kritischen Maße für den Verschleiß seien falsch berechnet worden.

Angeklagt sind ein inzwischen pensionierter Abteilungspräsident im damaligen Bundesbahnzentralamt, ein Bundesbahnoberrat und ein Ingenieur der früheren Vereinigten Schmiedewerke Bochum, die den Radreifen herstellte.

Der Verhandlungstermin wird noch festgesetzt. Die Verteidiger der drei angeklagten Techniker wiesen die Anklagen als haltlos zurück. Die Radreifen seien ihrer Überzeugung nach brauchbar gewesen. Ein persönliches Fehlverhalten sei nicht nachweisbar. Die Anwälte der Opfer erhoffen von der Verhandlung eine bessere, vor allem deutlich höhere, Entschädigung. Sie fordern bis zu 250 000 Mark für jedes Opfer.

Chronik:

3. Juni 1998: Der ICE entgleist, bringt die Brücke zum Einsturz. 101 Menschen sterben in den Trümmern.

21. August 1998: Die Staatsanwaltschaft ermittelt den Radreifen als Unfallursache.

20. Januar 2000: Ein umfangreiches Gutachten weist auf schwere Versäumnisse der Bahn hin.

9. November 2001:Anklage gegen drei Techniker.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 24.11.2001, Seite: 10, Autor: dpa
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Personenverkehr, Fernverkehr, ICE, Unglück, Unfall, Katastrophe, Unfallfolgen, Unfallursache, Personenschaden, Tote, Staatsanwaltschaft, Klage, Technik, Eschede, Lüneburg, Niedersachsen, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2001
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