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24.01.2002 | Lübecker Nachrichten

Lübeck erhält endlich neues Stellwerk

Alte Technik unter Denkmalschutz

LÜBECK – Das Computerzeitalter beginnt nun auch in den Stellwerken am Lübecker Bahnhof. Die alte, bereits unter Denkmalschutz stehende Hebel- und Seiltechnik wird durch Computerfernsteuerung ersetzt. Bereits im Frühjahr soll mit dem Bau eines 55 Millionen teuren elektronischen Stellwerkes begonnen werden.

Mit dem Neubau des elektronischen Stellwerkes (ESTW) beginnt ein neues Zeitalter bei der Bahn. Weichen und Signale werden nicht mehr mit der Hand über Hebel und Seilzüge verstellt, sondern von Hannover aus mit dem Computer von Leitständen aus gesteuert. Die Gewerkschaft der Eisenbahner TRANSNET rechnet mit ungefähr 100 wegfallenden Arbeitsplätzen.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis erläutert die Technik: "Alle Steuerungen im Raum Lübeck werden von Hannover aus von Bildschirmen über Computer und dann über Elektromotore gesteuert". Diese Technik wird anderenorts bereits eingesetzt. In Kiel hat die Bahn schon für 60 Millionen die alten Stellwerke ersetzt. Als letzter großer Bahnhof im Norden ist nun Lübeck an der Reihe. Die alte Technik mit großen Hebeln, Schubstangen und Seilzügen hat bald ausgedient.

In der Zeitung "Bahnzeit" wird der Plan beschrieben. Nach Baubeginn im Frühjahr 2002 soll der Betrieb bereits im Februar 2003 aufgenommen werden. Die Kosten werden mit 55 Millionen Euro angegeben. Die Finanzierung erfolgt durch Bahn und Bundesregierung aus den Erlösen der UMTS-Versteigerung. Das neue Stellwerk wird für den gesamten Betrieb in Lübeck, Reinfeld, Blankensee, Schönberg, Travemünde, Pansdorf und Ratekau zuständig sein. Im ESTW Lübeck wird nur eine kleine Notbesatzung ihren Dienst verrichten. Das Stellwerk wird von der Firma Siemens errichtet.

Während die Bahn AG von der Ersparnis an Personalkosten und bei den teuren Ersatzteilen für die alte Technik spricht, sieht der Gewerkschaftler den Verlust der Arbeitsplätze als Problem. Zwar werden keine Mitarbeiter entlassen, jedoch müssen einige mit Arbeitsplatzangeboten in anderen Regionen rechnen. Das heißt dann Umziehen, meint Uwe Meetz von der TRANSNET.

Bahnsprecher Meyer-Lovis weiß noch weitere Vorteile aufzuzählen. Er erklärte, dass mittels Computer die Signale schneller geschaltet werden können, so dass mehr Züge auf der Strecken fahren können. Dies sei bei der vielbefahrenen Strecke Lübeck–Hamburg besonders wichtig.

Noch ist nicht bekannt, wo das unscheinbare Flachdachgebäude seinen Platz finden wird. Die Stellwerke "LP", "WTM" und "OTM", die bislang den Verkehr regeln, stehen alle unter Denkmalschutz und dürfen nicht abgerissen werden. Denkmalpfleger Horst Siewert beharrt darauf, dass die Gebäude und die alte Technik erhalten bleiben müssen. Alle Bauwerke und die Technik stammen von 1908, nur wenig ist in den 50er Jahren ergänzt worden, alles ist technikhistorisch und eisenbahngeschichtlich hoch bedeutsam, erläuterte der Denkmalschützer.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 24.01.2002, Seite: 13, Autor: Kai Dordowski
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Technik, Bahnhof, Schienennetz, Gleise, Weichen, Signale, Stellwerk, Computer, Computerisierung, Fernsteuerung, Ökonomie, Finanzierung, Gewerkschaft, TRANSNET, Entlassung, Arbeitsplätze, Politik, Geschichte, Denkmalschutz, Technikgeschichte, Hannover, Kiel, Lübeck, Reinfeld, Schönberg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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