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29.01.2001 | Lübecker Nachrichten

Strafe für Unpünktlichkeit – Bonus für Pünktlichkeit

Landesservicegesellschaft will Deutscher Bahn AG ans Portemonnaie

KIEL – Die Deutsche Bahn AG muss zahlen. Weil zu viele ihrer Züge unpünktlich sind, soll die Bahn eine Million Euro Strafe zahlen. Die Landesweite Verkehrsservice Gesellschaft (LVS) hat der Bahn vorgehalten, dass ihre Pünktlichkeit nur bei 91,5 Prozent liege, gefordert sei nach den Vereinbarung jedoch 95 Prozent

Die privaten Anbieter machen es der ehemaligen Staatsbahn vor. Die Nord-Ostsee-Bahn fährt auf ihrer Strecke Kiel–St Peter-Ording genau die 95 Prozent ein, die AKN erreicht mit ihren Zügen auf der Strecke Heide–Büsum sogar eine 99-prozentige Pünktlichkeit. Sie soll deshalb einen Bonus bekommen.

Die Deutsche Bahn AG soll nun erstmals eine Strafe zahlen. Geschäftsführer Bernd Wewers von der LVS kündigte die Entscheidung in Kiel an. Die Landesverkehrsservice Gesellschaft organisiert für das Land den Regionalverkehr. Die Regelung über Bonus und Strafe (Malus) wurde bereits 1998 vereinbart. Sie soll nun zum ersten Male verhängt werden, weil alle Ermahnungen und Versprechungen nichts genutzt haben.

Auch auf der Strecke Lübeck–Hamburg erreicht die Bahn nur magere 91,5 Prozent Pünktlichkeit. Besonders die zahlreichen Pendler klagen immer wieder über die Unpünktlichkeit. Das soll nicht länger geduldet werden, meint Wewers, der von der Bahn Aufklärung über die Ursachen verlangt und umgehende Abhilfe fordert. Nach seinen Angaben soll die Strafe eine erzieherische Wirkung ausüben. Die bisherige Erfassung der Daten soll noch bis Jahresende ausgewertet werden, dann werde, so Wewers, endgültig über die Höhe der Strafe entschieden.

Die Bahn räumt Versäumnisse zwar ein, empfindet die Strafe aber als erheblich überzogen. Nach ihren Berechnungen könnte sie lediglich ein Zehntel der geforderten Summe betragen. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis verwies auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen. Bei einem Spitzengespräch zwischen Bahn und LVS soll die Streitfrage nun geklärt werden.

Viele Lübecker Pendler reagierten mit Genugtuung auf die Strafankündigung. Sie sei längst fällig gewesen, meinten Befragte spontan.

Von den 22 Millionen Zugkilometern im Regionalverkehr Schleswig-Holsteins sind bislang 6 Millionen ausgeschrieben worden. Jedes Mal hat sich auch die Bahn beworben, hat aber jedes mal gegen einen privaten Konkurrenten verloren. Im Sommer wird der Zuschlag für die Strecke Heide–Büsum erfolgen und die Ausschreibung für die Strecke Hamburg–Westerland offengelegt.

Quellenangaben

Quelle: Lübecker Nachrichten, 29.01.2002, Seite: 1, Autor: Joachim Welding
Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, Deutsche Bahn AG, Nord-Ostsee-Bahn, NOB, AKN, Verspätung, Regionalverkehr, Privatisierung, Ausschreibung, Landesverkehrsservice Gesellschaft, LVS, Ökonomie, Hamburg, Lübeck, Kiel, Westerland, Büsum, Heide, Schleswig-Holstein, Deutschland, Verkehrswerkstatt
Aktualisiert am: 02.01.2006
Erstellt von: C. Duismann 2002
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